Fotos: Babak Kidney, noisiv.de

Was haben wir in der Musik nicht immer wieder auf Retrowellen surfen dürfen. Schön, das gelegentlich einige Künstler dabei nochmal an der Rezeptur drehen: Steel Panther, einst im kalifornischen Raum als Hair-Metal-Coverband gestartet, haben sich zu eines der größten Musikcomedy-Acts unserer Zeit gemausert. Wenn man das überhaupt so nennen kann: hinter den stereotypen Verkörperungen von Michael Starr, Satchel, Lexxi Foxx und Stix Zadinia verbergen sich exzellente Musiker. Musiker, die ende Januar im Hamburger Mehr! Theater gastierten, um die schrillste Ära des Rock n‘ Rolls wieder auf die Bühne zu bringen.

Michael Starr und Co. verstehen vom Fach mehr, als manch andere, – „normale“ – Band. Steel Panther haben sich über viele Jahre in der Underground-Szene von Los Angeles den Hintern abgearbeitet und ihr Programm aufs feinste getuned: Sie leben die Parodie auf die Ära des Hair- und Glam-Metals, können die großen Klassiker (wie „Iron Man“ oder „Sweet Child O‘ Mine“) originalgetreu aus der Schulter schütteln und haben inzwischen fünf Alben in der bandeigenen Diskografie vorzuweisen.

Pünktlich um 20 Uhr eröffnete die US-Heavy-Metal-Band Fozzy den Abend im im Mehr! Theater. Außergewöhnlich: Frontmann Christopher Irvine bewegt sich bereits seit Anfang der 90er-Jahre als Chris Jericho quer durch die Wrestling-Welt und gilt als einer der größten Performer der letzten Jahre. Nur etwa einen Monat nach seinem inzwischen legendärem Match gegen Kenny Omega in der japanischen Liga NJPW, stand der 47-jährige Kanadier auch schon auf der Bühne in Hamburg und stellte die neue Platte „Judas“ vor.

Das Publikum machte es ihnen alles andere als schwer: Fozzy eröffneten mit „Judas“, dem Titeltrack der aktuellen Platte und die erfolgreichste Veröffentlichung der fast 20-jährigen Bandgeschichte. Sie spielten sich durch ihre aktuelle Single „Painless“, heizten die Crowd an und badeten regelrecht in ihren Amps und Gitarren Licks. Dabei ist es gerade einmal wenige Monate her, dass Chris Jericho und Co. noch im Hamburger Gruenspan ihr aktuelles Album der Metalgemeinde präsentierten. Nach Hamburg zu fahren lohnt sich eben immer wieder.

Ich hatte Steel Panther bereits vor fast zwei Jahren auf dem Wacken Open Air erleben dürfen. Die ordnungsgemäße Persiflage der Glam-Rock-Ära verlangt nach sexistischen Anmerkungen, körperlichen Objektivierungen und jede Menge Gesprächseinlagen, die das zu bekräftigen haben. Entblösste Brüste, ob im Publikum oder auf der Bühne, sind dabei stets Teil des Programms. Im Gegensatz zum Festival-Auftritt 2016 sollte es in Hamburg jedoch etwas verhaltener zur Sache gehen.

Die Uhr schlug neun, als Steel Panther die große Bühne von Hamburgs junger Konzerthalle betraten. „Eyes of a Panther“ und „Goin‘ In The Backdoor“ gabs zum warm bleiben, im Anschluss wurde erstmal die Band vorgestellt. Ein Segen, aus ganz persönlicher Sicht: Kurzfristig als Konzertfotograf eingesprungen, zogen sich so die üblichen ersten drei Songs bei welchen Fotografien aus dem Fotograben erlaubt sind, entsprechend in die Länge. Es sollte an dem Abend allerdings nicht nur bei dieser langen Sprach- und Comedyeinlage bleiben, immer wieder unterbrach die Truppe das Set, um über Sex, Drogen und Haare zu sprechen.

Ob „Poontang Boomerang“ oder das noch viel anzüglichere „Gloryhole“: Das Hamburger Publikum zeigte sich äußerst textsicher bei den Titeln der Kultband. Die Stücke der aktuellen Platte „Lower The Bar“ bildeten einen Großteil der Setlist, auf welcher sich auch einiges aus dem 2009er-Durchbruch „Feel The Steel“ wiedergefunden hat.

Einziges Manko am sonst gelungenen Abend: Die Spracheinlagen der Band. Anfangs noch witzig und auch beim zweiten Konzertbesuch noch unterhaltsam, drohen diese zu einem großen Leerlauf zu verkommen, einiges war so bereits 1:1 auf dem Wacken Open Air zu hören. Hier bleibt zu hoffen, dass Starr und Co. in Zukunft auch die Bühnenshows weiterdenken.

„Lower The Bar“ ist am 24. März 2017 via Open E Records erschienen.