Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Es gab mal eine Zeit, da sind musikalische Phänomene aus dem Vereinigten Königreich schneller rübergeschwappt als Schwarztee einziehen kann. Wie das Beispiel der englischen Pop-Punks von Creeper zeigt, ist das inzwischen nicht mehr ganz der Fall: Verkehren sie in Deutschland noch weitestgehend unter dem Radar, gelten sie im Vereinigten Königreich bereits als Straßenfeger. Am 4. April hatte ich im Hamburger Hafenklang die Gelegenheit mir ein eigenes Bild zu machen.

„Eternity, In Your Arms“, die Debüt-LP der Band aus Southampton, war erst wenige Tage vor der anstehenden Europa-Tour erschienen. Dem Album des Sextetts gingen seit 2014 drei EP’s voraus, welches die britische Musikpresse dankend annahm: So heimsten Creeper u.a. bei den Kerrang! Awards den Preis als „Best British Newcomer“ ein oder durften sich bei den Metal Hammer Golden Gods Awards als „Best New Band“ betiteln lassen. Lob auf dem sich aufbauen lässt: „Misery“, die große Ballade der letzten „The Stranger“-EP, hat auch auf dem Albumdebüt nochmal Platz genommen.

Bereits im Oktober veröffentlichten Creeper „Suzanne“, die erste Vorab-Single aus „Eternity“. Im Februar folgte schließlich „Black Rain“, welches neben Frontmann Will Gould auch Keyboarderin Hannah Greenwood auf die vorderste Vocalspur setzte. Die Platte selber zeigt eine noch junge, aber talentierte Band, die sich aus einer vermissten Theatralik von 2000er-Pop-Punk-Bands wie My Chemical Romance und der überaus aktiven UK-Hardcore-Szene speist. Es ist allerdings ihr feines Ohr für eingängig-emotionale Popmelodien und Songkompositionen, welches sie zu einer der großen neuen Rockbands des englischen Mainstreams machen könnte.

Milk Teeth im Hamburger Hafenklang

Bevor Will Gould und Co. allerdings die kleine Bühne in Hamburg enterten, zeigten zwei Support-Bands auf dem Programm: Puppy und Milk Teeth. Während Puppy noch das gespannte Publikum mit einem Mix aus Heavy Metal und Ansätzen aus den guten Tagen des Classic Rocks unterhielt, sollten mich Milk Teeth und Frontfrau Becky mit dreckigen Grunge-Gitarren und breiten Drums überzeugen. Wer die Chance erhält und gegen einen Throwback in frühere Tage nichts einzuwenden hat, sollte sich die beiden Bands auf Tour oder auf Festivals in jedem Fall anschauen.

Puppy: Ein wahnsinniger Start in den Abend!

Milk Teeth: Grunge-Alarm am Hafen!

Pünktlich nach dem Sonnenuntergang sollte es dann soweit sein: Creeper betraten die Bühne des Clubs am Hamburger Hafen. Die sechsköpfige Truppe hatte sich anfangs mit der, für sie ungewohnt, kleinen Bühne zu arrangieren. Zur Folge hatte dieser Umstand leider auch, dass Keyboarderin und Vocalistin Hannah so hinter einer dunklen Säule aus der Sichtweite verschwand. Sei’s drum: Die Briten eröffneten mit dem anfänglich erwähnten „Black Rain“ und stimmten das Hamburger Publikum auf eine Nacht ein. Zwar war das Hafenklang an dem Abend weit davon entfernt ausverkauft zu sein – doch die Menge sollte trotzdem nahezu jeden Song aus ihrer Debüt-LP zum Kochen bringen. Das lag nicht zuletzt am Engagement der Band.

Sie warfen ihre Qualitäten quer durch die Setlist, brachten nostalgischen Pop-Punk mit „Hiding with Boys“ ein und bewegten die Menge bei der Überballade „Misery“ am Ende zur Rührseligkeit und zum Mitsingen. Gould, welcher gesanglich im Laufe des Konzerts durch verschiedene Höhen geht, schafft es gar bei Titeln wie „Suzanne“ Anleihen zu einstigen Größen wie Meatloaf wirken zu lassen. „Eternity, In Your Arms“, welches auch als Konzeptalbum verstanden werden kann, schließt mit dem emotionalen „I Choose To Live“ ab, welches auch in Hamburg das Standardset der Band beschloß. Ein toller Abend mit einer Band, von der in den nächsten Jahren noch sehr viel zu erwarten sein wird.

Creeper fallen über Hamburg!

„Eternity, In Your Arms“ ist am 24. März via Roadrunner Records erschienen.

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