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Die Natur ist sein Freund. Der Schnulzensänger aus den Bergen, wie sich Dagobert selbst auf seiner Homepage betitelt, schuf seine Songs weit abgeschieden von der Gesellschaft in einer einsamen Berghütte, das ist ja bereits seit einer Weile bekannt – immerhin schlug sein selbstbetiteltes Debütalbum in die deutsche Indieszene ein wie eine Bombe. Obwohl und gerade weil Dagobert ein Schlagersänger ist – einer, wie es ihn kein zweites Mal gibt.

In „Afrika“, seinen zweiten Langspieler, startet der junge Schweizer mit dem Titeltrack, in dem er wissen lässt:

„Leb wohl, ich verschwinde aus der Zivilisation. Leb wohl, wie ein Affe fühlte ich mich immer schon.“

afrikaEs geht also zurück in die Natur auf dem einschlägig betitelten Werk. Musikalisch hingegen zeigt schon der Opener: Auf „Afrika“ ist mehr los, als auf dem für Genreverhältnisse minimaleren „Dagobert“. Der Beat stampft und die Gitarren rhythmisieren die Stimmung, die der besungene Kontinent mit seiner Wildnis bereithält. Dazu passend gibt es Percussions und das eine oder andere dort heimische Tiergeräusch zu hören.

Auf der nachfolgenden Ballade „Wir leben aneinander vorbei“ zeigt sich Dagobert in Bestform, denn Balladen sind seine Leidenschaft. So trägt er zu klassisch gespielter Gitarre seine getragenen Lyrics vor und später im Song kommt dann auch erstmals hörbar sein für dieses Album unterstützender Gitarrist zum Einsatz: Kein geringerer als Miland Petrozza von Kreator brachte sich in die Albumproduktion mit ein und ließ an mancher Stelle Hardrock-Nuancen einfließen. Immerhin ist Dagobert ja auch bekennender Scorpions-Fan.

Naturbezogen geht es weiter in Titeln wie „Angeln gehen“, ein wundervolles Stück über die unerwiderte Liebe, Dagoberts Kernthema.

„Und doch lieb‘ ich dich so sehr und renn‘ dir immer wieder hinterher, denn du verzauberst mich. Was soll ich tun, damit du mit mir angeln gehst? Was soll ich tun, dass du mich wie von selbst verstehst?“

Auf der instrumentalen Ebene sind die neuen Einflüsse, die Dagobert an seine Produktion gelassen hat, absolut hörbar. Organischer klingt „Afrika“, mehr Instrumentarium wurde hier genutzt als auf dem synthie-lastigeren Vorgänger. So öffnen sich für seine Songs auch neue Richtungen, nachdem „Dagobert“ sehr rund und definiert im Soundbild wirkte. Der Klang von „Afrika“ hingegen gibt Dagobert nun mehr Spielraum, so hält „Rede mit mir“ einen walzenden Piano-Groove parat, um im rockigen wie theatralischen Chorus dann aus sich raus zu kommen – so, wie es der Text fordert. Ein wunderbar ausproduzierter Pop-Chanson wiederum ist „Sehnsucht“, das tolle Zeilen wie diese enthält:

„In einem Land, da stehen viele Bäume und jeder trägt ein Herz auf seinem Stamm. Und da hinein schnitz‘ ich unsere Namen mit einem Schwert – du und Dagobert!“

Seine klaren, unverfälschten Sätze hat sich Dagobert beibehalten. „Du bist die Frau, die mir gefällt, du bist die Schönheit meiner Welt“ gibt er in „Am Natronsee“ kund, bei „Du bist tot“ – einem der Highlights des Albums – sagt er geraderaus: „Ich bin ein armes Schwein“. Der Schnulzensänger ist dabei „manchmal traurig, manchmal froh, das war bei mir immer so“ – so singt er es im abschließenden „Das Ende eines traurigen Tages“. Die herausragende Art und Weise, mit der er seine Songs gestaltet, zeigt Dagobert hier erneut. Gespickt mit den neuen Musikelementen ist „Afrika“ dann ein weiteres Mal so spannend, wie es schon das Erstlingswerk aufgrund seiner Ungewöhnlichkeit war. Besser kann man das schwierige Zweite wohl nicht machen.

Am kommenden Freitag, dem 20. März steht „Afrika“ in den Plattenläden. Wer sich vorher schon durch die Songs hören mag, hat bei Spiegel Online die Möglichkeit dazu.

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Foto: Sandra Schuck