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Der Münchner MC Fatoni veröffentlicht dieser Tage bei Wortsport sein Kollabo-Album mit dem Produzenten Dexter. Anlässlich des Releases durfte ich am vergangenen Donnerstag ein persönliches Interview am Telefon mit ihm führen. Unser Gespräch über alte Deutschrap-Helden, Mike Skinner und noch eine ganze Menge weitere Einflüsse könnt ihr nun an dieser Stelle nachlesen!


Am Freitag erscheint dein neues Album „Yo, Picasso”. Warum das so heißt, hast du ja bereits erklärt – aber woher kommt die Referenz? Bist du interessiert an Kunst?
Da müsste ich jetzt schon lügen. Es wäre übertrieben, wenn man sagen würde, ich interessiere mich sehr dafür. Ich habe von diesem Gemälde gehört und fand diese Versteigerung für unendlich viel Geld so absurd! Aber ich bin nicht so sehr gebildet in dem Bereich.

Du sagst gleich im ersten Song, dass du dich seit den Creme Fresh Zeiten immer mehr verbessert hast. Was macht diese Entwicklung denn für dich aus? Was unterscheidet für dich deinen neuen von deinem alten Stil?
Ich würde sagen, dass ich die Dinge viel besser auf den Punkt bringe. Ich mache jetzt auch einfach viel mehr das, was ich wirklich machen will. Das hat auch damit zu tun, dass wir uns als Band getrennt haben und ich dadurch die Möglichkeit gefunden habe, mich neu zu entwickeln. Meine Texte damals waren sehr harmlos und sehr brav, das finde ich jetzt viel besser. Auch musikalisch ist es ein großes Glück, mit Dexter arbeiten zu können in einer Richtung, die ich sehr geil finde. Das war früher zwar auch meistens top mit Creme Fresh, wo Bustla unser Produzent war. Der ist auch sehr talentiert und war immer experimentierfreudig, aber jetzt gerade bin ich einfach sehr froh über die wirklich geilen Beats von Dexter.

Wo du gerade Bustla ansprichst – er ist der einzige aus dem Creme-Fresh-Trio, von dem man in der öffentlichen Wahrnehmung gerade eher wenig mitbekommt. Woran liegt das?
Das stimmt, man hört nur ganz selten was unter dem Namen Bustla. Auf meiner letzten EP hat er einen echt geilen Remix von „Ziehst du mit” gemacht. Was aber viele auch nicht wissen, ist, dass er einer der Drummer von Moop Mama ist!

Was würdest du denn an deiner Musik gerne noch ändern oder besser machen? Wenn du Benjamin Button bist, müsste es ja noch ordentlich Steigerung geben!
Ich weiß natürlich nicht, ob ich immer besser werde – Benjamin Button war ich bisher, was danach kommt, weiß man ja nie. Ich finde die Platte gerade schon sehr gut! Viele Dinge würde ich schon sehr gerne ausprobieren, aber in was für eine Richtung das gehen könnte, weiß ich noch nicht. Ich habe auch oft gesagt, dass ich gerne mal ein Nicht-Hip-Hop-Album machen würde. Aber das sagen sehr viele Rapper, und wenn es dann kommt, ist es meistens unendlich schlecht…

Was sind denn so deine Einflüsse außerhalb des Rap-Kosmos? Was für Genres interessieren dich?
„Alles” zu sagen, kommt ja immer so scheiße… Ich mache mal mein iTunes auf dem Handy auf: Antilopen Gang, Aretha Franklin, Asaf Avidan, Bilderbuch, Bon Iver – kennst du Bon Iver? Sowas höre ich oft, so Singer-Songwriter-Mädchenmusik! The Chemical Brothers, Childish Gambino, … Cro?! Ich hab ein Lied von Cro auf dem iPhone? „Eine Million” heißt der Song, keine Ahnung, was das ist. Dagobert kommt dann, den finde ich auch richtig geil!

