Die Nerven

Foto: Christian Bendel

„Eine Lüge / Neue Wellen / Neue Narben / Selbe Stellen“. Mit diesen Worten leitet Max Rieger das neue, vierte Studioalbum „FAKE“ von Die Nerven ein. Wut, Verzweiflung, Resignation, Gegenwehr; auch im neuen Werk spielen diese Emotionen eine zentrale Rolle in den Texten von Rieger und Julian Knoth. Nerven-typisch wird all das von brachialer Instrumentalgewalt getrieben.

Die Nerven - Fake

Das donnernde Noise-Gewitter aus zorniger Stromgitarre, groovig-drückendem Bass und ultrapräzisem Schlagzeugspiel ist weiterhin das bevorzugte Stilmittel des Trios. „Alles Falsch“ und die Single „Frei“ leben wohl mehr davon, als jeder bisherige Song. Der Kopf wird einem durchgepustet, Reset auf null, Neuausrichtung nach vorne. „Immer nur dagegen / Immer nur dagegen / Aber gegen was“ zeugen von rücksichtsloser Wut und Verweigerung. Weg mit allem – egal, was das auch sein mag. Hauptsache eben frei, maximal konsequent in der Durchführung. Tunnelblick aktiviert, alles andere ist egal. Das Ziel ist entscheidend.

Im Vergleich zu den Vorgängern „Fun“ und „Out“ kommen die Songs des Neulings deutlich strukturierter daher. Es handelt sich bei den 12 Stücken weniger um Jam-artige Momentaufnahmen, als viel mehr um überlegte und abgestimmte Arrangements. Das tut dem wilden Gefühl, das die Band seit jeher zu transportieren weiß, bemerkenswerterweise jedoch keinen Abbruch. Spielerisch meistern sie das Wechselspiel zwischen bedrohlicher Ruhe und plötzlicher Explosion.

Die Nerven verfeinern ihre bekannte und einzigartige Rezeptur auf „FAKE“ erfolgreich weiter und bleiben unheimlich spannend. Ein über 45 Minuten währender Trance-artiger Trip bläst um die Ohren, leert Körper sowie Verstand und hinterlässt letztendlich einen ausgezehrten und beanspruchten, jedoch befreiten Hörer. Das Trio zeigt sich abermals wegweisend – sowohl für die musikalische Weiterentwicklung der Szene, als auch für die Individuen, die sich dem Album hingeben und tragen lassen.

Die Nerven: „FAKE“-Tour 2018

  • 20.04. – DE: Leipzig, Conne Island
  • 21.04. – DE: Berlin, Festsaal Kreuzberg
  • 22.04. – DE: Hamburg, Hafenklang
  • 23.04. – DE: Köln, Gebäude 9
  • 24.04. – NL: Amsterdam, Sugar factory
  • 25.04. – NL: Groningen, Vera
  • 26.04. – BE: Brüssel, AB Club
  • 27.04. – DE: Schorndorf, Manufaktur
  • 28.04. – DE: München, Strom
  • 29.04. – AT: Wien, Fluc

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