Elliot

Foto: Nicolina Knapp

Ellioth Axelsson aka. Elliot hat sich dem Lo-Fi-Pop verschrieben. Der Sound könnte aus den 60ern stammen, Gamer fühlen sich an Hotline Miami erinnert. Experimentell, ein bisschen Avantgard, irgendwo zwischen Ariel Pink, John Maus und SoKo. Hypnotisierend und psychedelisch ist die Musik des 22-jährigen Schweden, der in Berlin wohnt.

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Am vergangenen Freitag hat er seine Debüt-EP „Jazz For Your Dad“ veröffentlicht. Diese umfasst vier Stücke, die eine hohe Bandbreite innerhalb dieses losen Soundspektrums umfasst. Es ist Musik, die sicher nicht für jeden ist; sicher nicht für jeden Tag und für jede Stimmung. Aber wenn sie passt, dann so richtig!

Der Sound: Lo-Fi – aber so richtig! Moderne, ausgefeilte Produktion und Präsentation? Sucht man vergebens! Zwischendurch knistert es gerne. Die vier Songs haben einen gewissen Demo-Charakter, weil sie so roh und unausgefeilt daherkommen. Genau das ist aber auch das, was diese EP und Elliot als Musiker im Generellen so interessant macht. Die Tonqualität schreckt nicht ab, sie zieht eher an, weil man heraushört, dass sie integraler Teil dessen ist, wie sich Elliots Musik eben anhören soll.

Während der Opener „Technicolor Yawn“ mit interessanten Percussions daherkommt, sich recht verhalten aufbaut und eine gewisse, ansehnliche Monotonie verbreitet, ist es beim darauffolgenden „35th Middle East Art Space in Humble Bragswick“ schon wieder ganz anders. Das kann im verrauchten Indie-Club laufen! Das kann der Soundtrack eines coolen 60er-Films sein! Vor allem aber kommt hier Elliots einnehmende Stimme voll zur Geltung, mit der er wunderbar zu jonglieren weiß.

“The title suggests the song is about next level middle class edge lord kids locusting poor urban neighborhoods, and you could derive that from the lyrics. It’s also about the art of Argentinian barbeque and two actors who resemble each other. It is coherently incoherent. I was spaced out.”

Elliot über „35th Middle East Art Space in Humble Bragswick“

„Dirk Diggler Boggie“ und „Make Love To Me“ folgen in ihren Grundsätzen wiederum eher dem Opener. Songs, die sich langsam entfalten, eine stete Monotonie vor sich hertragen und gerade deshalb auch so gut zur nächtlichen Heimfahrt im Zug passen, in der um einen herum rein gar nichts passiert, sodass nur diese EP da ist.

Elliots Auffassung von Lo-Fi-Pop ist eine frisst sich in den Kopf hinein und lässt einen nach einigen Durchgängen nicht mehr los. Es ist nicht die Sorte Pop, die sofort anschlägt. Sie braucht Zeit, sie muss sich entfalten können. Gerade das ist auch etwas, das man an „Jazz For Your Dad“ zu schätzen lernt. Musik, die sich in keinster Weise nach dem richtet, was gerade in diesen und jenen Breitengraden funktioniert.


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