Hanne Hukkelberg

Foto: Mike R / Cruz Angeles

Hanne Hukkelberg spinnt gern Fäden zwischen dem, was auf den ersten Blick so gar nicht zusammenzupassen scheint. Schon in der Vergangenheit hat die Sängerin, Komponistin und Produzentin Art-Pop, Folktronica und Jazz miteinander verflochten. Und in diese Mischung häufig Field Recordings und überraschende Samples einfließen lassen. 

Auch auf ihrem sechsten Album „Birthmark“, das am 16. August auf ihrem Label Hukkelberg Music erscheinen wird, bleibt die Norwegerin ihrer Experimentierfreude treu. Soul, R&B und Drum‘n‘Bass treffen hier auf minimalistische Klavierkompositionen. Alltagsgeräusche bilden den verzauberten Rhythmusteppich, dem eine kristallklare Stimme als Fixstern die Richtung weist. 

Birthmark“ schlägt eine Brücke zwischen ihrem jugendlichen und erwachsenen Selbst. Einerseits hat die Musikerin hier ihre Liebe zu Soul und R&B zu neuem Leben erweckt. Genres, zu denen sie sich als Teenagerin hingezogen fühlte. Was jedoch ebenso im Zentrum steht, ist die innige Beziehung zu ihrer verstorbenen Großmutter. Diese spielt auf dem Album buchstäblich eine tragende Rolle. Basieren doch die dort versammelten Songs allesamt auf Improvisationen am Klavier. Und zwar nicht an irgendeinem, sondern an dem, das sie von jener geerbt hat.

So tänzelt das Album zwischen zwei Welten. Einmal ist es die einer weisen Frau, die um die Unergründlichkeit des menschlichen Daseins weiß. Dann die einer neugierigen und waghalsigen Jugendlichen. Beides schließt sich nicht aus, denn: „the age of a body is not the age of a soul” („The young and bold I“).

„Alltagsgeräusche bilden den verzauberten Rhythmusteppich, dem eine kristallklare Stimme als Fixstern die Richtung weist”

Vom R&B und Soul angetrieben, stellt ihr jugendlich-furchtloses Selbst die großen Fragen des Lebens. Wie zum Beispiel in „Faith“: „Tell me, mother / how can you believe / in something you know / is not real / now, have you ever / witnessed God / will you ever testify / aren’t we all lost / in a vacuum space”. Indem Hukkelberg derartige Bekundungen tiefer Lebensweisheit in ein leichtfüßig-verspieltes Klanggewebe einbettet, nimmt sie ihnen ihre Schwere. Einsichten wie „our body and soul are not in sync / and you too will for sure get old” in „The Young And Bold I“ werden von einem Drum’n‘Bass-Beat getragen. Dazu fügen sich Samples von ihrem Sohn, der Schlagzeug spielt, sowie Balalaika-Aufnahmen. Und in „Crazy”, einer Lektion über Liebeskummer, schmiegt sich eine gesampelte Mikrowellentür an ein flatteriges Art-Pop-Gewand. Das nimmt Sätzen wie „my heart can’t love anymore“ nicht ihre Ernsthaftigkeit, sondern lässt sie vielmehr klarer in den Vordergrund rücken. Bis schließlich ihr Inneres nach außen dringt: „my inside is on the outside now”. Wirklich greifbar ist Hukkelberg trotzdem nicht. Sie entwischt uns vielmehr immer wieder. Und auch sich selbst: „with or against me / I never know / I’m just trying to catch my breath”, singt sie in „Catch me if you can”.

Wer trotzdem versuchen will, ihr näher zu kommen, dem sei das wunderbar verzauberte Pop-Kunststück „Birthmark“ von Hanne Hukkelberg ans Herz gelegt.

Wenn Kristin nicht bei ByteFM am Bildschirm klebt, macht sie selbst
Musik (z.B. als Me And My Two Horses), tüftelt an ihrer Sinnpraxis,
unterrichtet Philosophie oder schreibt Texte für ihren eigenen
Musik-Blog.