Dr. Dog - Be The Void

Dr. Dog - Be The Void

Am siebten Februar hat die US-amerikanische Band Dr. Dog aus West Grove, Pennsylvania ihre langerwartete sechste LP veröffentlicht. Die hört auf den Namen Be The Void und führt einige neue Dinge im Sound der Doktoren ein – z.B. mit Dimitri Manos ein neues, sechstes Bandmitglied, der sich gleichzeitig um Percussions, Gitarre und anderes elektronisches kümmert. Das merkt man dem eben angesprochenen Sound der Band auch an. Straffer zusammengezurrt, experimenteller ist das neue Werk. Einige mögen auch glattgebügelt schimpfen. Ich persönlich bevorzuge hierfür eher Variante Eins. Trotzdem bleibt ein etwas leerer Beigeschmack, der nicht zu 100% füllen will, da er eben irgendwie leer ist.

Dabei fängt das Album direkt stark an. Lonesome stellt die Frage, was nötig sei, um einsam zu sein. Die Antwort darauf? Rein gar nichts. Mit ganz viel Folk und dazu passendem Blues penetriert Sänger Scott McMicken den Hörer mit diesem Frage/Antwort Spiel und man kann sich nicht gegen das Mitsingen erwehren. Irgendwann fängt man dann wirklich an über diese Frage nachzudenken und erkennt einen tieferen Sinn in dieser Penetranz. Nachdenken spielt generell eine nicht kleine Rolle bei Be The Void und das, obwohl es lyrische Unausgegorenheiten gibt – aber dazu später mehr.

Nach diesem Motto agieren viele Songs auf dem Album und gehen mit dieser Mischung aus Folk und Blues schwanger, ohne dabei aber das bisschen psychedelische zu vernachlässigen, das die Band seit jeher mit sich herumträgt. Dann gibt es wieder Tracks, die mehr in die Indie-Rock Richtung gehen, z.B. These Days. Und dann experiment die Band stellenweise auch mit elektronischen Sounds. Hörbar vor allem beim vorletzten Track der LP Warrior Man, bei der klargestellt wird, dass man den „Computer Man“ erfunden hat. Jener Song, zu dem die Klarstellung gehört, ist nebenbei gesagt auch gleichzeitig die erste Vorabsingle zum Album.

Generell lässt sich aber festhalten, dass die Mischung aus Blues und Folk ganz klar vorherrscht. Das passt zur Band, wird live auch wieder super ankommen. Besonders Songs wie Get Away werden live ankommen und die Crowds werden die Hook lautstark mitsingen.

Trotzdem ist das Album nicht ganz frei von Schwächen. Ob man nun den Fakt, dass das, was man hört, schon irgendwie alles da war und nur neu verpackt wurde, als Schwäche ansieht, sei dahingestellt und diese Frage wird jeder für sich selbst beantworten müssen (ich sehe es dieses Mal z.B. nicht als Schwäche). Viel mehr fällt auf, dass es lyrische Schwächen gibt – dass z.B. teilweise oft Fragen in irrer Penetranz aufgeworfen werden und, dass dadurch lyrische Varietät fehlt. Bestes Beispiel dafür sind How Long Must I Wait und Do The Trick.

Dr. Dog - neuerdings als Sextett

Dr. Dog - neuerdings als Sextett

[Bildquelle: grimygoods.com]

An anderer Stelle singt McMicken beim Track Over Here, Over There „Let’s just clear the air“, während es darauffolgend in der Hook heißt „I’m over here, I’m over there“. Da stellt sich mir die Frage nach der Intention von Sänger McMicken auf, nach dem Sinn der Lyrics. Diese Auffälligkeiten sind teilweise eklatant und viel zu auffällig um nicht darüber zu stolpern. Nun gut, als großartige Lyriker waren Dr. Dog noch nie bekannt und das wird in diesem Leben wohl auch nichts mehr. Da macht auch Be The Void keine Ausnahme

Trotzdem regen die Texte mancher Songs zum oben erwähnten Nachdenken an. Da wäre Lonesome, da wäre These Days und auch How Long Must I Wait, dessen penetrante Frage auf gleiche Art und Weise irgendwann zur inneren Selbstfrage führt. Wie lange dauert es, bis […]?

Dass die vorangenannte Penetranz mich nicht davon abhält Lonesome und How Long Must I Wait zu meinen persönlichen Favoriten des Albums zu zählen, mag irritieren. Während ich die Kritik der Penetranz für Lonesome ausklammere (der Song ist einfach viel zu gut), ist es bei beiden zunächst einmal der sehr gut gemachte Sound, dann der überschwengliche Blues, der einem beinahe schon ins Gesicht klatscht und zuletzt auch wieder einmal diese implizierte Tiefgründigkeit, die ich selbst in die Texte stecke. Und weil mich der Blues, den die Band in das Album gesteckt hat, so fasziniert, hebe ich Vampire als meinen dritten Favoriten heraus. Der Blues, der in diesem Song steckt, lässt einen einfach träumen von eigenen, vergangen Erlebnissen, an die man gerne und auch mit etwas Wehmut denkt. Das ist ganz großes Kino, das schaffen nur wenige Bands!

Ist Be The Void also insgesamt ein hörenswertes Album, das ich gerne empfehle? Ich sage dazu, ohne nachzudenken, ja! Wer es schafft, Leute dazu zu bringen, Songs obgleich lyrischer Schwächen, als großes Kino anzusehen, der hat es einfach verdient, gehört zu werden. Wer es bluesig mag, der muss dieses Album sowieso hören – gleiches gilt für Leute, die es folkig mögen. Mag man beides in Kombination, führt sowieso kein Weg daran vorbei.