Sie sind endlich wieder da: duesenjaeger! Vier Jahre nach ihrer letzten Album-Veröffentlichung „leben lieben sterben“ bringen die deutschen Punkrock-Urgesteine am 30. Juni ihre neue „Treibsand“-LP raus. Ihr Stil war seit jeher prägend für eine ganze Reihe von (Post-)Punk-Bands; insofern darf man mehr als froh sein, dass die zwischenzeitliche Auflösung der Osnabrücker Gruppe eben nur jene zwischenzeitliche war.

duesenjaeger - Treibsand (Album-Cover)

Auf „Treibsand“ wirft die Band alles in die Schale, was ihnen einst die Szene-interne Vorreiterrolle einbrachte: Treibender Punkrock, oft einfache und gleichzeitig abstrakte Texte sowie ganz viel Energie sowie Dringlichkeit. „Woanders mit Dav“ leitet die Platte dementsprechend mit einem coolen Gitarren-Riff ein, über das sich dann die charakteristische und Punk-eske Stimme von Sänger Tobi Neumann legt und gegen die eigene Lethargie ansingt. Aufstehen, weiter gehen, kämpfen – egal, was andere darüber sagen.

Dann geh doch los
Irgendwo hin
Und geh einfach weiter
Hör auf zu beten
Und zu warten
In 20 Jahren kommt heraus
Wozu das gut war
Und vielleicht
Lachen sie Dich aus

duesenjaeger – Woanders mit Dav

Die Thematik der eigenen Lethargie ist über die gesamte Länge immer wieder die tragende Thematik. Der allgemeine Sound ist ein vertrauter, es ist der des klassischen Punkrock – jedoch regelmäßig mit feinen Details gespickt. Das Intro zu „Kehren vor den Bekehrten“ baut gehörig Spannung auf, bevor das Tempo mit einem Schlag gehörig an Fahrt aufnimmt. Die Riffs zeichnen regelmäßig ein Bild der musikalischen Dramatik und unterfüttern die Dringlichkeit der Texte dadurch hervorragend.

Wer sich an typischem Punkrock-Gesang reibt, wird mit der Band zwar sicherlich nicht warm, dafür klingen die Songs gerade dadurch umso ehrlicher und direkter. „Horde“ und „Rastlos und kalt“ sind gute Beispiele dafür. „Nicken und ja sagen / Nicken und ja sagen / Nicken und ja sagen“. Man hört Textzeilen, die tief unter der Haut zustechen – dort, wo man es eigentlich nicht haben möchte. Frei von dummen Parolen, jedoch nicht minder unbequem und treffend.

duesenjaeger werden mit „Treibsand“ niemanden bekehren, der Punkrock nichts abgewinnen kann, aber das ist weder ihre Aufgabe, noch ihr Ziel. Sie machen die Musik, auf die sie Bock haben und gerade deswegen ist diese Band mit diesem neuen Album Pflicht für jeden Punk-Liebhaber. Ungeschönt, unbequem, treibend, irgendwie vertraut und doch anders – duesenjaeger eben.