Ein Lebemann, ein Freigeist, jemand, der keine Grenzen akzeptiert. Das alles ist Oded Kafri. Vor allem ist er aber Drummer, ein ziemlich bunter Hund und Teil der Band Drum The World. Man kennt ihn nicht aus dem Fernsehen oder aus dem Radio, sondern von Auftritten in Parks oder Fußgängerzonen. Wie bitte? Ja, denn Oded Kafri ist Straßenmusiker. Straßenschlagzeuger um genau zu sein.

Und ein ziemlich erfolgreicher noch dazu: Die Videos auf YouTube, in denen man ihn trommelnd, schreiend und völlig ekstatisch vor seinem Schlagzeug sieht, wurden bereits millionenfach angeschaut. Seine Bühnen befinden sich in Hamburg, Berlin und London. Und natürlich überall dort, wo sich Menschen begegnen.

Wir haben uns mit dem etwas verrückten, aber sympathischen Mann getroffen, um über ihn, sein Leben, seine Musik und seine Band Drum The World zu sprechen. Vorhang auf für den vermutlich besten Drummer der Welt.


„My first name is Oded, my second name is kafri. But I am also known as Kafri. I am just a spirit in this world. I am playing drums – that is how I express my freedom. I am a freedom seeker. What I love the most in this world is the freedom. I also love music. Music is a tool for me to express my freedom.“

„My dream is to expand to people, that everyone is capable, that everyone is special in this world. And everybody got his own uniqueness.”

Geboren wurde Kafri in Tel Aviv vor ungefähr 40 Jahren. So Pi mal Daumen. Angefangen Schlagzeug zu spielen hat er mit 10 Jahren, um seine Hyperaktivität in den Griff zu bekommen. Viele Kinder in dem Alter fangen an ein Instrument zu spielen, aber hören nach einem oder maximal zwei Jahren wieder auf. Kafri hingegen wusste mit 14 bereits, dass er nichts anderes mehr tun wollte.

„It was very, very clear to me that a job in an office wouldn’t work for me. So when I discovered the drums I was very happy. This is it, this is where I want to go. I was fascinated by drummers, the complexity, the virtuosity, the control of the instrument, the control over the music the drummer has. And I also knew, that I had to practice very hard.“

Als die Entscheidung gefallen war, gab es für Kafri kein Halten mehr. Mit vollem Einsatz widmete er sich der Musik. Er studierte unterschiedlichste Drummer wie Omar Hakim, Manu Katche oder auch Stewart Copeland von The Police. Jazz oder Rock war dem Jugendlichen egal. Hauptsache die Musik war gut und der Takt war tight.

„I was very ambitious and I wanted to be a good drummer. I understood, if you want to be a good rock drummer you need to have the vocabulary. You need to be familiar with jazz and I went very deep with it. Today I discovered, no matter what, I am not a jazz drummer and I am not a jazz fan. But I listen to it a lot and I can appreciate it, if it is good.“

Kurz darauf verkündeten ihm seine Eltern, dass sein Umzug nach Paris bevorstehen würde. Kafri war natürlich wenig begeistert, schließlich war er in Tel Aviv geboren und aufgewachsen. Dennoch zog die gesamte Familie nach Paris, um dort ein neues Leben zu beginnen. Oded lernte schnell die fremde Sprache und machte den vermeintlichen Schicksalsschlag zu seinem Vorteil. Er übte weiter Schlagzeugspielen, was auch sonst? Zweifel kannte der junge Kafri aber auch:

„I remember many times in my life, in my youth, having struggles about, you know: am I talented enough or not? But life showed me, if you continue and concentrate on what you want to achieve, you will get it.“

Kafri machte tatsächlich immer weiter, um sein Ziel – der beste Drummer der Welt zu werden – zu erreichen. Bevor jemand aber überhaupt irgendwas erreichte, ging es ein paar Jahre später wieder zurück nach Israel.

„I studied classical percussion in Tel Aviv. It was a very crazy time because I went very deep into composition. Very creative. And my dream was to travel the world with music. But I felt trapped in Tel Aviv because Israel is very small. And it takes time to start your project in Israel and let it fly around the world. You cannot say like in Europe: okay, i take the car and drive to Prague. You cannot drive to Damascus. So, then I just flew to Africa.“

Die Reise nach Afrika sollte der Beginn einer sehr langen Reise werden. Kafri entdeckte seine Freiheit und bemerkte, dass er sich diese niemals würde nehmen lassen. Außerdem wurde in Afrika der Grundstein für die spätere Karriere als Straßenmusiker gelegt.

„When I saw people in Africa without anything, without money and they are still creative – it was amazing. And I came back to Israel and with the problematic situation in Israel I made the best out of fit. It can be very difficult: rain, sun, authorisation, money, driving, facing different crowds in different cities. But being familiar with the African surviving, I know I can do it. I have seen people in much worse situations and they are still on their feet. I am not giving up right now.“

„Without this travel to Africa I couldn’t do my street music.”

Nach Afrika folgte also eine weitere Episode in Tel Aviv. Das zweite Mal kam Kafri zurück in seine Heimat. Dieses Mal als professionell ausgebildeter Musiker mit einer Menge Auslandserfahrung. Er verdiente sich seine Sporen als Studio-Musiker und als Teil der Band einer Fernsehshow. Aber kann das einen Weltenbummler wie Oded Kafri zufriedenstellen? Wohl kaum und so kam es wie es kommen musste: Kafri wollte nicht länger eine Schraube im Getriebe sein, sondern selbst Hand anlegen. Er packte seine sieben Sachen und startete seine Karriere auf den öffentlichen Plätzen der Welt. London, Berlin oder Hamburg sind nur ein paar der vielen Orte, die Oded bereits live bespielt hat.

