Foto: Wolf James

Wie soll ich am besten in Worte fassen, dass eine meiner Lieblings Alternative-Rockbands auf einmal versucht auf Ed Sheeran zu machen? Nun ja, genau so vielleicht.

Deaf Havana haben mit ihrem fünften Album „Rituals“ alles anders gemacht. Die Songtitel standen bevor der Text fertig war, die Musik wurde vorweg komplett am Computer erarbeitet und erst danach kam die Band ins Spiel. Ob das nun der ausschlaggebende Punkt dafür ist, dass die Platte ziemlich glatt produziert ist, weiß ich nicht. Natürlich hört sich das jetzt erstmal alles schlecht an, aber das ist es natürlich nicht.

Deaf Havana hatten in meinen Augen schon bei „All These Countless Nights“ ein bisschen den Rock´n´Roll verloren. Na und? Dann gibt es eben eine Rockband weniger und mehr Pop. Radiotauglich ist die neue Platte allemal, vielleicht ist es auch genau das, was sie wollen – eine breitere Masse ansprechen. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich die fünf Briten schon oft genug live gesehen habe und ganz genau weiß: Auf der Bühne sieht das alles ganz anders aus – da wird abgerissen und reinster Rock präsentiert. Da sollten sich die Muttis warm anziehen, wenn sie auf ein Konzert von Deaf Havana gehen wollen.

Auf „Rituals“ wird Sänger James Veck-Gilodi bei einigen Songs wie „Sinner“ und „Heaven“ zusätzlich von dem „London Contemporary Voices“ Chor begleitet und erschafft damit eine fantastische Gesangsumgebung, sodass ich beim ersten Hören nicht sicher war, ob es sich wirklich um James handelt. Ein Song, der mich musikalisch sehr verwirrt, ist „Pure“. Was ist das für Alien-Geröusch das im Hintergrund zu hören ist? Dieser bekloppte Sound versaut den gesamten Song, der eigentlich echt hittig ist! Ein bisschen weniger Computer wäre eben doch besser gewesen.

Das Album enthält unbestreitbar einige großartige Songs wie „Rituals“, „Holy“, „Saviour“ und „Fear“ die zum mitsingen einladen und am ehesten an „die alten Deaf Havana“ erinnern. Aber vielleicht ist es eben Zeit für etwas Neues – und mal im Ernst, wer mag Ed Sheeran nicht ;)?

Wer sich selbst ein Bild von den neuen Deaf Havana machen möchte, hat wahrscheinlich schon bald die Chance James, Matthew, Lee, Max und Tom wieder in Deutschland zu sehen – wir halten euch auf dem Laufenden!