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Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Seit mittlerweile fünf Jahren ist Duncan Reid, der als Bassist der britischen Punk-Urgesteine The Boys bekannt wurde, auf Solopfaden unterwegs. Die Zeit brachte zwei Alben und ein drittes ist gerade auf dem Weg. Apropos drei: Vor einer Woche trat er mit seiner Band The Big Heads zum dritten Mal in Cuxhaven auf – genauer gesagt im Franzler, im Rahmen der „Punk & Rock“-Event-Reihe. Nachdem ich in den Wochen zuvor ausschließlich gutes über die Live-Qualitäten der Band hörte, sah ich mir das Konzert einfach mal an.

Darüber hinaus sei kurz nebenbei erwähnt, dass der Abend auch für uns vom Blog und insbesondere für Torge, der noisiv.de einst aus der Taufe hob, etwas besonderes inne hatte: 1984 eröffneten seine Eltern nämlich eben jenes Franzler, um es der gemeinsamen Zeit mit den Kindern wegen nach 17 erfolgreichen Jahren zu verkaufen. Ohne die Jahre im Franzler wäre er heute wohl bei weitem nicht so musikinteressant und letzten Endes würde es auch dieses beschauliche Blog, auf dem wir uns tagtäglich die Finger wundschreiben, gar nicht geben. Mit diesem Konzertbericht schließt sich also ein gewisser Kreis, wenn man so will – eine schöne kleine Anekdote, findet ihr nicht auch?

Tommy Lorente beginnt sympathsich

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Der Konzertabend wurde von Tommy Lorente eröffnet, der seines Zeichens auch Gitarrist bei Duncan Reid & The Big Heads ist. In einem recht kurzen Set präsentierte er kurzerhand einige seiner eigenen Songs, die allesamt in französischer Sprache gehalten und damit für mich wenig verständlich sind.

Was ich aber sah, war ein sympathisch agierender Musiker, der sich einen Scherz draus macht, wenn ihm die Gitarrensaiten mitten im Song reißen und immer für einen Witz zu haben ist. Rein musikalisch war die recht poppige und fröhlich dreinblickende Rockmusik jedoch nicht meins, muss ich sagen.

Plastic Propaganda bringen klassischen Punk

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Direkt im Anschluss kamen Plastic Propaganda aus Hamburg auf die Bühne. Ihre Musik ist genau das, wonach sie aussehen: Klassischer englischer Punk. Weitgehend frei von großen musikalischen Ansprüchen lebt diese Art der Musik vor allem auf der Bühne und nicht auf dem heimischen Plattenspieler – das gilt es immer zu bedenken.

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Es braucht die Attitüde, mit der die Band sich live gibt. Dann funktioniert das Ganze sogar wunderbar, sodass man mit der Band eine Menge Spaß haben kann. Entsprechend urteilte auch das Publikum, das sehr begeistert reagierte und mit zunehmender Dauer des Sets immer besser zur Band fand.

Das ist im Umkehrschluss aber auch recht wenig verwunderlich: Eine Band, die immer wieder den Weg in die Menge sucht und eben nicht nur stocksteif und auf die Gitarre starrend auf der Bühne rumsteht, ist prinzipiell schonmal sympathisch und darin brillieren Plastic Propaganda.

Duncan Reid & The Big Heads: Holla, die Waldfee!

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Nach den Hamburgern ist erstmal eine Verschnauf- und Bierpause drin. Dann kamen Duncan Reid und seine Big Heads (die sich für den Auftritt in Cuxhaven passend in „The Fish Heads“ umbenannten) auf die Bühne. Mit „Can’t Stop“ und „Montevideo“ vom ersten Album „Little Big Head“ wurde der Abend eröffnet und die Crowd war direkt Feuer und Flamme für das Quartett.

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Den Boys wurde ja einst nachgesagt, die Beatles des Punk zu sein und irgendwie hat es Duncan Reid geschafft, dieses Feeling auch in seinen eigenen Pop-Punk zu transportieren. Die Songs haben einen Groove, zu dem sich die Leute bewegen und vermitteln live eine ausgelassene Laune. Das hier ist nicht mit dem zu vergleichen, was sich im letzten Jahrzehnt „Pop-Punk“ nannte, sondern eine ganze Stufe besser, weil es einen erwachsenen Anspruch hat.

Das wiederum kam live perfekt rüber. Die Band hatte sichtlich Spaß dabei, wieder in Cuxhaven aufzutreten und Duncan Reid kam aus dem Witzeln nicht mehr heraus, wenn er beispielsweise über die Band-internen Rivalitäten zwischen England und Wales schwadroniert.

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Im Verlaufe des Sets verflog die gute Laune keineswegs. Songs, wie „Kelly’s Gone Insane“, „One Night in Rio“ und „I Hate My Fucking Job“ wussten durch den Abend zu tragen. Nach mehreren Zugaben, während der spontan auch Plastic Propaganda die Bühne stürmten und mitsangen, ging ein toller Konzertabend zu Ende, von dem man dachte, dass er nie enden würde. Die Band jedenfalls hatte einen Heidenspaß, die Crowd war total dabei und es hat war schlichtweg eine tolle Gaudi – anders kann und darf man es gar nicht ausdrücken!

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