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Bildquelle: Facebook

Wir haben die Tage ein paar Fragen durch unsere Glasfasern gejagt und Antwort von einem vielversprechenden Künstler erhalten. DiscoCtrl hat uns seine Biographie offen gelegt und mal erklärt, was da eigentlich in den USA gerade los ist.

Der Rapper ist Teil der Formation Image Ctrl und schickt sich nun an, selbst auf die virtuellen Bretter dieses Internets zu treten. Erste Auswüchse konnte man schon in Form der eindrucksvollen Singles „Five Fingers“ und „Frida Kahlo“ bestaunen, über die wir schon berichteten. Für uns ein guter Grund mal nachzuhaken: Wer ist dieser Rapper überhaupt?

Viel Spaß beim Lesen des wohl besten, weil ersten, abgedruckten Interviews mit DiscoCtrl.


Moin, DiscoCtrl! Wer Bist du eigentlich? Woher kommst du? Kannst du Dich kurz vorstellen?

Ich bin DiscoCtrl, ein Rapper, Produzent und .Gif-Mogul. Ich bin in Berlin zur Welt gekommen und während der Grundschule nach Austin, TX gezogen, wo ich bis vor ein paar Jahren gelebt habe. Seit 2012 bin ich wieder in Berlin und spring von hier durch die Gegend.

Texas weckt hierzulande viele Assoziationen. Wie ist die dortige Kultur im Vergleich zur Berliner Schnauze?

Ich glaube ein sichtbarer Unterschied, der die Orte unterscheidet, ist einfach der Bezug zum Raum: In Texas fängt irgendwo hinter den Häusern eine riesige Wildnis an, irgendwie merkst du auch mitten in der Innenstadt, dass Du eigentlich nur auf einer kleinen betonierten Insel chillst. In Berlin ist es total normal in Häusern zu leben, die über 100 Jahre alt sind und sich an Spots zu treffen, die seit den alten Römern oder was auch immer als Treffpunkte genutzt werden. Du teilst Dir weniger Platz mit mehr Leuten.

Ich glaube die Idee, dass es ja eh da hinten noch mal 1.000 Quadratkilometer gibt, beeinflusst auch ein bisschen die Mentalität in den Südstaaten. Früher hab ich unglaublich viele Vergleichsspiele gespielt und mich darüber aufgeregt, dass Leute in Berlin fremden Leuten erstmal als Feind begegnen, oder dass Leute in Austin sagen „ich komm morgen um fünf vorbei“ und damit meinen „kann sein, dass ich um halb 10 bei dir auftauche“.

„Um die Ecke lauert eh jemand, der das alles wieder in Frage stellt“

Irgendwie gab es aber immer Menschen, die nicht in diese Schubladen gepasst haben und das ganze System gesprengt haben, deswegen versuch ich eigentlich, gar keine Pauschalansagen mehr zu machen – um die Ecke lauert eh jemand, der das alles wieder in Frage stellt.

Wann gab es die ersten Berührungspunkte mit Hip-Hop? Wie bist du letztendlich zum Rap gekommen? 

Ich wurde Mitte der 90er in Berlin eingeschult, meine musikalische Ersterziehung lief also durch Rap and Eurodance. Also tagsüber La Bouche beim Sportunterricht und nachmittags die Rap- und R’n’B-Sendungen bei KissFM. Mein Vater und meine große Schwester waren schon auf dem Rap-Film, als ich zur Welt gekommen bin. In den Staaten kamen meine Kontakte vor allen Dingen durch meine Familie, in Berlin durch die Schule und ältere Freunde.

Ich war in Musik so schlecht, dass ich immer nur die Triangel gekriegt habe. Eigentlich wollte ich malen und bin mit meinem besten Kumpel auf Baustellen geklettert, um Tags zu üben. Als ich in der Sechsten umgezogen bin, hab ich in Texas mein verhaltensauffälliges Ding einfach weiter durchgezogen und bin voll schnell für Kleinigkeiten ans Jugendgericht gekommen. Danach hat der Anwalt gesagt, dass die mich für die nächsten Dinger entweder verknacken, ausweisen oder beides. Das wars dann auch erstmal mit dem Thug Life.

„Ich war einfach ein bekiffter Schulschwänzer“

Ich kann hier echt keinen Mythos stricken: Es ging nie um mehr als ein bisschen Gras oder so. Ich war einfach ein bekiffter Schulschwänzer, der gelegentlich aus einem Zehner einen Zwanni gemacht hat. Aber plötzlich haben Schulfreunde von mir mehrjährige Haftstrafen für ähnliche Sachen kassiert. Nach einer letzten Action, in der ich durch einen Fehler der Bullen nicht angezeigt wurde, hab ich auf einen Schlag den krassesten Schiss meines Lebens bekommen, weil ich zum ersten Mal bemerkt habe, an was für einem Abgrund ich da rumhampel und wie naiv ich mit diesem System umgegangen bin, das mich einfach zermalmt hätte.