Er war ja auch in deinem neuen Video zu sehen! Wie kam der Kontakt zustande?
Ehrlich gesagt haben wir uns an dem Tag kennengelernt. Die Jungs von OH MY, die das Video gemacht haben, sind auch für seine Videos zuständig und ich habe mich sehr gefreut, dass die einen Kontakt zu ihm hergestellt haben. Ich würde gern mal einen Song mit ihm machen! …danach kommt Die Höchste Eisenbahn, Die Orsons, […] Edith Piaf – ich höre voll gerne französischen Chanson! […] Gil-Scott Heron, Gustav – auch geil! „Rettet die Wale” war ein großartiger Song! […] Olli Schulz, Outkast, Paul McCartney – das Album muss ich löschen, das ist zu schlecht! Peter Fox, Pollyester, Radiohead, Rodriguez, The Streets…


An dieser Stelle cutte ich mal die weitere Liste, die mir Fatoni tatsächlich vollständig vorlas, und unsere Gespräche über Stromae, Mediengruppe Telekommander und die Schwierigkeit, in das Werk von Tocotronic einzusteigen – denn der hier zuletzt genannte Künstler passt doch hervorragend als Übergang in das weitere Interview!


Ein Song auf dem neuen Album, der auf jeden Fall heraussticht, ist „Mike”. Ist Mike Skinner tatsächlich so ein Idol für dich?
Der war schon ein wichtiger Einfluss für mich. „Mike” ist, glaube ich, mein Lieblingssong auf dem Album, aber viele Leute verstehen den falsch! Viele denken, das sei einfach eine Hymne an Mike Skinner, aber ich hatte dahinter einen anderen Gedanken. Man könnte es vergleichen mit einem alten Blumentopf-Song namens „Ich wär‘ so gern wie du”, in dem es einfach um einen nicht konkret benannten anderen ging, dem man nacheifert. Ich habe dafür einfach Mike Skinner als Beispiel genommen, weil ich es passend fand – ich hätte den Song natürlich auch „Marshall” nennen und über Eminem rappen können, aber das wäre kein cooler Song gewesen, weil der einfach zu naheliegend ist. Es geht aber hauptsächlich um dieses Gefühl, etwas zu hören und zu denken – Fuck, so gut werde ich nie!

Mit anderen Leuten, die dich sicherlich früher beeinflusst haben, bist du dafür ja jetzt unterwegs – wie waren denn die ersten Tourstopps mit Fettes Brot und wie ist euer Verhältnis zueinander?
Total super, die sind richtig cool und auf dem Boden geblieben, beste Typen! Auch DJ V.Raeter und mein Fahrer und Fotograf sind richtig verliebt in die.

Mit Blumentopf warst du ja früher auch schon unterwegs. Was denkst du über die Auflösung?
Ich war ehrlich gesagt schon traurig! Also ich wusste schon, dass sie sich auflösen und habe auch die letzten Platten nicht mehr so richtig gehört, ich war kein Fan mehr wie früher, aber ich war echt traurig! Ich habe die letzten Tage nochmal öfter das zweite Album gehört, das für mich immer das krasseste war, und ich kann es immer noch komplett auswendig.

Zuletzt noch eine Frage zu deiner Schauspielkarriere, über die du in einem anderen Interview sagtest, man sei immer sehr weisungsgebunden an den Regisseur. Hast du denn Ambitionen, selbst mal einen Film zu machen und nicht nur vor der Kamera Anweisungen zu befolgen?
Nein, im Moment nicht. Ich habe länger überlegt, an die Filmhochschule zu gehen und etwas in die Richtung zu studieren, ich war ja auch an der Schauspielschule und am Theater, habe mir dann aber gedacht: Wenn man etwas wirklich machen will, dann macht man es – und ich mache jetzt halt vor allem Musik! Und wenn ich so etwas machen würde, dann wäre es eher Liebhaberei. Ich kenne auch viele Leute aus diesem Umfeld, und das ist wirklich ein unfassbares Haifischbecken. Ich bin jetzt ja schon in einem, das reicht erstmal.

Vielen Dank für das Gespräch, Toni!

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