Guckt euch dieses Cover an! Der Protagonist sitzt dem Betrachter abgewandt auf einer Parkbank und guckt runter auf die nächtliche Stadt. Es steigt grüner Rauch auf und ganz da hinten stehen ein paar lächerlich große Hochhäuser. Am Himmel steht die Erde und ein paar leuchtende Flecken sind dort zu erkennen, wo sich heute Indien und Saudi-Arabien befinden. Dystopisch und bedrückend wirkt das Cover zum ersten DiscoCtrl Album „Midnight“.

Das, was die Hülle verspricht, wird auch auf musikalischer Ebene wiedergegeben. Das Album wirkt verdammt dicht und atmosphärisch, ist technoid und synthlastig produziert und DiscoCtrl scheint in manchen Songs kurz vor der Selbstaufgabe zu sein. Los geht’s mit der Single „Sticky“, die wir euch ja bereits vorgestellt haben. Richtig düster wird es dann auf „Line“ mit Onry Ozzborn, auf der DiscoCtrl mit falschen Schlangen abrechnet und diese für alte Zeiten zahlen lässt.

Die folgenden Songs folgen alle einem ähnlichen Prinzip: dumpfe Drums, zurückhaltende Synthelemente und ein tiefer Subbass werden zusammengehalten von der durchdringender Stimme von DiscoCtrl. Zu überzeugen weiß der Rapper aber nicht bloß durch seine Reibeisenstimme , sondern auch mit den auffallend starken Hooks. Und Langeweile kommt kaum auf: Eher sorgen die Instrumentals für ein stimmiges Gesamtbild. Das meiste wurde übrigens vom Rapper selbst produziert!

Inhaltlich lässt DiscoCtrl sich einfach gehen. So gibt es sowohl Bezüge zu Frauen und Freunden, aber auch gesellschaftliche Debatten fließen in die Texte ein – zumindest kann man dies so verstehen. Deutlicher wird das auf „They Know“; häufig wird dem Hörer aber auch Spielraum gelassen, was die Deutungsmöglichkeiten angeht.

Wie gesagt: „Midnight“ ist musikalisch ein verdammt rundes Debütalbum. Aber auch inhaltlich hält sich das Teil nicht mit irgendwelchen Representern auf, sondern zeichnet ein zwar nicht vollständiges, aber dennoch in sich geschlossenes Bild vom Protagonisten. Mit Blick auf die erste DiscoCtrl-Single „Frida Kahlo“, war ich etwas vor den Kopf gestoßen von den ersten Auskopplungen. Es lohnt sich aber die erste Skepsis zu überwinden. Belohnt wird man mit einem Trip in dystopische Parallelwelten. Oder Elon Musks feuchte Träume. Who knows?