Foto: Robin Hinsch

„What a time to be alive, ohne Seuchen, ohne Krieg“, so lauteten die ersten Zeilen, die wir vor einigen Wochen vom neuen Zugezogen Maskulin-Album in der ersten Auskopplung „Was für eine Zeit“ zu hören bekamen. Dass die ganz großen Missstände unserer Generation weitgehend erspart bleiben, ist den Wahlberlinern durchaus bewusst. Dass die „Dullikids mit Mönchsfrisuren“ und „Post-Bros wie Jan Leyk“ aber doch nicht das einzig Aufregenswerte der Zeit sind, ebenso:

„Promenade, weißer Truck, drück‘ auf’s Gas.

Flüchtlingsheim, Molli rein – Just a prank, war nur Spaß!“

War die Attitüde der hochspannenden Rap-Kombo bisher noch eher ein Wir gegen die, heißt die Devise ab jetzt wieder „Alle gegen alle“.

Zugezogen Maskulin brechen jedoch nicht nur mit der Gesellschaft, sondern auch den Erwartungen ihrer Hörer: Das Intro der Platte hätte sich mit seinem unvermeidbaren Slime-Sample schnell zu einem neuen Live-Klassiker für die pogofreudige ZM-Crowd entwickeln können, findet jedoch vor der finalen Ekstase ein jähes Ende. Zu vorhersehbar wäre der Abriss gewesen, den Testo & grim104 bereits auf ihrem Quasi-Erstling „Alles brennt“ zu Genüge zelebrierten. Und so klingt der tatsächliche Titelsong „Alle gegen alle“ dann doch – für die Verhältnisse des Duos – eher nachdenklich, auch wenn Testos Autotune-Hook uns in den „Swimmingpool voll Galle“ schickt.

Der Leitsatz des Albums zieht sich durch nahezu all seine Stücke. „Yeezy Christ Superstar“ rechnet mit der sneakerbesessenen Generation des Duos und gleichermaßen ihren rappenden Szenekollegen ab, die auch im bollernden „Steffi Graf“ zu „inhaltsloser deutscher Wohlfühlkacke wie Helene“ degradiert werden. Und doch wird der eigene Eintritt in die Hip-Hop-Kultur mit Vertretern wie Sido und Moses Pelham bei „Teenage Werwolf“ als Rettung aus dem engen, kleinen, muffigen Zimmer zelebriert. Aber nostalgische Dorf-Romantik? Fehlanzeige, hier macht „Nachtbus“ klar: Auch die norddeutsche Provinz hat, ebenso wie Berlin, nur Idioten und Idiotie zu bieten. Grim104 fasst resümierend in Worte, was mittlerweile ohnehin klar geworden sein dürfte: „Ich hasse alle“.

Zwischen diesem Rundumschlag gegen die Zustände und ihre Protagonisten finden sich aber auch einige Perlen, die mit dem Schema brechen und dadurch herausstechen. Ein Ausweg aus der Tristesse – sei sie rückblickend wie in der DDR-Thematik von „Steine & Draht“ oder dystopisch in „Vor Adams Zeiten“ – findet sich auf „Alle gegen alle“ aber nicht. „Zugezogen Maskulin, die Wolken bleiben schwarz“ – so kann man das stehen lassen. Hinzuzufügen wäre lediglich: Die Relevanz der Crew bleibt hoch, die Qualität ihrer Texte und Beats ebenso, die Platte: Hervorragend.

„Alle gegen alle“ ist heute bei Four Music erschienen, zum Jahresbeginn gehen Zugezogen Maskulin auf ausgedehnte Tour:

  • 10.01.2018 Leipzig
  • 11.01.2018 Rostock
  • 12.01.2018 Bremen
  • 13.01.2018 Münster
  • 15.01.2018 Köln
  • 16.01.2018 Frankfurt
  • 17.01.2018 München
  • 18.01.2018 Würzburg
  • 20.01.2018 Berlin
  • 16.02.2018 Hamburg
  • 22.02.2018 Hannover
  • 23.02.2018 Hamburg
  • 24.02.2018 Kiel
  • 25.02.2018 Bochum
  • 27.02.2018 Stuttgart
  • 28.02.2018 Heidelberg
  • 01.03.2018 Erlangen
  • 02.03.2018 Salzburg
  • 03.03.2018 Wien
  • 05.03.2018 Konstanz
  • 06.03.2018 Reutlingen
  • 07.03.2018 Karlsruhe
  • 08.03.2018 Trier

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