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„Ich nenn‘ mich Erfolg. Dann hab‘ ich immer Erfolg in meinem Leben.“ So lauteten die ersten Zeilen des ersten Songs auf dem letztjährigen Staatsakt/Euphorie-Sampler „Keine Bewegung“. Titel: Erfolg. Interpret: Erfolg. Prädikat: Besonders wertvoll, weil ungewöhnlich und verzückend zugleich. Wie so mancher andere vertretene Künstler – Der Bürgermeister der Nacht und ganz besonders Schnipo Schranke, die mit „Pisse“ den Hit des Jahres lieferten, seien hier genannt – konnte Erfolg durch diesen Samplerbeitrag erste Aufmerksamkeit in der Szene und, nun ja, Erfolg einfahren. Und jetzt erschien also am 27. März 2015 die erste LP des Projekts. Titel: Erfolg. Interpret: Erfolg. Track Nummer Eins: Erfolg.

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Gestartet wird also mit dem Song, dessen leicht kassettenhaft leierndes Gitarrenspiel wir bereits von „Keine Bewegung“ kennen, wo uns auch bereits der „beste Damenchor aller Zeiten“, wie er auf dem Cover von „Erfolg“ angepriesen wird, verzückte:

„Bitte, gib nicht auf! Glaub‘ an Erfolg, glaub‘ an Erfolg! Wirf dich bitte nicht von der Klippe! Glaub‘ an Erfolg, glaub‘ an Erfolg!“

Wie der zweite Song wohl beginnen mag? Korrekt – „Ich hab‘ Erfolg, ich hab‘ Erfolg, ich hab‘ Erfolg“. Die Konzeptlastigkeit der Band zeichnet sich also ganz offensichtlich auch auf Albumlänge ab. Die Reduziertheit des selbstbetitelten Stücks weicht jedoch nun einem treibenderen Beat, knarzigen Bässen mit Krautrock-Anmutung und repetitiven Orgeltönen. À propos Repetition: Nachdem nun in zwei Stücken bereits beinahe absurd oft der Name der Berliner Gruppe gefallen ist, führt sich die Tracklist wie folgt fort: Klaviermann, Guter Mann, Mausmann, Brillenmann, Fachmann. Konzeptkunst, ick hör dir trapsen.

„Klaviermann“ ist eine freie Adaption von Billy Joels Klassiker „Pianoman“, aus „You got us feeling alright“ wird „Du hast, dass wir uns okay fühlen gemacht“. In „Mausmann“ hingegen gibt es eine waschechte Kurzgeschichte zu hören. Spoken Word auf experimentellem Elektro-Grund. Immer wieder werden Songtitel bis zur Ekstase durch den Damenchor wiederholt, der dann bei „Fachmann“ auch seinen kurzen, aber fulminanten Alleinauftritt hat:

„Mach mich nicht an, Fachmann! Du bist vom Fach, mach… mich nicht an, Mann! Mach mich nicht an, Fachmann!“

Grund genug, dem „Damenchor“ nach so vielen Männern einen eigenen Song zu widmen. Denn sie sind, so heißt es eben auch im Text, der Erfolgsmotor, der das Werk zu einem unglaublich spannenden Trip durch verschiedene Genres und wirre Gedankengänge macht.

Einen gebrochenen Pophit hat Erfolg dann auch noch in Petto: „Dieser James“. Man muss es erst hören, anschließend lieben. Wahnsinn. Ähnliche Gefühle dann beim großen Finale: „Negativität“ ist eine Hymne auf den Ausbruch aus dem Alltag. Der Damenchor gibt kund:

„Das positive Sektchen-Trinken, ich halt‘ es nicht mehr aus!“

„Erfolg“ ist ein mehr als spannendes Stück Musik, das trotz seiner Kunst- und Konzeptbesessenheit pop-driven daherkommt und dadurch einen Heidenspaß bereitet, es durchzuhören und dies – ganz im Sinne der hier dargebotenen Textgerüste – zu wiederholen, und zu wiederholen, und zu wiederholen, und zu wiederholen.

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