Dass ich ab der Zehnten angefangen habe selber Musik zu machen, hatte also auch erstmal viel damit zu tun, dass ich weiter an der Hip-Hop-Sache teilhaben wollte, aber nachts nicht mehr raus konnte, um was weiß ich zu machen.

Gibt es Bezugspunkte zur deutschen Rap-Szene oder orientierst Du Dich ausschließlich an Künstlern aus Übersee? Wie ist dein Verhältnis zu deutschsprachigem Hip-Hop?

Was ich cool finde, finde ich cool – also ich mach keine Hierarchie auf, in der Rap aus Amerika auf jeden Fall erstmal „realer“ oder origineller als Sachen von woanders ist – deutschsprachiger Rap inklusive. Ich spiele ja viel mit deutschsprachigen Acts vor mehrheitlich deutschsprachigem Publikum, also muss ich mich auch ein bisschen darauf verlassen, dass es allen anderen auch ein bisschen egal ist, in welcher Sprache gerappt wird.

Verfolgst du den aktuellen Wahlkampf in den USA? Kannst Du uns erklären, woher die große Unterstützung für Trump kommt?

Ersteres ja, auf jeden Fall, den ganzen Tag, viel zu viel. Letzteres nein, aber ich gebe voll gerne meinen Senf dazu und der besteht zum großen Teil aus der Aussage, dass Donald Trump eine Ausgeburt des systematischen Rassismus ist, der in den USA stark verankert ist, aber in eigener Ausführung in Deutschland ja genau so grassiert. Trump ist kein Alien, das Amerika per Telepathie bezwingt, sondern einfach ein Typ der konkret ausspricht, was seine republikanischen Vorgänger über Generationen mit dem Vorschlaghammer angedeutet haben.

„Trump ist kein Alien das Amerika per Telepathie bezwingt”

Die sogenannten „moderaten“ Republikaner in den USA oder die CDU in Deutschland sagen also: „aus sicherheitspolitischen Gründen sollten Menschen aus diesen und jenen Staaten beschränkte Einreiseerlaubnisse bekommen blablabla“ und dann kommen Trump und die AfD und sagen „wir haben Angst vor Leuten mit dunklen Haaren“ und auch, wenn das Eine eleganter verpackt ist, enthält es trotzdem die gleiche beschissene Aussage.

Was vermisst du am meisten aus den USA?

Meine Leute dort.

Nun kommt nach dem Album mit Image Ctrl ein Soloausflug von Dir. Warum? Worin unterscheidet sich die Arbeit als Solokünstler?

Ich habe über die letzten Jahre neben Image Ctrl weiter an eigenen Sachen gearbeitet bzw. eigentlich bin ich über Image Ctrl ja auch erst zum Produzieren gekommen. Als Zusammenschluss aus Grafik, Production, Rap und DJ’ing haben wir die zwei Jahre nach dem „Better Living through Image Ctrl“-Album ziemlich viel freakigen Kram realisieren können und haben als Einzelne viel gelernt und rausgehauen.

Als Platform wird IC, glaub ich, auch immer bestehen bleiben, aber im letzten Jahr wurde halt klar, dass wir die sechs Leute in der Crew in nächster Zeit nicht oft genug unter einen Hut bringen können. Deswegen verlagert es sich jetzt wieder auf die Solo-Projekte. Zum Beispiel DJ-Sets von ForsterCtrl und Boogie Dan oder MisterMo’s Produktionen für das neue Kobito-Album.

Für mich bedeutet das jetzt manchmal mehr Arbeit, aber auch, dass ich musikalisch und ästhetisch machen kann, was ich will, ohne, dass irgendwo nochmal gegenzuchecken.

„Five Fingers“ sportet Boombap. „Frida Kahlo“ hingegen einen moderneren Sound. Worauf kann man sich in Zukunft bei Dir freuen? Welche Projekte stehen an?

Und beide sind von Django36! Ich hatte Bock, mal wieder komplett von den Beats wegzutreten und mich auf Fremdgrooves einzulassen. Und mit ihm hab ich auch noch weitere Sachen in der Pipeline, weil wir eh viel rumhängen.

Zusammen mit dem zweiten Mixtape „DUSK2“ [Das erste „Dusk“-Mixtape könnt ihr auf Soundcloud hören. Anmerkung des Autors] kommt aber noch anderer Kram direkt aus dem Weltall per Audiolith Records.

Ich bin ziemlich auf dem Modus gerade und freu mich des Todes, dass es Leute interessiert.

Ich bedanke mich und wünsche dir viel Erfolg für deine anstehenden Projekte!

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