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Wir lieben sympathische Merch-Verkäufer! <3 / Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Manches Festival ist nicht wie das Nächste und manchmal fängt das schon beim Namen an. Das Festival Für Junge Menschen, das dieses Jahr erstmalig im Hamburger Uebel & Gefährlich stattfand, ist so eines. Räumen wir folgendes gleich zu Anfang aus dem Weg: Der Name ist mehr als nur gewöhnungsbedürftig, lässt er doch zunächst auf eine Art Pfadfinderveranstaltung schließen.

Dass dem nicht so war, zeigte dann ein Blick auf das Line-up, bei dem die Veranstalter durchaus ihre Muskeln spielen ließen. Ein Abend, an dem die Leoniden, Drangsal sowie Die Nerven im gleichen Haus spielen, ist eben doch schon der Rede wert. Aber alles der Reihe nach.

Der Ringer und COMA spielen uns warm

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Der Festival-Abend fing für uns mit Der Ringer an, denn sowohl Babak, als auch meine Wenigkeit haben es schlichtweg komplett verpennt, dass der Abend nicht im Ballsaal, sondern im Turmzimmer mit Promise Keeper eingeläutet wurde – und da wundert man sich, wieso es kurz vor dem Auftritt der fünf Hamburger noch gähnend leer in besagtem Ballsaal war. Blöd gelaufen, pünktlich zu Beginn des Sets wurde es dann aber doch recht voll vor der Hauptbühne des Uebel & Gefährlich.

Was uns dann entgegenschallte (wir kannten die Band beide nicht), war astreiner Indie-Pop, genährt mit elektronischen Elementen. Technisch sauber runtergespielt und eingängig. So richtig sitzen wollte die Musik dann aber doch nicht. Zu sehr fühlte sich der Auftritt abgespult und bis aufs letzte Detail einstudiert an. Das Wort „gleichgültig“ kam mir dann irgendwann in den Sinn, welches sich auch nicht mehr verflüchtigen wollte.

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Es ging also rüber zu COMA, die kurz vor Ende des Der-Ringer-Sets bereits anfingen. Vor der Bühne des kuscheligen Turmzimmers war es bereits recht gut gefüllt. Hier: Elektronische Tanzmusik. Zunächst nicht komplett uninteressant und durchaus mit einer gewissen Dynamik ausgestattet, verfielen die Stücke des Kölner Duos irgendwann in Monotonie. Auch hier also wenig beeindruckendes. Der Weg führte uns einmal mehr zur Bar, das Einschwören auf Drangsal begann.

Drangsal und candelilla setzen erste Höhepunkte

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Max Gruber und seine Mannen waren eines der schlagkräftigen Argumente, die das Festival Für Junge Menschen zu bieten hatte. Einerseits, weil er ein ziemlich gutes Debütalbum ablieferte, andererseits, weil er in diesem Jahr, mit Ausnahme der beiden Auftritte im Rahmen des Reeperbahn Festivals, keinen Hamburger Club bespielte.

Umso frohlockender war der Auftritt des Wahl-Berliners also, der an diesem Abend deutlich entspannter wirkte, als ich es von seinen Auftritten beim diesjährigen Pfingst Open Air und dem Angst macht keinen Lärm 2015 gewohnt war. Mit viel Wortwitz und Selbstironie zog er über den Festival-Namen sowie sich selbst her und beweihräucherte die Herren von Die Nerven. Diese Lockerheit tat dem Auftritt sehr gut, wurden die Songs so noch besser performt, als ich es ohnehin schon von der Band kannte.

Auch das ein oder andere neue Stück, welche auf seinem kommenden zweiten Album landen werden, wurden gespielt. Das Ende mit „Allan Align“ und dem inzwischen bekannten Metallica-Cover „For Whom The Bell Tolls“ setzte dem Ganzen noch die Krone auf!

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Nun ging es im Spurt wieder ins Turmzimmer. Beinahe direkt nach Drangsals Set begannen dort candelilla mit ihrem Auftritt. Das Quartett aus München ist ein sehr spezieller Fall – nicht nur, weil ihre Songs ausnahmslos Zahlen als Titel haben (der Schrägstrich bei „23/33“ ist schon das höchste der Gefühle). Ihre Musik ist energiegeladener Post-Punk. Der Sound drückt, geht in den Kopf und fängt ein. Zuletzt waren sie mit Die Nerven auf Tour – und es stellt sich heraus: Das machen sie nicht umsonst, denn das kann sich richtig hören lassen!

Die Nerven und Leoniden sind das Maß der Dinge

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Apropos Die Nerven: Die spielten danach und übernahmen den Headliner-Slot des Abends. Dass sie dafür die perfekte Band sind, sollte auf der Hand liegen, sucht ihre energiegeladene Live-Qualität doch weitgehend ihresgleichen. Das sollte auch an diesem Abend nicht anders sein!

Das Stuttgarter Trio legt los und es bleibt keiner mehr auf seinem angestammten Stehplatz: Da wird gemosht und gepogt, was das Zeug hält. Völlige Eskalation – egal, ob „Albtraum“, „Barfuß durch die Scherben“ oder „Dreck“; ihre Songs sind hochgradig intensiv, der Lärm treibt an und die Band spielt sich selbst sowie die Crowd in einen hypnotischen Rausch. Da lässt sich auch ein Max Gruber nicht lange bitten und geht in der ersten Reihe ab, wie ein Zäpfchen!

Okay, Die Nerven waren ein absolutes Highlight! Was soll nun bloß noch kommen? Der Körper sagt: „Nichts, geh nach Hause, Du Idiot!“. Aber nein, im Turmzimmer gab es auch noch eine letzte Gruppe zu sehen: Die Leoniden! Die Kieler und Hamburger stehen bei mir nicht erst seit gestern ganz hoch im Kurs – zuletzt ließ ich mich beim Reeperbahn Festival und beim Cardinal Sessions Festival III von ihnen beeindrucken.

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Ich wusste also schon ein Stückweit, was auf mich zukommen würde, aber ganz ehrlich: Die kann man sich 1.000 Mal anschauen und es wird nicht langweilig! Was die Jungs da auf der Bühne abziehen, ist der menschgewordene Irrsinn! Gitarrist Lennart zappelt sich über die Bühne und wirft die Gitarre ständig nach oben, Sänger Jakob drischt mitten in der Crowd (mit konzentriertem Blick) auf seine Percussions ein, die Lichter spielen verrückt und die Vielzahl an kleinen Details in ihrer Musik beeindruckt jedes Mal aufs Neue!

Den augenscheinlich schwierigsten Job – nämlich den letzten Auftritt nach dem Headliner – haben die Leoniden mit spielerischer Leichtigkeit bewältigt. Die Crowd hatte richtig Spaß im vollen Turmzimmer und es wurde noch einmal richtig abgezappelt! So wurde aus dem etwas müde beginnenden Festival Für Junge Menschen doch noch eines, das in Erinnerung bleiben wird als eines, das eine Reihe verdammt guter Acts auf zwei Bühnen in ein Konzerthaus brachte. Liebe Organisatoren: Chapeau, das war verdammt geil!

Alle Fotos vom Festival Für Junge Menschen

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