Im Januar kam die neue Platte „Lebenswerk X“ der jungen Herren auf den Markt. Kurz darauf ging es auch schon auf Tour. Ein Zwischenstopp wurde auch in der Astra Stube in Hamburg eingelegt. Dort habe ich mir Chris, Valle und Jonas von Schafe & Wölfe gekrallt und mit ihnen über GZSZ und andere Schweinereien geplaudert.

Der Sound von Schafe & Wölfe bewegt sich zwischen Punk, Pop, Rap, Elektro und Indie. Es lässt sich dementsprechend schwierig einordnen. Aber Genre-übergreifende Musik hat natürlich auch seine Vorteile! Jetzt aber erst mal zu den wichtigen Sachen:

Fotos: Jasmin Reckers

Eure Tour ist in vollem Gange, schmeckt euch das Bier noch?

Jonas: Joa, ab und an schmeckt es noch ein bisschen. Also morgens zum Aufstehen meistens nicht.
Valle: Aber perlen tut das!
Chris: Wir waren ja total low unterwegs, weil wir total krank in die Tour gestartet sind.

Ihr wurdet vom Kleinen Donner in die Astra Stube verlegt, seid ihr sehr traurig?

Chris: Nein überhaupt nicht! Wir wissen ja auch, dass wir jetzt nicht die größtbekannteste Band sind, noch nicht (lacht). Deswegen ist es ja auch in unserem Interesse, wenn es ein muckeliges Konzert wird und eng und schwitzig. Man muss damit arbeiten, hier passen ja auch einige Leute rein. Wenn jetzt im Kleinen Donner 80 Leute sind, ist es halt halb leer und hier ist das mega geil! Vielleicht dann beim nächsten Mal im Kleinen Donner.

Eure Platte ist jetzt seit dem 20.01. draußen, wie waren so die Reaktionen, auch von euren Freunden?

Jonas: Gar nicht mal so übel (lacht)! In meinem Freundeskreis haben wir so ein bisschen Pre-Listening gemacht und einmal bei Chris als die Platte gerade fertig war, haben wir auch ein paar Leute eingeladen, und alle waren echt durch die Bank weg begeistert, was wir jetzt für einen Sprung gemacht haben. Vom Songwriting her, sind wir schon ein bisschen massenkompatibler geworden als damals.
Chris: Wir haben schon sehr daran gearbeitet mehr Zugänge zu bieten. Wir sind noch mal so ein bisschen in die Songwriting-Schule gegangen. Also noch mal von Grund auf überdacht was man davor gemacht hat und wie man es jetzt machen sollte. Die Resonanzen waren sehr nett, auch von den Freunden.

„Ich finde man hat so ein gewisses Level an Ernsthaftigkeit dazu gewonnen, auch im Freundeskreis oder in der Familie.”

Jonas: Der Vater meiner Freundin hat gestern noch gesagt, „Ich freu mich für den Jonas, dass er jetzt nach ganz oben gekommen ist!“ (lacht).
Er hat halt bei Eventim Tickets für unsere Show gesehen und dachte, „Eventim macht ja nur so die großen Bands ne?“.

Du hast gerade gesagt, dass ihr noch einmal in die Songwriting-Schule gegangen seid. Aber auf der Platte sind auch Songs, die ihr schon einmal auf EP veröffentlicht habt.

Jonas: Teilweise wurden die aber komplett umgeworfen. Ich will jetzt nicht sagen von den Skillz, eher von der Herangehensweise wie wir die anderen Songs geschrieben haben, haben wir die noch einmal umgeworfen, auch vom Aufbau. 1:1 die gleichen Songs sind es jedenfalls nicht.
Chris: „Im Garten meiner Eltern“ ist schon relativ ähnlich, auf jeden Fall ein bisschen besser arrangiert und schöner produziert und besser aufgenommen. „Das höchste Haus der Stadt“: Da haben wir wirklich am Song einfach weiter geschrieben. Wir haben den damals als B-Seite auf die Single gepackt.

„Damals war das im Rahmen unserer Möglichkeiten.”

Jetzt hatten wir die Möglichkeit das einfach noch mal besser und weiter zu machen und darum haben wir das einfach gemacht. Diese zwei Songs wollten wir einfach nicht loslassen, weil das welche unserer absoluten Lieblinge sind.

