Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Für Deaf Havana ging es im März auf große Deutschland Club-Tour. Wir haben diese Gelegenheit genutzt und nicht nur das Konzert der Norfolk Rocker in der Markthalle besucht, sondern auch James und Matthew von Deaf Havana zum Interview getroffen. Dass auf Tour nicht immer der #healthylifestyle zelebriert werden kann und wie ihre Beziehung zu Jimmy Eat World ist, erfahrt ihr im Interview.

Die letzten Stationen in Hamburg waren das Logo und das Knust für euch. Heute seid ihr das erste Mal in der Markthalle – hier passen 500 Leute mehr rein. Wie gehts euch damit?

Matthew: Viel zu groß – wirklich viel zu groß!
James: Es werden vielleicht 200 Leute heute da sein, das wird total blöd aussehen. Wir hätten lieber in einer kleineren Venue spielen sollen. Es ist auch nicht ausverkauft.
Matthew: Aber wir werden sehen. Deutschland ist immer seht gut zu uns.
James: Wir schätzen uns wirklich sehr glücklich, dass Menschen kommen, um uns zu sehen.

Ihr habt euren Musikstil in den letzten Jahren ein wenig verändert. Früher war es mehr Punkrock/Poprock. Würdet ihr sagen, dass euer momentaner Erfolg davon abhängig ist?

James: Ich würde das nicht sagen. Ich denke eher, dass es sich etwas zurückentwickelt hat. Viele Menschen mögen die neuen Sachen gar nicht. Ich weiß nicht, wir haben unsere Musik nicht verändert um berühmter zu werden. Es ist einfach so geworden wie es sich jetzt anhört.

Woher wisst ihr, dass es einigen nicht gefällt? Habt ihr Nachrichten erhalten?

James: Wir haben Tweets und Kommentare gelesen.
Matthew: Aber so viel war es auch nicht, die Kommentare fallen besser aus als wir erwartet hatten.
James: Die Mehrheit des Feedbacks war wirklich gut und positiv.

Ihr habt „Rituals“ im August letzten Jahres veröffentlicht. Ich finde es wahnsinnig interessant, dass du dir zuerst die Titel der Songs überlegt hast und danach erst den Song geschrieben hast. Wie hast du dir die Wörter für die Titel ausgesucht, James?

James: Aus irgendeinem Grund wollte ich das schon ewig machen. Ich hatte eine Liste mit Songtiteln die ich benutzen wollte. Außerdem hatten wir wirklich wenig Zeit. Wir hatten vielleicht drei Monate zwischen dem Start und der Fertigstellung des Albums. Das ist wirklich nicht lang, denn manchmal braucht man zwei Jahre für ein Album. Also hab ich mir gedacht, wenn ich diese Namen wähle, dann puscht mich das, die Lyrics zu schreiben. Aber eigentlich habe ich mich für diese Wörter entschieden, weil sie sich alle ein bisschen um Religion drehen. Ich bin nicht religiös und die Platte ist es auch nicht. Die ganze Platte basiert aber auf dem Fundament von Sünde und Wiedergutmachung.

Wenn ihr ein neues Album aufnehmt, würdet ihr das noch einmal so machen.

James: Nein! Auf keinen Fall. Ich will nichts auf dem selben Weg machen. Es war ein interresantes Experiment. Alles an diesem Album haben wir anders gemacht als bisher.
Matthew: Es hat sich mehr wie Arbeit angefühlt als die Alben davor.

Ihr tourt sehr viel und für die meisten Bands ist es häufig eine Fahrt von Burger King zum nächstes McDonalds. Wie ernährt ihr euch auf Tour?

James: Es ist wirklich schwer, sich gesund auf Tour zu ernähren. Ich versuche mich von diesem Fast Food fernzuhalten, weil ich sehr schnell zunehme.
Matthew: Ich esse meist sehr wenig. Ich esse eigentlich nur eine Mahlzeit am Tag, das ist total komisch.

Wie handhabt ihr es denn mit Alkohol auf Tour? Ganz ehrlich, wenn ich ein Rockstar wäre, ich würde wahrscheinlich den ganzen Tag trinken.

Matthew: Ich tu mich da sehr schwer, mich selbst zu zügeln und mir die Zeit zu nehmen zu entspannen.
James: Ich habe dieses merkwürdige Gefühl, dass ich trinken muss, wenn ich unterwegs bin. Ich weiß gar nicht warum. Man fühlt sich dadurch „normal“.  Im Grunde arbeitest du auf Tour nur zwei Stunden am Tag – und Alkohol gibt dir die Entschuldigung in eine Bar zu gehen und unter Leute zu kommen.
Matthew: Man kann dadurch gut verdrängen, dass man jeden Tag woanders aufwacht. Es ist ein schnelles Entkommen.
James: Man muss natürlich aufpassen, niemals zu betrunken zu sein, um zu spielen. Das wäre super peinlich! Das kannst du machen, wenn du ein Kind bist, aber nicht wenn du 28 Jahre alt bist. Es ist wirklich schwierig, denn es ist wirklich ungesund. Wenn ich zuhause bin, dann trinke ich sehr selten. Klar gehe ich auch in Pubs, aber eher selten.

Ich habe euch vor zwei Jahren schon einmal diese Frage für ein Interview eines Kumpels gestellt. Da er diese nie veröffenticht hat, frage ich euch erneut. Ihr wart mit Jimmy Eat World auf Tour und es war nicht so, wie ihr es auch vorgestellt hattet. Würdet ihr trotzdem wieder mit ihnen auf Tour gehen?

James: Auf jeden Fall! Aber es ist definitiv nicht meine Lieblingsband und es war ein schwierige Tour. Es ging auch weniger um die Band an sich, sondern um die Crew, die mit uns gearbeitet hat. Das waren größtenteils Arschl*cher. Aber Jimmy Eat World selbst sind sehr nett!

Ein paar letzte Worte:

James: Großes Danke an alle, die unsere Musik hören und zu unseren Konzerten kommen. Bitte hört weiterhin unsere Musik, denn Deutschland ist eines unserer Lieblings-Tour-Länder, wenn nicht sogar das Lieblingsland! Bitte macht uns berühmt in Deutschland (lacht lauthals).

Wer Deaf Havana dieses Jahr in Deutschland noch live erleben möchte, hat auf folgenden Festivals die Chance dazu:

Deaf Havana live

  • 18.-21.07.19 – Nordholz, Deichbrand Festival
  • 07.-11.08.19 – Eschwege, Open Flair

Fotogalerie: Deaf Havana

Fotogalerie: Deaf Havana Akustik-Set