Vor drei Wochen war mal wieder Festival-Stimmung angesagt. Alles andere musste ein paar Tage ruhen, denn dafür war die Zeit nicht da. Das diesjährige Deichbrand fand statt und, wie schonmal geschrieben, habe ich mir rechtzeitig ein Ticket gesichert. Rechtzeitig deswegen, weil eine Woche vorher verkündet wurde, dass das Festival komplett ausverkauft sei. 18.000 Tickets + Family & Friends Tickets. Die letzten Tickets gingen auf eBay dann für dementsprechend teuer Geld raus – an die 130 Euro waren das dann meistens für den Käufer. Um es vorweg zu nehmen: diese Summe hätte ich für das Festival nicht gezahlt. Für das gleiche Geld gab es Hurricane Tickets, für 20 Euro mehr Rock am Ring Tickets. Und ein Ticket für Omas Teich hätte nur die Hälfte verschlungen. In Geld schwimmen muss man also wohl, wenn man diese Summe für das Deichbrand latzt.

Leider folgt mein Bericht erst jetzt. Ich hatte in den darauffolgenden Tagen viel Stress mit meinem Umzug nach Essen und auch bis zuletzt hatte ich immer zu tun. Aber egal, hauptsache der Bericht ist jetzt endlich online. ;)

Donnerstag – Stress | Anreise | Bier | Multiple BÄRsönlichkeiten | Pavillon Teil Eins

Egal – ich hatte mein Ticket bereits seit langem, also konnte ich mich ganz entspannt aufs Deichbrand freuen. Von wegen! Der Tag der Anreise war purer Stress! Erst vergisst man die Hälfte und holt das auf die Schnelle wieder und dann vergisst man wiederum das Ticket, merkt das noch in letzter Sekunde und eilt nochmal nach Hause. Das nur als kleiner Auszug aus meinem Vormittag.

Als wir schließlich auf dem Campinggelände angekommen sind – nachdem wir uns über einen Feldweg an der ziemlich langen Schlange quasi vorbeigeschlichen haben – und unseren, von den Campingkumpanen bereits freigehaltenen Campingplatz bezogen haben, ging es erstmal daran, die ersten Stücke Fleisch und Dosen Bier zu vernichten. Dennis, Danijel und ich setzten dann irgendwann auch unsere tollen Bärenmützen auf, die dann auch unser Wochenende (nun gut, zumindest das von Dennis und mir) quasi bestimmt haben. Wir wurden praktisch zu Bären – Bierbär, Arschlochbär, Schokobär, Trotzibär – alles war vertreten. ;)

Irgendwann Abends kam dann auch unser Pavillon an, der flugs aufgebaut wurde. Beim Aufbau schon hatten wir die Befürchtung, dass uns das Teil nicht gerade lange begleiten wird – das war ja auch nur ein acht Euro Billig-Pavillon vom letzten Deichbrand. ;)

Freitag – Pavillon Teil Zwei | Asyl-Suche | Suffocating Sight | Ghost Of Tom Joad | Frida Gold | Broilers | Boogee Munstaz | DJ Thomilla feat. Santé

Tja, wie war das nochmal mit dem Pavillon? Richtig, er war alles andere als stabil. Das haben wir am Freitag morgen merken dürfen. Während Danijel und Dennis den Pavillon bereits um ca. sieben Uhr das erste Mal repariert haben, nachdem er über die Nacht bereits kaputt ging und umknickte, war es ca. zwei Stunden später endgültig um den Pavillon geschehen. Mit einem mächtigen Satz beförderte ein Windzug selbigen direkt ins Nachbarcamp – Autsch! Nicht nur uns ging es so – auf dem halben Campinggelände sind die Pavillons in die Brüche gegangen. Wir drei haben nochmal versucht, aus den schändlichen Überresten eine neue Konstruktion zu bauen – nach einer halben Stunde haben Dennis und ich aber eingesehen, dass das nichts werden konnte. Wir suchten Asyl im Nachbarcamp, das von unserem Pavillon gerade noch heftigst penetriert wurde, und wurden aufgenommen. Nur Danijel blieb übrig und versuchte noch weiter die Konstruktion zu retten – vergebens natürlich!