Das Video zu A.C.A.B. war nicht eure Idee, richtig?

Chris: Das war eine Idee von unserem Video-Regisseur Domi, der auch zeitweise in der Band war und auch ein Album mitgeschrieben hat. Also jemand, der dieser Band sehr nahe steht und das Gesamtkonzept von Schafe & Wölfe stark mitgeprägt hat. Der kam auf diese Idee in Verbindung mit dem Schauspieler der den Polizisten gespielt hat. Tilman Rademacher ist ein großartiger Komiker aus Münster, super Typ! Der hatte schon ein paar Sachen als Polizist gemacht. Als wir ihn gesehen haben, war klar, dass wir irgendwas mit Kaputthauen machen müssen.

Das Auto habt ihr euch dafür wahrscheinlich vom Schrottplatz geholt?

Chris: Genau, recht spontan vom Schrottplatz geholt. Wir wussten gar nicht wo das Video hinführt. Wir haben uns dann mit Tilman, Domi und ein paar Helfern, einer guten Kamera, ein paar dumpfen Gegenständen und dem Auto getroffen und dann haben wir einfach geguckt was passiert. Es war weder geplant wie es anfängt, noch wie es aufhört.

Das Salto vom Auto hat der Schauspieler aber wahrscheinlich nicht selber gemacht oder, war das einer von euch?

Chris: Stuntdouble Valle!
Jonas: Er hatte einfach Langeweile.
Chris: Das kam so mit der Improvisation. Valle hat einfach aus Spaß ein Rückwärtssalto vom Auto gemacht und dann haben wir gesagt „Boah! Zieh die Uniform an!“
[Ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht, ob ich das glauben kann…]

Ihr seid schon mal bei GZSZ aufgetreten. Ist das noch Punk?

Jonas: Das ist schon Punk, wenn man als Punk-Band hingeht.
Valle: Mittlerweile ist das ziemlich Punk oder?
Jonas: Ich weiß nicht…
Valle: Es ist trash!
Chris: Ist ja auch ein bisschen witzig! Wenn du als Außenseiter-Band, die überhaupt nicht die Musik macht, die damals in der Form kommerziell verwertbar war, was überhaupt nicht in so ein Format gepasst hat, dann da rein zu kommen, finde ich ist schon ein bisschen Punk. Prinzipiell ist ja alles irgendwie wichtig, wo du ein paar Leute erreichen kannst. Es ist ja jetzt auch kein menschenverachtendes Format. Wir haben ein bisschen Sekt gekippt und dann war das auch ein lustiger Drehtag.

Was sind eure Ziele, wo wollt ihr noch hin?

Jonas: Ich hab ja einen Traum, der gar nicht mal so super hochgestochen ist. Ich wollte schon immer mal auf dem Open Flair Festival spielen. Das ist bei mir in der Heimat, irgendwie 25.000 Leute oder so, gar nicht mal so groß. Da gehe ich seit über 10 Jahren hin und ich denke mir immer „Kann ich da nicht mal spielen, kann das nicht endlich mal was werden?“ Aber wann ich das erreicht habe, weiß ich noch nicht.
Chris: Recht bodenständig, wir müssen nicht mit einem Zirkus-Zelt touren.
Valle: Das man einfach okay davon leben kann, dass man Urlaub machen kann. Bisschen Geld muss halt sein, wenn man etwas so intensiv macht. Sonst hat man halt irgendwann nicht genug Zeit, um noch mehr Energie da rein zu stecken, weil man immer irgendwo Geld herbekommen muss.
Chris: Man muss auch die Relationen dazu sehen. Es geht gar nicht darum ´n geilen Lifestyle zu haben, sondern darum, dass die Inkasso-Briefe irgendwann mal aufhören.

Wollt ihr noch etwas loswerden?

Jonas: Fuck AFD!

Ich danke euch für das nette Interview, das tolle Konzert und einen zauberhaften Abend! Ich hoffe ihr könnt bald auf dem Open Flair spielen, vielleicht ist es mit den Inkasso-Briefen auch bald vorbei!

Schafe & Wölfe live in der Astra Stube!

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