Da simma’ nun: Feine Sahne Fischfilet im Jahr 2018. Die Band, die noch vor wenigen Jahren durch die reudigsten Schuppen des Landes tourte, begleitet inzwischen auch gestandene Veteranen wie Die Toten Hosen als Support-Act und verkauft im Handumdrehen eines der größten Konzertlocations Hamburgs aus. 4.000 Tickets konnten für den (krankheitsbedingten) zweiten Tour-Stopp der „Alles auf Rausch“-Tour in der Inselparkhalle in Hamburg-Wilhelmsburg abgesetzt werden. Mehr ging nicht.

Ein unglaublicher Meilenstein für eines der relevantesten deutschsprachigen Punkbands dieser Tage, welche noch vor fünf Jahren als großer Geheimtipp gehandelt das hiesige Campus Open Air bespielt und sich in der Zwischenzeit den Hintern abgearbeitet haben – sowohl vor, als auch hinter der Bühne. Heute landen ihre Platten in den Album-Charts auf einen Podestplatz („Sturm & Dreck“ erreichte Platz 3 der deutschen Album-Charts). Und trotzdem: vor 4.000 Zuschauern haben die sechs Jungs aus Mecklenburg-Vorpommern noch nie vorher eine Headliner-Show gespielt.

Viele Worte sind schon über die Band aus dem Hause Audiolith verloren worden, die Richtigen konnte selbst Sänger Monchi beim Anblick der Zuschauermenge kaum finden. Bereits Stunden vor Beginn bildeten sich vor der Wilhelmsburger Mehrzweckhalle Schlangen epischen Ausmaßes, Wartezeiten von knapp 90 Minuten waren keine Seltenheit.

Doch die Punkband nimmt solche Momente nicht einfach so hin. Sie reflektiert sie, unterhält sich mit ihren Fans drüber. So auch an diesem Abend. Monchi betrat im Vorfeld schon die Bühne, richtete gute Worte an die Fans und kündigte mit The Movement die Vorband des Abends an, welche extra aus Dänemark für den Anlass angereist kamen.

The Movement, ein Mod-Rock-Trio, dass seinen Bandnamen aus einem politischen, sowie musikalischen Blickwinkel verstanden wissen will, machten einen unglaublich spielfreudigen Eindruck. Das selbsterklärte Power-Trio (modgerecht im feinsten Zwirn gekleidet) sprang, sang und spielte sich regelrecht die Seele aus dem Leib, während sich die letzten Konzertbesucher in der Location einfanden.

Aus meiner Perspektive war der Sound der dänischen Band leider nicht immer optimal wahrzunehmen, so fehlte es besonders in den hinteren Reihen an reichlich Bässen. Es sollten sich erste Sorgen bei mir breitmachen, ob die Bands des heutigen Abends nicht vielleicht doch bei der Wahl der Mehrzweckhalle daneben gegriffen haben. Spoiler Alert: Ich wurde eines besseren belehrt.

It’s a kind of magic: Um ca. 21:35 fiel der große „FSF“-Vorhang vor der Bühne und Feine Sahne Fischfilet eröffneten mit der Lead-Single „Zurück in unserer Stadt“ – und mit was für einer Energie, alter! Der Einstieg perfekt, die Crowd sofort heiß. Im Anschluss ging es mit „Für diese eine Nacht“ munter weiter, „Alles auf Rausch“ und „Solange es brennt“ setzten nochmal nach. Nach fünf Songs war unlängst klar: Die neuen Titel fühlen sich an, als wären sie schon immer Teil der Band gewesen. Verlorene Kinder, die erst auf Album Nr. 4 zurück nach Hause gefunden haben, so to speak.

Feine Sahne Fischfilet sollten gen Ende des Abends nahezu alle Titel der neuen Platte gespielt haben. Die Setlist, satte 22 Titel stark, vermisste in der Folge selbsterklärend den ein oder anderen Klassiker. Doch das macht nichts: Die neuen Titel wollen gespielt werden, möchten leben, sich entwickeln. Niemals zuvor war bereits bei den Studioversionen die Aura der extasischen Live-Konzerte derart herauszuhören – eine Challenge also, das Niveau vor Live-Publikum noch weiter anzuheben. Hat in der großen Halle zwar wunderbar funktioniert, in kleineren Clubs hat man FSF dennoch etwas lieber.

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Als vor fast genau drei Jahren „Bleiben oder gehen“ das Licht der Welt erblickte, hatten Feine Sahne Fischfilet sich bereits in die Herzen deutscher Punk-Fans... Weiterlesen →

Was bleibt ist ein Rückblick auf die emotionalen Momente des Abends: Wie Monchi, immer wieder von Emotionen gefangen, über die wahren Kämpfe im Leben spricht. Etwa, wenn er die politische Arbeit von Unterstützer*innen wie Katharina König hervorhebt und mit „Angst frisst Seele auf“ seine Widmung folgen lässt. Momente, wenn Konfetti vom Dach die Kulisse eines der schönsten Konzerte der Band abrundet. Ob Feine Sahne Fischfilet eines Tages die 40.000 Zuschauermarke knacken werden? Das lässt sich in gewisser Hinsicht weder sagen, noch hoffen. Eines ist aber ganz sicher: Die Reise der sechs Jungs aus Meck-Pom hat gerade erst Fahrt aufgenommen.

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