Nachdem wir uns also eingenistet und gegenseitig bekannt gemacht hatten, ging es das erste Mal auf das Festivalgelände. Suffocating Sight spielten. Eigentlich das totale Gegenteil von der Musik, die ich höre, allerdings ist mein Kumpel Matze der Sänger der Band. Also hab ich mir das Ganze sozusagen aus Solidarität kurz angeschaut. Wie gesagt – nicht meine Musik. Deswegen bin ich auch bald wieder abgehauen.

Suffocating Sight

Nach meinem Kurzbesuch bei Suffocating Sight war ich den Rest des Auftritts wieder im neuen Camp. Erst bei der nächsten Band Ghost Of Tom Joad war ich dann wieder vor der Bühne. Ich hatte die ersten zwei Lieder von der anderen Seite des Festival-Geländes gehört und bin dann schnurstracks vor die Bühne gegangen, was sich auch wirklich ausgezahlt hat. Die drei Jungs aus Münster haben einen guten Auftritt hingelegt und die Musik, die sie machen, ist spitze!

Ghost Of Tom Joad

Nach Ghost Of Tom Joad waren dann Frida Gold dran. Irgendwie freute ich mich auf die Band. Fast alle, die ich kannte, wollte die Band rund um Sängerin Alina sehen. Trotzdem hatte ich mich vor dem Deichbrand eigentlich nie mit deren Musik auseinandergesetzt. Sozusagen jungfräulich ging ich also in den Auftritt. Zwar war es, mal wieder, nicht wirklich meine Musik – trotzdem hat mir der Auftritt gefallen. Die haben einfach gut gespielt und eine gute Atmosphäre verbreitet. :)

Frida Gold

Um Juli und The Bosshoss habe ich im Anschluss an Frida Gold einen weiten Bogen gemacht. Deren Musik kann ich beileibe nichts abgewinnen. Mit Dennis war ich dann bei den Broilers wieder vor der Fire Stage. Die ersten beiden Lieder über glich die Menge einer Apokalypse – und hierbei übertreibe ich noch nicht einmal! Die gesamte Menge war ein einziger Moshpit. Da herrschten Kräfte, die mich sogar an den Auftritt von Wolfmother beim diesjährigen Rock am Ring erinnerten. Da hat es mich dann beim ersten Lied (Harter Weg) dann auch drei Mal auf den Boden gehauen und beim zweiten Lied quer durch die Menge getrieben. Nach den beiden ersten Liedern wurde es aber ein wenig langweilig. Es zog sich einfach sehr stark. Irgendwann bin ich dann auch wieder von der Bühne weggegangen.

Broilers

Als nächstes zog es mich dann ins Festzelt. Dort legten erst die Boogee Munstaz und dann DJ Thomilla feat. Santé auf. Während erstere über die gesamte Zeit extrem gut aufgelegt haben wurde es bei Thomilla und Santé irgendwann etwas langatmig während es am Anfang noch sehr geil war. Trotzdem war ich so kaputt, dass ich mir Milk & Sugar nicht mehr gegeben habe, was ich im Nachhinein etwas bereue.

Samstag – Kettcar | Elektrizzl | Boris Dlugosch | Westbam

Der Samstag war vom LineUp her ein durchwachsener Tag für mich. Während ich mich pfötchenklatschend auf Pennywise und Westbam freute, zog ich ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter, wenn ich mich wieder daran erinnerte, dass Jennifer Rostock aka. Scheißstock, In Extremo und Guano Apes ebenfalls spielten.

Egal. Die erste Band, die ich mir am Samstag angeguckt habe, war Kettcar. Ich mochte die früher ganz gerne und eigentlich machen die auch wirklich gute Musik. Der Auftritt am Deichbrand war aber ein Griff ins Klo. Der Sound war mies und leise, die Band gelangweilt, ebenso wie die Crowd. Nach, ich glaube, vier Liedern bin ich enttäuscht wieder abgehauen. Meine persönliche Enttäuschung des Festivals.

Wie gesagt, eigentlich wollte ich am Abend noch Pennywise sehr gerne sehen. Ich wollte aber danach auch ins Festzelt. Ergo: ich musste mich etwas ausruhen. Ich fühlte mich nämlich ziemlich schlapp, keine Ahnung wieso. Also kurz ins Zelt gelegt um rechtzeitig wieder wach zu sein – denkste! Als ich wieder aufgewacht bin, spielten Pennywise längst. Ich musste noch eine Druckbetankung an mir selbst durchführen, also konnte ich mir Pennywise nicht anschauen. :( Dafür dann aber um kurz nach Elf ins Zelt um mir dort nacheinander Elektrizzl, Boris Dlugosch und Westbam zu geben.

