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Als Mitglied der Mongo Clikke war Ferris MC einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Raps in dessen Boom-Jahren um die Jahrtausendwende und wusste die Republik mit seiner Reibeisenstimme zu beeindrucken. Lange Jahre war es dann still um ihn, bis er vor einigen Jahren Teil der Remmidemmi-Truppe von Deichkind wurde, doch der Name Ferris MC wurde noch lange nicht zu Solozwecken wieder aus dem Schrank geholt. Nun aber ist es soweit und am vergangenen Freitag erschien „Glück ohne Scherben“, das nach elf Jahren Abstinenz das Comeback-Album des Rappers darstellt.

Ferris‘ Album Nummer fünf leitet mit der bereits bekannten Videosingle „Fensterlose Zeit“ die neue Ära des geborenen Bremers ein, nicht gerade brachial oder als raptypisches Representer-Intro inszeniert, aber mit der klaren Ansage „Ich bin zurück, endlich zurück aus der fensterlosen Zeit!“. fmcDas darauffolgende und ebenfalls als Single ausgekoppelte „All die schönen Dinge“ hingegen blickt schon weniger freudig in Richtung Zukunft. Die Gedanken „rennen ein letztes Mal mit Anlauf gegen die Wand“ und wenn Ferris sich zum Finale die Seele aus dem Leib brüllt, ist das ein kleiner Gänsehautmoment. Er ist wieder da, der Freak unter den Rappern, und er lässt die Kettensägen und die eigenen Stimmbänder kreischen! Und dann wagt er sich auch raus aus dem bis dato dusteren Gesamteindruck von „Glück ohne Scherben“, klinkt die Gitarre an den Verstärker und schießt in „Roter Teppich“ gegen all die Gestalten, die über ebenjenen laufen. Keine lyrische Glanzleistung zwar, aber es bereitet definitiv Spaß beim Zuhören und wir glauben ihm die Hook: „Wer wird sie alle überleben?! F-F-F-Ferris MC!“

Was hier aber schon stört – nämlich etwas zu blödelige Zeilen wie „Sie beschwert sich? Die alte ist doch schwer genug!“ – wird dem Album kurz darauf dann fast zum Verhängnis: „Mein Raumschiff“ ist leider nur ein affiger Text auf ’nem ollen Dubstep-Beat der stumpfesten Art. Gen Ende wirft Ferris ein: „Und für die Ladies: Mein Raumschiff kann auch zuhören!“ Dass dieser Stuss dann auch noch in den ohnehin schon anstrengenden Chorus übernommen wird, schießt den Vogel ab – oder doch besser gleich das vermaledeite Raumschiff! Auch „Kater“, das von grauen Katzen in der Nacht und dem darauffolgenden „Au au au“ im Kopf handelt, zündet nicht so richtig.

Doch genug der Schwarzmalerei – dass er dann eben doch für gute Wortspielakrobatik zu haben ist, beweist er mit „Meine bessere Hälfte“ oder dem beschwingten „Spieler“. Den besten Lacher der Platte hält „Die Zahnfee“ bereit, das von einem Date mit Ferris MC berichtet – was dann passiert, solltet ihr euch definitiv anhören! Generell ist Ferris zornig unterwegs, überfährt mit dem „Monstertruck“ untermalt von Punkgitarren alles, was ihn stört und gibt sich gemeinsam mit Eko Fresh die Ehre auf „Kill Kill Kill“, in dem die beiden mit Wortwitz die Szene battlen. Und so führt er sein Werk zwischen Ferris-typischem Krawallhumor und manchem deepen Thema trotz einiger holpriger Passagen doch noch zu einem „Happy End“. Ferris kann es immer noch und wir sind froh, dass er wieder da ist.

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