„Ich wollte einen Neustart machen“

Fotos: Marcel Sigmann, noisiv.de

Es ist schwierig Worte für die Kunst von Farhot zu finden. Der Hamburger, dessen Eltern einst aus Afghanistan kamen, ist wohl einer der etabliertesten Produzenten Deuschlands. Die Fantastischen Vier, Selah Sue, Talib Kweli: Sie alle vertrauen auf seine Instrumentale.

Meilensteine gibt es einige, doch zu nennen sind definitiv Nnekas „Heartbeat“ und Haftbefehls „Chabos wissen wer der Babo ist“. Ein weiterer könnte gerade dazugekommen sein: Der Mysteriöse Fuchy hat soeben seine erste EP „420“ veröffentlicht.

Erschienen ist diese auf Farhots Label Kabul Fire. Ganz findige Füchse haben natürlich längst herausgefunden, dass sich unter der Riesenmütze des Gnoms – natürlich – Farhot höchstpersönlich versteckt. Zeit, um zu reden: Über Fuchy, sein Label Kabul Fire und seine aktuelle Lieblingskünstlerin.

Warum ist Fuchy eigentlich ein Afghane und ein kleiner, fieser Zwerg? Woher kam die Idee dazu?

„Fuchy ist nicht nur fies. Er ist vor allem ein Genie. ”

Die Musik hat es als Erstes gegeben und dann hab ich mir mit einem befreundeten Regisseur, Jarek Duda, Gedanken gemacht und wir haben uns Ideen zugespielt. Da war uns überhaupt noch nicht klar, dass es eine Art Mensch oder so etwas ähnliches sein soll. Zuerst hat man ganz grob nur an Grafiken gedacht und dann hat sich das einfach ergeben, durch ähnlichen Humor, den man hat. Es war ein längerer Prozess tatsächlich. Der ging bestimmt über anderthalb Jahre und dann hat die ganze Produktion der Videos sehr lange gebraucht, weil das sehr aufwändig ist.

Der mysteriöse Fuchy bringt uns die sensationelle „420“ EP!

„Ich wollte einen Neustart machen“ Wer ist bloß dieser Fuchy, dieser afghanische, kiffende Gnom, der seit einiger Zeit sein Unwesen treibt? Gerade ist jedenfalls seine erste EP „420“... Weiterlesen →

Und Fuchy ist vieles. Der ist nicht nur fies, wie du gerade sagtest. Er ist vor allem ein Genie. Er ist so ein hässlicher Gremlin, aber hat halt Skill. Das ist die Musik, das ist die Story zu dem Typen. Er sehnt sich eigentlich nach Liebe und macht das auf seine komische Art.

Es sind drei Videos zu drei Episoden aus Fuchy seinem Leben. Bei dem dritten Video ist das der Anfang der Geschichte; der Anfang seiner Reise. Fuchy ist das Ergebnis, wenn sich ein paar Kreative abstrakte Gedanken machen. So ist Fuchy entstanden. Das ist meine Action-Figur. Inspiriert aus vielem: Bart Simpson, Mr. Oizo, Lil Wayne und Eric Cartman.

Ist es denn tatsächlich Zufall, dass Fuchy ausgerechnet eine afghanische Herkunft hat bei Dir?

Ja! War gar nicht so geplant, ich wollte das erst etwas gröber halten. Jemand aus dem Orient sollte es schon sein, aber dann hatten wir uns diese Mütze dazu überlegt. Und ich wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass es eine afghanisch-spezifische Geschichte war, diese Mütze. Ich hab das so grob Indien, Pakistan, Afghanistan zugeordnet, aber ich wusste nicht, dass das Ding nur in Afghanistan gerockt wird. Pakool heißt die.

Anfangs hab ich mich ein wenig dagegen gewehrt, als wir die Geschichten entwickelt haben, dass das in Afghanistan spielen soll. Aber der Jarek hatte da voll Bock drauf und die anderen Jungs, die das animiert haben auch. Und irgendwann hab ich mich einfach ergeben: „Ja cool, wieso nicht?“. Hat ja auch viel mit mir zu tun und macht das Ganze ein bisschen glaubhafter wahrscheinlich.

Bisher war es ja nicht so, dass etwas Persönliches von Dir nach außen getragen wird.

Aber in übertriebener Form! Das ist ja nicht meine Geschichte.

Trotzdem musst Du Dich jetzt wahrscheinlich häufiger mit Fragen, wie dieser konfrontiert sehen. Ist das für Dich cool, wenn Du selbst  etwas mehr in Fokus rückst? Wenn auch in einer etwas abstrakten Form?

„Das ist einfach ein Flash gewesen”

Ich finde da ist nichts verkehrt dran, wenn solche Geschichten erzählt werden. Wenn sie mit mir zu tun haben ist das auch kein Fehler – ist schließlich meine Musik. Ich mach mir da nicht zu viele Gedanken. Das ist einfach ein Flash gewesen und dann ist das entstanden. Ist völlig in Ordnung.

Gab es denn auch mal die Idee Dich komplett von der Figur zu lösen und gar nicht zu kommunizieren, wer dahinter stecken könnte?

Ja, wollte ich ja nie. Ich wollte ja so einen Neustart machen. Es gibt nichts, was musikalisch so nah an mir dran ist, wie Fuchy. Aber ich wollte nicht, dass das Projekt irgendwie vorbelastet ist durch irgendein Wissen von Zusammenarbeiten mit dem und dem. Das sollte einfach eine freie Geschichte sein.

Ich hab ja auch anfangs die Musik gemacht ohne irgendwem davon zu erzählen, weil ich einfach unbeeinflusste Musik machen wollte, die aus mir herauskommt. Das war dann schlichtweg eine natürliche Entwicklung, dass es einen Projektnamen bekam.

Was ist der Unterschied zu der Musik, die Du davor gemacht hast? Ist das ein Bruch in Deiner gesamten musikalischen Schaffensphase?

„Dieses Projekt ist 100% ich.”

Nee, das ist eher eine Zusammenfassung aus allem, was ich gut finde – minus Kompromisse. Die EP ist locker zwei Jahre alt. Das ist auf jeden Fall Musik, die ich zu dem Zeitpunkt gefühlt hatte. Ohne, dass irgendwer irgendwas sagt. Ich hab das ja komplett alleine gemacht. Ist ja etwas anderes, ob du mit einem Künstler arbeitest, der dann bestimmte Ideen auf textlicher, aber auch auf musikalischer Ebene hat. Das ist dann Musik von beiden. Und dieses Projekt ist 100% ich.