Während die ersten beiden Acts schon sehr gut aufgelegt haben, eskalierte ich bei Westbam praktisch! Das war einfach nur so extrem geil, wie er die Meute zom Kochen brachte. Er brachte aber nicht nur jene Meute zum Kochen, sondern wohl auch die Elektronik. Zwei (!) Tonausfälle gab es während seines Auftritts. Irgendwie war das aber völlig egal, denn Westbam hat die soundlose Zeit jeweils im Anschluss mehr als nur wieder gut gemacht.

Westbam

Zufrieden und erschöpft ging ich also um vier Uhr zurück in mein Zelt. Ich mach also das Zelt auf, werf mich auf meinen Schlafsack und merke, dass es nass war! Sofort war die Taschenlampe vom Phone an und ich sehe, dass mein ganzes Zelt komplett nass war! Irgendwie habe ich es dann aber doch geschafft in meinem nassen Schlafsack einzuschlafen.

Sonntag – Zeltabriss | Abseits des Festivals | Bad Religion | Die Fantastischen Vier

Genauso sauer wie mein Zelt dann am Sonntag morgen nass war, war ich dementsprechend. Wir alle wollten den Nachmittag über zu Danijel nach Hause – duschen und so. Also hab ich schnell alle meine Sachen zusammengepackt und dann mein Zelt weggetreten. Ich war es leid, dass es schon beim Ring schlapp gemacht hat. Bis auf Danijel sind wir übrigens alle nass geworden. Ganz besonders übrigens Dennis. Er hat seine Sachen ebenfalls zusammengepackt und dann sein Zelt zerissen. Sein Schlafsack triefte vor Wasser und in seinem Zelt hatte sich ein hübscher Pool gebildet.

Nachdem wir also unsere Sachen bei Danijel abgeladen haben und dort beinahe eingeschlafen sind haben wir uns also noch einmal zum Deichbrand aufgemacht. Danijel, Dennis und ich wollten unbedingt Bad Religion sehen und André und Markus hatten sich auf die Fantastischen Vier eingeschossen.

Bad Religion haben dann einen echt guten Auftritt hingelegt. Die Performance war klasse, man merkte, dass sie wirklich nicht mehr Grün hinter den Ohren sind. Der Sound war gut, und die Crowd war auch gut dabei. Das Highlight der Performance war dann Sorrow, das letzte Lied. Für mich hat es sich gelohnt, extra für die Band nochmal zum Deichbrand zurückzukommen. :)

Bad Religion

Die Happy haben wir danach guten Gewissens übersprungen. Dann ging es zu Fanta Vier. Ich muss vorab sagen, dass die Fanta Vier eine meiner Hassbands sind. Ich kann deren Musik wirklich überhaupt nicht leiden. Nur André und Markus wegen hab ich mir das angeschaut. Der Auftritt war dann die Bestätigung für meine Abneigung. Langweilig trifft es eigentlich noch nicht gut genug. Sogar André und Markus waren wohl etwas enttäuscht, denn die haben sich auch bereit erklärt, dass wir früher abhauen um dann den Heimweg anzutreten.

Fazit – nächstes Jahr bitte mit besserem LineUp und wieder mit Westbam!

Insgesamt war das LineUp ziemlich durchwachsen, kein Vergleich zum LineUp vom vorigen Jahr (u.A. mit Danko Jones und Blod Red Shoes!). Die, die dann aber gut waren, waren umso besser – allen voran natürlich Westbam! Mein persönliches Highlight vom diesjährigen Deichbrand. Schon ein wenig komisch – mein Highlight eines Rockfestivals ist ein Techno-Act…

Nächstes Jahr wünsche ich mir also wieder ein besseres LineUp, mehr Platz auf dem Campinggelände und vor allem ein größeres Festivalgelände! Trotzdem hat sich das Deichbrand für mich gelohnt, denn die vier Tage mit meinen besten Freunden macht jedes schlechte LineUp wieder wett! :)

Das war also mein Bericht über das diesjährige Deichbrand 7.0. Ich freue mich auf das nächste und bin gespannt was mich da dann so erwartet.

Wart ihr auch auf dem Deichbrand? Wie fandet ihr es da? Hat euch das LineUp eher zugesagt als mir?