Crack Ignaz

Crack Ignaz. Ein Name, den man zurzeit häufiger liest. Der ganz große Hype um den Salzburger begann im Mai diesen Jahres mit der Veröffentlichung des Videos zu „König der Alpen“. Der Song vereinte trappige Drums mit wahnwitzigen Lyrics in Salzburger Mundart. Ganz im Sinne illustrer Gestalten wie Lil B, Juicy J oder Young Lean wird auf lyrische Tiefe ebenso verzichtet wie auf ausgeklügelte Reimschemata. Außenstehende konnten die Begeisterung der Szene wohl kaum verstehen, doch hat man jemals zuvor die Begriffe ‚fesch‘ und ‚swaggy‘ in einem Kontext wahrgenommen? Wohl kaum.

Es folgte „Gustav Klimt“ mit der Ankündigung eines Debut Albums, welches auf Melting Pot Music erscheinen würde. Eine Kombination, die auf den ersten Blick zunächst merkwürdig erscheint, wird das Label aus Köln doch in erster Linie mit Leuten wie den Betty Ford Boys oder der hoch angesehenen Hi-Hat Club Reihe in Verbindung gebracht. Schaut man jedoch auf jüngste Veröffentlichungen, entpuppt sich die ach so traditionelle Ausrichtung des Labels als Wolf im Schafspelz. Nach Veedel Kaztro und Gold Roger erscheint der Release von „Kirsch“ schon fast als logische Konsequenz.

Was war denn jetzt eigentlich mit diesem ‚Trap‘? Hört man sich die 15 Songs an wird der ein oder andere angenehm überrascht sein. Das alles ist sauber ausproduziert und vielem was sich aktuell an US-amerikanischen Trends orientiert musikalisch weit voraus. Mit „Gödlife“ wird zunächst auf 61BPM der eigene Lifestyle skizziert: „fesch wie Mona Lisa/ Yeah Bitch, ich bin dieser“. Mit „Ned Gscheid“ im Anschluss schafft es Ignaz gekonnt auch die Backpacker unter uns zu überzeugen, bevor mit „Gwalla“ dann endgültig bewiesen wird: das ist der modernste und überzeugendste Soundentwurf anno 2015 im deutschsprachigen Rapspiel.

Und überhaupt: was „Kirsch“ auszeichnet ist eine beeindruckende Leichtigkeit und Mühelosigkeit. Auf den folgenden Songs dreht es sich um die Frauen („Oder Ned“, „Sternenstaub“) und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz („Grüne Dächer“, „Kush“). Doch wie uns im Deutschunterricht eingebläut wurde: ein Text funktioniert auf mehreren Ebenen. Und ganz am Ende geht es im Hiphop doch immer um Styles, Swag oder das nächste Jugendwort des Jahres. Und von diesem ‚Swag‘ hat dieser Salzburger eine ganze Menge. Der Text fließt (Samy Deluxe voice) und im Zusammenspiel entsteht eine ganz eigene Atmosphäre, die sich der verbalen Kommunikation entzieht. Da ist der Salzburger Dialekt auf einmal auch egal. Wer sich bisher gefragt hat, worin denn die Faszination für Cloudrap, Basedrap oder wie-auch-immer liegt, findet hier vielleicht eine Antwort. KirschOb man Auto-tune verabscheut ist dann letztendlich dennoch eine persönliche Frage, doch ein Hit ist ein Hit und Ohrwürmer lassen sich hier reihenweise finden.

Crack Ignaz‘ Debutalbum „Kirsch“ wird zurzeit zu Recht über den Klee gelobt und ist für jeden empfehlenswert, der auf modernen Rap steht. Den vermeintlichen Vorbildern aus Übersee steht Ignaz in nichts nach und ist ihnen letztendlich sogar überlegen. Oder hat jemand bereits ein gutes Lil B Album gehört? Ich nicht.

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