Foto: Martin Morris

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Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen! Das ist tatsächlich der Titel des neuen Albums der nicht minder lang und augenzwinkernd benannten Gruppe Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Doch im neuen, bereits dritten Werk der Kombo um Ex-Superpunker Carsten Friedrichs, erklärt sich dieser Titel recht bald von selbst: Nicht als Belästigung der armen, zur Schau gestellten Primaten, sondern als puren Ausdruck der Lust darauf, dass was passiert. Dass der wahlweise von Langeweile oder Verschrobenheit geprägte, hiesige Pop mal ein paar unmissverständliche Ohrwurm-Bläser entgegengesetzt bekommt. Die Affen sollen was machen und die Leute sollen tanzen! Wie könnte man auch anders, bei dem Sound, den Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und auch ihre Quasi-Vorgängerband Superpunk seit Jahren zelebrieren! Gar nicht mal so gewöhnlich also, diese Gentlemen. Wo sonst bekommt man denn bitte derart zauberhaften Pop, in dessen Texten es um „Mrs. Svendsens Heim für Esel” und deren Vorliebe für Bier geht?!

Schon auf dem 2014er „Alle Ampeln auf Gelb” gab sich die Liga der Mission hin, dem Regisseur Werner Enke die ihm zustehende Bekanntheit zu verschaffen. Auch auf der neuen Platte sind es besonders diese speziellen Geschichten und Figuren, die mal – RMAKDASWMwie im Falle von genannter Mrs. Svendsen oder dem „Blues für Rolf Wütherich”, James Deans Beifahrer bei dessen tödlichem Unfall – konkret benannt, mal aber auch einfach als „Das härteste Mädchen der Stadt” angepriesen werden. Das Gefühl bleibt das selbe wie früher bei Superpunk – auch, wenn heute in Friedrichs‘ Texten nicht mehr der Ford Escort und die Mods, sondern „Der beste Zechpreller der Welt” besungen werden. Der Hamburger ist eben ein Fan von besonderen Menschen – und das ist doch gerade heutzutage schön, sich von diesen guten Leuten erzählen zu lassen. Es gib eh zu viele schlechte. Und der wohl größte Song auf diesem Album fasst genau dieses Gefühl in Worte: „You are great but people are shit”! Mit Ramones-esken Chorus-Rufen und Riffs spielt sich die Liga der gewöhnlichen Gentlemen hier in das Herz eines jeden Skeptikers gegenüber der Menschheit per se, der aber in der herzerwärmenden Musik dieser fünf Herren seine Oase findet.

Auch die Lyrics des abschließenden Songs spenden nochmal Trost:

„Kampfbahn im Sonnenschein, wo möchte ich lieber sein? Das Flutlicht scheint nicht mehr im Bahrenfelder Häusermeer, denn: Dinge verändern sich! Auch wenn das Herz dir bricht!”

Nein, der Lauf der Zeit ist leider nicht aufzuhalten, doch die Liga der gewöhnlichen Gentlemen ist eine der wenigen Konstanten, mit der man bei jedem neuen Release rechnen kann. Das am 15. Januar bei Tapete Records erscheinende „Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen” macht weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat und wenn Carsten Friedrichs singt, „ich bin gut genug für dich”, dann hat er damit absolut recht. Was er mit seinen vier Mitstreitern macht, ist gute Musik. Sehr gute sogar, manchmal die allerbeste, um das Gemüt zu erhellen und sich im eigenen Käfig mal wieder aufrütteln zu lassen.

Ganz sicher ist das auch ein Album, dessen Songs man live erleben sollte – die Möglichkeit dazu habt ihr an diesen Tagen und Orten:

  • 28.12.15 Hamburg/Knust
  • 29.12.15 Bremen/Lagerhaus
  • 30.12.15 Berlin/Bi Nuu
  • 03.02.16 Kiel/Schaubude
  • 04.02.16 Höxter/Tonenburg
  • 05.02.16 Essen/Grend
  • 06.02.16 Aachen/Raststätte
  • 10.02.16 Bielefeld/Bunker
  • 11.02.16 Stuttgart/Schocken
  • 12.02.16 Mainz/Schon schön
  • 13.02.16 Düsseldorf/Tube
  • 30.03.16 Leipzig/Ilses Erika
  • 31.03.16 München/Milla
  • 01.04.16 Nürnberg/Stereo
  • 02.04.16 Dresden/Ostpol
  • 07.04.16 Ravensburg/Zehntscheuer

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