10978527_1008468149254302_8320548569409851711_nWas für eine Woche in Hamburg! Zwar legten sich am Dienstag Abend erneut kühle sechs Grad über die Großstadt im Norden, der angebrochenen Festivalstimmung tat dies jedoch keinen Abbruch: nach The Subways, Slipknot und Tenacious D beehrt nun auch Newcomerin Elliphant die Hansestadt innerhalb weniger Tage. Verwöhnt von epischen Gigs dessen Acts bereits eine umfassende Diskografie vorweisen können, ging es also pünktlich zur Primetime in Richtung des Uebel & Gefährlich, wo Elliphant alias Ellinor Olavsdotter sich bereits das zweite Mal dem Hamburger Publikum präsentierte.

Ihre selbstbetitelte Debüt EP erschien im Frühjahr 2013, nachdem die junge Schwedin mit Tekkno Scene sogar auf dem offiziellen Soundtrack zu FIFA 13 vertreten war. Kein Wunder also, dass ihr Pfad sie im vergangenen Jahr schon nach Hamburg in die Prinzenbar führte. Mit der aktuellen One More EP und dem gleichnamigen Hit im Gepäck legte die Sängerin erneut einen Boxenstopp auf dem Hamburger Kiez hin, dieses Mal sollte es sogar für den Club im legendären Freiluftbunker auf St. Pauli reichen.

Der Gig war nicht ausverkauft, der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch. Die Garderobe im Nu abgelegt ging es erstmal auf die gemütlichen Sofas zu. Wie kaum ein anderer Club in Hamburg bietet das Ue&G mit seiner angenehm-authentischen Lounge-Atmosphäre Platz und Raum für das erste Bier vor dem ersten Beat. Früh auftauchen lohnt sich also, und sei es nur um die letzten Zigaretten vom viel zu kurzen Wochenende in der Tasche neuzuentdecken. Oder Vorbands. Womit wir schon beim ersten Problem des Abends wären.

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Als kräftiger Support für Elliphant waren die Pop-Punks von Purple eingeplant. Das hatte das Publikum nicht kommen sehen. Das Trio aus Texas hatte wenige Tage zuvor noch als Vorband von The Subways für gute Stimmung und feuchte Shirts gesorgt, musste jedoch schnell erkennen, dass wilder Pop-Punk sich mit dem Publikum eines Electronic/Hip-Hop Acts nicht ganz so gut verträgt. Und trotzdem: Purple hauten in die Tasten! Als Drummerin und Frontfrau in Personalunion schlug Hanna Brewer nur so auf ihr Drumset, bis auch der letzte im Gebäude mitbekam das auch bei Purple eine Frau den Ton angibt. Vollkommen zurecht – die männlichen Bandkollegen Taylor Busby (Gitarre/Vocals) und Joe „Prankster“ Cannariato (Bass) blieben verhältnismäßig blass.

IMG_9042Schöne Idee: der Einsatz von Leuchtelementen auf den Basssaiten, der Mütze des Gitarristen und dem Top der Frontfrau. So sehr sich Brewer auch anstrengt, im vorderen Teil der Bühne kommt der Spirit leider nicht zu tragen. Die US-Amerikaner werden an ihren Showqualitäten noch arbeiten müssen. Schon jetzt weiß ich aber, dass ich Purple nicht das letzte Mal gesehen haben werde (besser mal die Tourdaten im Auge behalten), obgleichauch die Mehrheit der Zuschauer an dem Abend das sicher anders sehen wird. Bassist Cannariato sprang noch einmal in die geordnete Menge, ehe der überraschender Lead-In nach zehn Tracks und dem Bombast DMT sein Ende fand.

Nach kurzer Pause — immerhin nährten wir uns 22 Uhr — sprang ein Feuerwerk an psychedlischen Mustern und Farben auf die vielen Leinwände des Saals. Elliphant war im AIMG_9044nmarsch, allen vorran ihr DJ, Pelle. Als nach wenigen Sekunden auch die Bühne im strahlenden Lila aufblühte und die Regler der Nebelmaschine betätigt wurden, war sehr schnell klar, dass Purple Light — die zweite Single der aktuellen EP — den Startschuss für das heutige Set gibt. Das Stück, dass in weiten Teilen sehr an M.I.A. erinnert, weckte erstmals die Beine der Mehrzahl der Fans und auch die Arme blieben beim Chorus nicht unbewegt. Dieses Muster sollte sich noch häufiger wiederholen, denn: diese Frau kann verdammt gute Pop-Hymnen schreiben.

Elliphant ließ nichts anbrennen. Keine Pause, keine Zeit zum Durchatmen. Zwischen mehreren Flaschen Astra und dem gelegentlichen Zug vom Publikums Spliff (die Erbauer und Spender dieser Wohltat sollten später noch von Elli persönlich auf die Bühne geholt werden), hangelte sich die junge Musikerin von eiIMG_9045nem Dancehall-Beat zum nächsten. So richtig reibungslos sollte aber auch das nicht ablaufen, gab es doch mehrere Zurufe von Seiten des Publikums am Volumenregler zu drehen. Gesagt, getan: Elli nahm sich eine Minute und stoppte den Gig vorrübergehend, um auf die Klagen der Fans einzugehen. Nach einem eindeutigen „Turn the fucking volume up!“ in richtung Soundtechnik, war das Publikum der Newcomerin endgültig verfallen.

Schön: sämtliche Tracks aus der One More EP fanden ihren Weg in die Setlist, vom nachdenklichen „Never Been In Love“ bis zum Hip-Hop-Pop-Elekto-Experiment „You’re Gone“ wurden sämtliche Hirn- und Muskelreize stimuliert. „Look Like You Love It“ aus der gleichnamigen 2014er EP knurrte zur Freude sämtlicher Dancehall-Fans ebenso stark aus den Boxen des Saals wie die hörbaren Dubstep Anleihen in „Revolusion“. In all der Zeit ließ sich die 29-jährige kein einziges Mal aus der Ruhe bringen, Vergleiche mit Lorde und Fever Ray wurden vom Energiebündel auf eine neue Probe gestellt. Highlight des Abends: „One More“. Dieser eine Track der noch einmal sämtliche Verbundenheit zwischen Publikum und Künsterlin zu Tage fördert, wird die Sängerin noch eine Weile begleiten. Und das ist gut so.

Es ist viel zu erwarten von dieser starken Frau, die weitaus länger als nur die berühmten ersten 15 „Pressefotominuten“ 110% für sich und das Publikum gibt. Während Purple den Fans zum Ausgang des Saals noch Sticker die den Bandnamen zierten hinterließen, genügen bei Ellinor Olavsdotter aus Stockholm die bleibenden Bilder im Kopf, die erahnen lassen, dass hier jemand wahrscheinlich eine große Zukunft vor sich hat. Als wir um 23 Uhr mit dem Fahrstuhl die 4. Etage des Bunkers verließen, war bereits klar: Elliphants Fahrt wird mit aller Sicherheit in die andere Richtung gehen. Wir sind gespannt.

Und sonst?
Am Set von Purple Light: Noisey war hinter den Kulissen vom Videodreh dabei!
Live Til‘ I Die: Im Interview mit dem Totally Stockholm spricht Elli offen über Cannabis, ihren Schulabgang und ihrer Lebensphilosophie.
Die offizielle Website: Hier gehts lang!
Elliphant auf Facebook! Was sich wohl hinter diesem Link verbirgt?
Die eisernen Drums: 5 Fragen an Hanna Brewer von Purple.
Purple, so richtig offiziell: der offizielle Webauftritt der Drei aus Beaumont, Texas.

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