Nikolaus in der Hansestadt: Während am vergangenen Mittwoch viele kleine Menschen fleißig Schoki futterten und die Finnländer ihren Unabhängigkeitstag auch ohne eine Alien-Invasion über die Bühne brachten, lud der norddeutsche Radiosender N-JOY zu einem besonderen Konzertabend im Hamburger Molotow: Singer-Songwriter Joseph J. Jones hatte sich für ein exklusives Clubkonzert angekündigt.

Ein Newcomer aus dem Boxring: Der Brite, der kürzlich noch die Fäuste ballen musste, um Menschen zu berühren, tauschte vor paar Jahren Boxhandschuhe gegen Mikrofon – berührt wird jetzt nur noch mit sanfter Stimme. Seine Debüt-EP aus dem letzten Jahr trägt vielleicht nicht gerade zufällig den Titel „Hurricane“: Schon im Jahr 1975 veröffentlichte ein gewisser Bob Dylan ein gleichnamiges Stück – über einen Boxer Namens „Hurricane“.

Britney musste zuhause bleiben

Der Auftritt des jungen Mannes aus Essex fand im Rahmen eines „N-JOY NEU“-Konzertabends statt. Im Vorfeld hatten die Zuschauer die Gelegenheit über den Jugendradiosender Karten zu gewinnen, käuflich gab es keine zu erwerben. Es war also ein intimer Konzertabend mit dem jungen Künstler zu erwarten, einen Getränkegutschein gab’s sogar auch oben drauf. Kurz vorher bestieg N-JOY-Moderator Basti Schmitt noch schnell die Bühne des Kiezclubs und bat darum, doch bitte keine Britney Spears Cover-Songs von Joseph zu verlangen – das hätte er auf kleinen Gigs in englischen Pubs schließlich unlängst hinter sich.

Als Joseph J. Jones um kurz nach 20 Uhr auf die Bühne hüpfte, war nach wenigen Augenblicken sofort klar, warum JJJ nicht in die sportlichen Fußstapfen seines Vaters treten wird: Er muss es nicht. Hat man sich erstmal an der beeindruckenden Präsenz des über zwei Meter großen Hühnen gewöhnt, gehen Titel wie der Opener „Stay“ runter wie fettarme Nutella (someone make this happen already). Im Schlepptau hatte der Mann in Schwarz eine dreiköpfige Band, bei welcher vor allem der Mann an der MPC den Sound durch Chor-Samples und Drumvariationen maßgeblich mitbestimmte.

Die Stimme des Sweethearts

Direkt im Anschluss knöpfte sich JJJ mit „The Dirt“ seinen persönlichen Liebling der „Hurricane“-EP vor. Von einem Chorus wie diesem, träumen manche Singer-Songwriter ein Leben lang. „The Dirt“ ist eines dieser Momente, bei dem jeder Zuhörer im Playlist-Shuffle nochmal auf den Bildschirm blicken muss. Die Stimme des Briten bestimmte das abendliche Set nicht nur maßgeblich, sondern war darüberhinaus in einem derart ausgezeichneten Zustand, dass man hier glatt eine Studio-Session hätte abhalten können. Eine Stärke – und schwäche: Die Performance von JJJ + Band wirkte glatt und makellos, nur selten wurde sich die Freiheit genommen, die Stücke auch mal außerhalb der Studioversionen zu erweitern.

Eine Frage die dieser Tage jedoch im Raum steht, ist die nach der ersten großen Platte. „Hurricane“ wird im nächsten Jahr bereits zwei Jahre auf dem Buckel haben. Mit „Speaking in Tongues“ präsentierte er eines der Stücke, die auf dem noch-unbetitelten Longplayer landen werden. Der Titel erzählt von persönlichen Kämpfen fernab des Boxrings, wenn etwa religiöse Einflüsse einer Beziehung im Weg stehen. Gänzlich ablegen kann er seine Boxhandschuhe trotzdem nicht: Als er das nachfolgende „Put The Word Out“ schrieb, war es als Warnung gegen einen aggressiven Liebhaber einer Freundin zu verstehen, wie er dem Publikum aufrecht erklärt. Joseph, ein echter Sweetheart.

Ein Mann für große Singles

Die Performance seiner bis Dato erfolgreichsten Single „Gospel Truth“, sowie ein minimalistisches Cover von John Lennons „Happy XMas (War Is Over)“ waren die weiteren Highlights des kurzweiligen Abends. Joseph J. Jones präsentierte sich als Mann der großen Singles, konnte sich auf dem Konzertabend von „N-JOY NEU“ von seiner besten Seite zeigen. Kurzum: JJJ hat das Potential zu einem der großen Popsänger in Großbritannien zu werden.

Es liegt trotzdem noch einiges an Arbeit vor dem bekennenden West Ham United-Fan. So lebte der Abend u.a. vom starken Einsatz von Chorloops und einem immer gleichen Tempoaufbau, welche dank MPC, Keyboard und dem hervorragenden Zustand seiner Stimme dem Gig einen unerwarteten, künstlichen Charakter gaben. Auf einem Live-Konzert darf es allerdings gerne etwas rauer zu gehen, mehr Risiken sind erwünscht. Ein Problem, dass ein ehemaliger Boxer sicher lösen kann.

Wer jetzt lust bekommen hat den sympathischen Künstler noch einmal Live und in Action zu erleben, der erhält im Mai 2018 die Chance dazu. Joseph J. Jones kommt auf Deutschland-Tournee:

  • 3.5.2018 Kranhalle, München
  • 4.5.2018 Frannz Club, Berlin
  • 6.5.2018 Knust, Hamburg
  • 7.5.2018 Lux, Hannover
  • 8.5.2018 Luxor, Köln
  • 9.5.2018 Zoom, Frankfurt

Die „Hurricane“-EP von Joseph J. Jones ist am 15. September 2016 über Communion und Caroline erschienen. Wer über kommende „N-JOY NEU“ Konzertabende und Gewinnspiele auf dem Laufenden bleiben will, sollte hin und wieder in die gleichnamige Sendung von und mit Basti Schmitt hineinhören. Wann sie läuft und wie ihr sie empfangen könnt, erfahrt ihr auf der offiziellen Website zur Sendung.

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