Du_Blonde_Alice_Baxley

Foto: Alice Baxley

Der stereotypische Hipster wird Du Blonde schon nach dem ersten Blick auf das Albumcover mit der halbnackten, lediglich in ein wenig Pelz gehüllten Frau lieben. Er wird ihr Debüt „Welcome Back to Milk spontan im Laden kaufen um endlich mal wieder ein wenig Musik fernab des Mainstreams genießen zu können. Er wird es in seinem ironisch bedruckten Jutebeutel aus dem Musikladen seiner Wahl nach Hause tragen, auf den Plattenspieler, oder wahlweise in den CD-Player, legen und er wird verblüfft sein.

Verblüfft von der nicht vorhandenen Abgrenzung gegenüber des Musik-Mainstreams. Und er wird erleichtert sein, endlich ein wirklich angenehm hörbares Album für den Hipster von Welt gefunden zu haben. Und nebenbei eines der besten Rockalben des Jahres!

Hinter dieser Platte und dem irreführenden Cover versteckt sich die 25-jährige Engländerin Beth Jeans Houghton. Die, nach ihren ersten Gehversuchen im Musikbusiness und ihrem 2012 mit ihrer damaligen Band The Hooves of Destiny produziertem echten Debüt, mit neuer Musik, neuem Look und vor allem neuer Attitüde unter dem Alter Ego „Du Blonde” wiederauferstanden ist.

Attitüde ist das Schlüsselwort!

Nach der Veröffentlichung von ihrem psych-folk-poppigen Debüt „Yours Truly, Cellophane Nose mit ihrer alten Band (Spotify schlägt als „Ähnliches” Boy vor) und den Aufnahmen für das Nachfolgealbum fühlte sie sich nicht mehr wohl in der Folk-Ecke, in die sie von Presse und Hörerschaft gestellt wurde. Sie fühlte sich nicht mehr wie das süße, leicht laszive Mädchen mit der Gitarre.

Also kam der Schnitt mit der alten Beth Jeans Houghton und der ehemaligen Band. Du Blonde war geboren um alles anders zu machen – um die eigene Musik und Kunst neu zu definieren. Sie ist unangepasst, manchmal absolut unansehnlich und eventuell sogar fast nackt auf dem eigenen Plattencover.

Mit „Welcome Back to Milk” liefert Du Blonde nun zwar streng genommen schon ihr zweites Album, aber es fühlt sich an wie ein Debüt – es klingt so unverbraucht, impulsiv und unkalkuliert, wie es meistens nur die erste Platte eines Künstlers tut.

It’s the result of finally sitting down and taking a look at my life, what I was angry about, what I needed to change.“ 

Vom ersten Ton hört man den Antrieb der dieses Album entstehen lassen hat: Wut und Frustration! Der leichte Pop-Folk ist einer breit aufgestellten Rockband gewichen. Die Akustikgitarre in die Ecke verbannt. Stattdessen setzen E-Gitarre und Bass schon im Opener „Black Flag” ein klares Statement: „Welcome Back to Milk ist kein harmloses Radio-Album. Kein Album zum leise hören, oder im Hintergrund dudeln lassen.

Zerrende Sounds, tanzbare Rhythmen, wie ich sie mir auch auf der Neuen von Arctic Monkeys gewünscht hätte, und jede Menge Druck sind, neben der beeindruckend flexiblen Stimme von Du Blonde selbst, das Fundament auf dem sie ihre musikalische Reinkarnation feiert.

Souverän verarbeitet sie zusammen mit dem Produzenten Jim Sclavunos (Bad Seeds, Grinderman) und ihrer neuen Band Einflüsse aus Hardrock, Alternative, Indie und Psych-Rock, ohne dabei den Sinn für eingängige Refrains und große Gesten zu verlieren. Nach den ersten fünf sehr direkten Songs liefert sie mit „Hunter” eine klassische Rockballade, die sich vor keinem Stadion fürchten müsste. Kurz darauf fehlt die elektrische Unterstützung in „Four in the Morning” dann komplett. Fast wirkt es, als wolle Du Blonde ihrem alten Ich damit doch noch ein wenig Raum in ihrem neuerfundenen Universum einräumen, nur um sich auf den letzten Metern wieder klar abzugrenzen und die Verwandlung endgültig abzuschließen.

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