Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Ich nehme gleich schon mal die Spannung vorweg: Dieser Abend war ein ganz spezieller, denn Drangsal schafften die hohen Erwartungen an das Konzert bei weitem zu übersteigen; obwohl beinahe jeder von uns die Gruppe bereits mehrere Male live gesehen hat – beispielsweise beim Reeperbahn Festival 2016 oder beim Festival Für Junge Menschen! Dazu aber später mehr, denn eins nach dem anderen.

Die Selektion: Ein bisschen wie Falco

Den Konzertauftakt macht Die Selektion. Das Trio spielt einen Mix aus elektronischen New-Wave, der durch den Trompetensound von Hannes Rief eine eigene Extranote bekommt. Sänger Luca Gillian singt zu den Beats deutsche Texte und erinnert zeitweise an Falco. Während die Stuttgarter im Ausland bereits eine größere Fangemeinde haben, sind sie im Inland weit weniger bekannt. Da kann ein Track mit Drangsal-Frontmann Max Gruber die Bekanntheit mit Sicherheit steigern, der an diesem Tag auch gemeinsam vorgetragen wurde. Musikalisch ein interessanter und passender Griff als Support von Drangsal.

Drangsal: Auch im Jahr 2017 überraschend

Dass mein zweites Konzert von Drangsal den damaligen Auftritt beim Reeperbahn Festival im Mojo so in den Schatten stellen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. So äußerte Frontmann Max Gruber während des Konzerts, dass damalige Besucher aufgrund der technischen Probleme bei diesem Gig mit Sicherheit nicht nochmal kommen würden. In dieser Beurteilung hat er sich getäuscht.

Der Start mit den typischen Songs, wie „Der Ingrimm“ oder „Will Ich Nur Dich“ sorgte bei den Zuschauern im prall gefüllten Knust bereits für gute Stimmung. Auch neue Songs gab es zu hören (etwa „Sirenen“ oder „Sie rennen“), die alle komplett auf Deutsch gesungen wurden. Dies wird vermutlich der größte Unterschied des angekündigten neuen Albums im Vergleich zum Debüt sein.

Der Abend lebte von der Interaktion zwischen Band und dem Publikum. So stellte Gruber sein neues Bandmitglied Theo Kraus vor, mit dem Seitenhieb auf dessen Herkunft aus Bayern. Während „Moritzzwinger“ reißt Gruber ein Kabel aus dem Computer, was ihm zuvor schon in Düsseldorf passiert war. Die Enttäuschung blieb aus: Mit „Der Turmbau zu Babel“ wurde ein weiterer neuer Song während der Reparatur gespielt. Jemand ruft im Anschluss, dass der neue Song nach Die Ärzte klingt, was die komplette Zustimmung von Gruber bekommt. Das zuvor unterbrochene „Moritzzwinger“ wurde dann erneut gespielt.

Diesmal spielten Drangsal im Vergleich zum Mojo-Gig „Und Du? (10.000 Volt)“ in voller Bandbesetzung, was den Song gleich deutlich besser klingen lässt. Auch der Wunsch nach einem Misfits-Cover wird von der Gruppe berücksichtigt und angespielt. Die Zugabe fängt mit einem Turbonegro Cover an, bei dem der eigentliche Bassist Sam Segarra an den Vocals das Publikum zum Durchdrehen brachte. Nach dem eigentlichen Abschluss „Allan Align“ wird überraschenderweise mit dem Metallica Song „For Whom the Bell Tolls“ die Setlist geschlossen.

Ein Abend mit neuen Songs, alten Hits, drei Covern und jeder Menge lustiger Dialoge zwischen Band und Publikum. Besser hätte der Abend nicht laufen können. Max Gruber, der sich als „noch größeres Arschloch“ bezeichnet, als die INTRO ihn betitelt, weiß, wie man das Publikum begeistern kann. Meine persönliche Neuentdeckung des Jahres 2016 kann also auch in diesem Jahr weiterhin überraschen!

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