denyo

„Und du schreibst die allerersten Zeilen und schickst sie mir als SMS. Doppelpunkt, Bindestrich, Klammer zu – letzte Nacht war einfach echt… Derbe!“

Bereits vor einer Weile koppelte Denyo mit „#Derbe“ die erste Videosingle aus seinem neuen Album „Derbe“ aus – genau, der Song mit zeitgeist-getränktem Hashtag davor, das Album ohne. Das Wort an sich lässt wohl eher an den Hip-Hop-Boom der Jahrtausendwende zurückdenken, bei dem Hamburg, sein Slang und besonders die Beginner, von denen Denyo ein Drittel bildet, ganz vorn dabei waren. Und tatsächlich erwartet uns auf seiner neuen Platte eine Art Hybrid aus Reminiszenzen an die gute, alte Zeit und super-modern produzierten Instrumentals. Oder in einem seiner Songtitel ausgedrückt: Boom Bap Reloaded!

Während sich die Arbeiten an einem neuen Crew-Album der Hip-Hop-Urgesteine aus Eimsbush weiter ziehen, hat Dennis Lisk also mal schnell aus einer geplanten EP ein ganzes Album gemacht. Und das kommt nicht wie sein vor sechs Jahren veröffentlichtes Singer-Songwriter-Werk unter seinem bürgerlichen Namen raus, denn Denyo hat wieder Bock auf Beats – und zwar die der derben Sorte. Dabei heraus kommen gewaltige Bretter wie „Space Jam“, in dem er schon recht genau klar macht, worum es auf seiner vierten Soloplatte geht:

„Space Jam, digger, Bass in your space!“

Bass? Definitiv! Spacige Sounds? Absolut! So progressiv, wie Denyo an die Sache herangeht, traut sich das hierzulande derzeit kaum jemand. Bereits auf seinem Solodebüt macht er samt Eizi Eiz-Feature seine Liebe zur „60 Hertz“-Frequenz klar. Mittlerweile scheinen sogar noch tiefere Töne ihren Weg ins Soundbild gefunden zu haben, so präsent wie die wummernden Bässe auf seinen zehn neuen Songs sind.

derbeÀ propos Eizi Eiz, heute bekanntermaßen superfamous als Jan Delay unterwegs – in „Kein Bock“ heißt es zwar „Du fragst mich, wie es Jan geht – ich frage mich, was dich das angeht!“, wenig später hat Denyos Mit-Beginner dann aber doch seinen Auftritt auf selbigem Song. Der Anführer des zweiten großen Deutschrap-Booms Mitte der 2000er gesellt sich direkt dazu: Wo früher eine ordentliche Diskrepanz zwischen den Hamburger Realkeepern und Sido plus Entourage herrschte, funktionieren die drei Herren heute wunderbar zusammen auf einem Track. Gepaart mit der höchst modernen Klangästhetik passt das Ganze hervorragend in die Zeit: Hip Hop ist in Deutschland wieder größer denn je, Straßenrap verträgt sich mit weniger gangsteresker Musik gut wie nie zuvor. Ein passendes Abbild der guten Lage, in der sich Rap gerade befindet – und um die Runde komplett zu machen, gibt sich sogar Deutschlands Ur-MC Torch die Ehre eines Featureparts auf „Papa“.

Was Style und Flow angeht, hat Denyo nicht nachgelassen. Auch seine Stadt und die dortige Vergangenheit werden immer noch representet, wenn er in „Elbtunnelblick“ zu einem verspielten Beat, der Oldschool-Samples und Newschool-Attitüde vereint, Zeilen wie diese rappt:

„Alter Fuchs, neues Fell, Dicke Trommeln in meinem Ohr. Hier hinter’m point of no return – auf halber Strecke zwischen weißt du noch und stell dir vor!“

Besser könnte man „Derbe“ auch kaum zusammenfassen – der alte Fuchs hat sich in einen ziemlich spannenden Sound reingefuchst. Er setzt Hashtags vor die Worte, nennt Songs „WrkHrd“ statt Work Hard und sich selbst Denyolo, verliert dabei aber nicht seine alte Form und weiß immer noch mit guten Texten zu unterhalten. So ist „Derbe“ ein frischer, aus dem Subwoofer kommender Wind im Hause Denyo, der absolut Spaß macht. Um uns hier mal einem anderen Bonmot aus der Hamburger Rap-Primetime zu bedienen: Die neue Denyo-Platte ist richtig zornig! #hamburgcityheftig

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