„I guess its something about me, that wants to break the rules. Just the rules, not the law! And I just enjoy this sense of freedom. I can make something out of nothing, here at the street.“

Natürlich ist das Leben als Straßenmusiker nicht immer nur Friede, Freude, Schlagzeugspielen. Na klar kommt es vor, dass das Wetter nicht mitspielt oder das Publikum einfach einen schlechten Tag hat. Auch Oded Kafri ist vor widrigen Umständen nicht gefeit. An einem Samstag im April diesen Jahres fand der Hamburger Marathon statt, und obwohl Kafri wie immer alle Register zog, um eine tolle Show zu bieten blieb das Ergebnis ernüchternd. Unterkriegen lässt er sich dennoch nicht:

„Then on Sunday I traveld to Berlin and played at the Mauerpark. But in the morning it was raining too! But then, at 14 pm, it stopped raining and I was the only artist playing there. I did a great celebration for all the people there and I felt so good. People loved it and danced with me and supported me. Bought my CD, joined my mailing list. I have earned. It is real, as well as the struggle.“

„I did a great celebration for all the people there and I felt so good.”

Dieses Nicht-aufhören-wollen, dieses Am-Ball-bleiben, diese Leidenschaft – all das macht Oded Kafri aus. Nicht einfach vorgefertigte Wege gehen, sondern neue Pfade beschreiten.

„I think what happens in modern time is that people are afraid of life. They think they will study, they get this great job but they never meet real life. Do you have the same difficulties that other people have? Have you experienced to really get something in this life? Nothing that is already ready. Come and build it by yourself!“

Als in London sein Visum ablief, flog er zunächst zurück nach Israel. Das dritte Mal! Es war eine dramatische und beängstigende Situation und Kafri wusste zunächst nicht mehr, wohin. Aber als Weltenbummler kein Problem! Per Zufall landete er schließlich in Hamburg. Er wusste noch gar nicht, dass er dort bleiben und ein neues Leben beginnen würde. Den Stein ins Rollen brachte der Musiker und Schauspieler Christian von Richthofen, der Oded Kafri am Hauptbahnhof spielen sah und ihn ansprach – allerdings ohne sich vorzustellen. So erfuhr auch Oded erst später, dass der Bekannte, der sich später als Freund erweisen sollte, nicht ganz unbekannt in Deutschland ist.

„We connect in many ways: we are both drummers, we are both vocalists, we are both curious about many styles, we are both struggling artist and we both have this love/hate-relation to success. We are like: Fuck success, we don’t need it to know that we are good. But then you need money to pay the rent…“

Entstanden aus diesem ersten Treffen ist nun die Kombo Drum the World. Dabei sind auch noch die beiden Kreativen Bouba Fall und Sarah Lasaki. Letztere ist ausgebildete Tänzerin, hat in diversen Musicals getanzt und ist mit STOMP durch die Welt getourt. Man könnte also behaupten, dass auch Sie bereits auf der ganzen Welt getrommelt hat.

„Today I am mostly interested in the band – drum the World. We are four people about the moment and we are passionate about rhythm.”

Aktuell spielen sie einmal pro Monat abwechselnd in Hamburg und Berlin. Dem Publikum scheint es offensichtlich zu gefallen. Wie könnte man sich dieser Energie und diesem Spirit auch entziehen? Drum the World ist nicht bloß eine Band oder ein Kollektiv, sondern eine Haltung und Lebenseinstellung, die direkt aus Kafris Lebensweg resultiert.

“The message behind Drum The World is to ‘drum’ your way in life. I you believe in whatever you do, if you do it probable and with all your concentration, you will redeem your soul. I do matter to myself and to others. The drum is the tool we choose. The message is to come together – that’s what we do on the street! Especially in a time like now, when it seems like the world didn’t learn its lesson and that we are again drifting away from each other: Trump, the Brexit, LePen. Coming together means everything.“

Zusammenkommen – darum geht es bei Drum The World. Kulturen zusammenbringen und gemeinsam feiern. Das gilt für ihr Publikum, aber vor allem auch für die vier Bandmitglieder. Christian ist mittlerweile zu einem festen Bezugspunkt für Kafri geworden – echte Freunde findet man eben überall auf der Welt. Angesprochen auf seinen Weggefährten sagt Oded Kafri:

“We have a 20 year gap: he is 60, I am 40. But that’s also part of the message of Drum the World. A 40 year old guy from Israel, a 60 year old guy from Germany, Sarah, whos parents come from France and Nigeria, and Bouba from Senegal: we meet in Hamburg and it works.”

„Coming together means everything.”

It Works. So einfach kann das manchmal sein. Gerade eben ist das erste Album der Gruppe erschienen. Ein Tonträger, der Lust auf das Leben macht: zu tanzen, zu feiern, Spaß zu haben. Also genau das, was Kafri auch bei seinen unzähligen Live-Gigs vermittelt. Aber was kommt nun? Ist Kafri angekommen? Hat er seine Ruhe gefunden, ist sesshaft geworden und belässt es bei dem, was er bereits erreicht hat? Man könnte die Antwort erraten: „No!“.

„My bigger picture is to have a musical ‘Drum the World’ to tell the story of a little kid who travels the world with a drum. Which is me!“

Das Album „Drum The World“ ist am 05.05.2017 erschienen!