daughn

Daughn Gibson, 34 Jahre alt und aus Penssylvania stammend, machte vor gut drei Jahren erstmals mit seinem Debütalbum „All Hell“ von sich reden und sackte so für das ein Jahr darauf folgende „Me Moan“ einen Deal mit dem traditionell tolle Acts hervorbringenden Label Sub Pop ein. Dort erschien am vergangenen Freitag nun auch „Carnation“ und erneut will uns der Singer-Songwriter mit der beachtlichen, sonoren Stimme mit seiner modernen Umsetzung von Country-beeinflusster Musik in den Bann ziehen.

Mit einer warmen, melancholischen Atmosphäre und verhalltem, zerstückeltem Frauengesang heißt uns „Bled to Death“ willkommen auf seiner dritten LP. Ungewohnt hoch singt auch Daughn Gibson im Opener, der bereits einen starken Kontrast zum den oft aufgeregt nach vorn preschenden Country-Stücken auf dem Vorgänger „Me Moan“ zeigt. carnationIn „Heaven You Better Come In“ gibt es erstmals überhaupt Drums, doch auch hier bleibt die Kernstimmung bestehen: Träumerisch und von Synthieflächen sanft umgarnt spielt sich die Platte behutsam ein, um dann mit „Shatter you through“ den ersten Schritt in Richtung Uptempo zu wagen. Die Bässe sind opulent und funky, die Synthesizer Eighties und die aufgeregten Streicher bringen Spannung in den Sound, was sich dann im thrillerhaften „For every bite“ umso mehr abzeichnet. Von Effekten überlagert zeigt uns Gibson hier erstmals wieder sein wahnsinniges Stimmorgan, das Frequenzen trifft, die so tief sind wie die Nacht, in deren Atmosphäre der Song seine Hörer versetzt – Grillengezirpe-Sounds im Outro inklusive.

Entsprechend duster pendelt sich auch die Stimmung von „Carnation“ ein: Mit „Daddy I Cut My Hair“ minimalisiert Gibson seine sonst oft so üppige Instrumentierung auf pure Ambient-Flächen und ein paar Pianos und Streicher runter, auch in Songs wie „Runaway And The Pyro“ oder der verträumten Ballade „A Rope Ain’t Enough“ bleibt es eher bedächtig. Besonders beeindrucken kann das Werk eher in den verhältnismäßig rasanteren Passagen wie dem von Saxofonsoli geprägten Rocker „Shine Of The Night“ oder dem mit hervorragend pointierten Fuzz-Gitarren vor sich her rumpelnden „It Wants Everything“. Dass Daughn Gibson aber mit „Carnation“ neue Facetten zeigen will, stellt er ein letztes Mal mit „Back With The Family“ unter Beweis und präsentiert uns gewaltiges Drone-Gewummer und atmosphärische Gitarrenfeedbacks. Seinen Soundkosmos hat er mit seiner dritten Platte eindeutig erweitert und lässt uns, in seinen wabernden Melodien versunken, gespannt zurück auf das, was der Mann noch so alles aus dem Ärmel seines Karohemds schütteln wird!

[asa]B00W7CAICY[/asa]

Foto: Sarah Cass / Color Treatment: Faith Coloccia