Bildquelle: Facebook

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Am 12.11.2015 durfte ich in der ausverkauften Mitsubishi Electric Halle, im wunderschönen Düsseldorf, einem Konzert von Fettes Brot beiwohnen. Die Band, die seit 1992 Hits am laufenden Band produziert, hat ein neues Album veröffentlicht und dementsprechend heißt auch die Tour „Teenager vom Mars“. 7.500 Leute in einer Halle und dazu zwei Jahrzehnte Hip-Hop? Ich war gespannt.

Den Anfang bestritt die wie immer grandiose Antilopen Gang, die soeben ihr Mixtape „Abwasser“ released hat. 30 Minuten lang wurden Songs des letzten (und irgendwie ja auch ersten) Albums präsentiert inklusive „Beate Zschäpe hört U2” oder „Verliebt”. Neues Material gab es leider nur wenig zu hören. Man darf es Fettes Brot hoch anrechnen, dass sie sich nicht wie üblich den nächsten, viel versprechenden Pop-Act als Support buchen, sondern ein musikalisches Statement setzen und den bereits erwähnten Antilopen oder Fatoni eine Plattform bieten um sich zu zeigen. Außerdem darf sich das Publikum noch einmal jung und rebellisch fühlen, wenn man sich mit Koljah gegen das Establishment verbündet. Der Beginn war geglückt.

Nach einer Umbaupause ging es dann mit den Pinneberger Jungs furios los. Ganz im Sinne des neuen Albumtitels wurde die Landung der Aliens im nächtlichen Wald inszeniert. Einen besseren Einstieg und ein schöneres Bühnenbild kann man lange suchen. Den Anfang machte dann auch der Titeltrack, dicht gefolgt von „Können diese Augen lügen”. In schöner Reihenfolge wechselten sich die alten Hits ab mit den Songs neuerer Bauart. „Jein”, „Betina, zieh dir bitte etwas an”, „Falsche Entscheidung”, „Amsterdam”, „Wackelige Angelegenheit”, „Echo” und so weiter und so fort. Die musikalische Untermalung kam dabei von der vierköpfigen Band inklusive DJ exel. Pauly. In den wenigen Pausen, die sich die drei zwischen den Songs gönnten, wurde herumgealbert (Selfie Sticks bieten Spaß für jedes Alter!) und ein Geburtstagsgruß an die Tochter von Björn Beton gesandt.

Wie jeder weiß, ist Fettes Brot keine junge Band mehr (Verdammt, die sind über 40!) und tatsächlich konnte man stets eine gewisse Routine spüren. Es gab weder Textaussetzer, noch riskante Bühnenakrobatik. Dennoch war das Konzert grandios. Zunächst kommen zu so einem Konzert nicht bloß eine paar Fans und eine größere Anzahl an Menschen, die den aktuellen Hit aus dem Radio kennen. Die ganze Halle bestand aus Fans, die mit den Songs ihr halbes Leben verbracht haben und jeden Song mitsingen können. Es kamen Mädels-Gruppen, Pärchen, Vater-Tochter Gespanne und sogar ein paar ältere Kaliber. Doch auch in der hintersten Ecke, eigentlich bestuhlt, standen die Gäste nach wenigen Liedern und feierten mit. Bei über zwanzig Songs gab es nicht einen, der nur halbherzig aufgenommen wurde. Diese Band hat mehr Hits produziert, als Deine Oma Nussecken zu Weihnachten! Wenn dann „Nordisch by Nature” in einer „Ghostbusters”- bzw. „I Like To Move It”-Version gespielt wird, ist alles vorbei. Ich war begeistert!

So viel zum ersten Teil. Denn nach einer weiteren Umbaupause hatten Fettes Brot noch eine Überraschung parat und zeigten, dass ihr Schaffen tief im Hip-Hop verwurzelt ist. Vor dem Plakat eines überdimensionalen Plattenregals wurde ein Mix aus eigenen Tracks und den Instrumentals einiger US-amerikanischer Klassiker zum Besten gegeben. In roten Overalls und unterstützt lediglich von Dj exel. Pauly an den Scratches wurden die eigenen Anfänge gefeiert und in einen Kontext gestellt. Richtig verstanden haben das vermutlich die Wenigsten in der Konzerthalle. Für Leute, die tatsächlich mit Hip-Hop sozialisiert wurden, war dieser Teil des Konzerts ein echtes Highlight. Einen weiteren Bühnenwechsel später gab es dann die letzte Zugabe. Ach ja, „Schwule Mädchen” gab es ja auch noch. Weitere 15 Minuten lang gab es pure Ekstase.

Nach zwei Stunden Konzert war es vorbei und ich weiß nun, warum Fettes Brot so eine Ausnahmestellung im deutschen Pop-Geschäft einnehmen: Es gibt vermutlich keine Band, die sich selbst und den Fans über die Jahrzehnte so treu geblieben ist. Nicht immer am Puls der Zeit, aber immer sympathisch, nahbar und aufgeschlossen. Sollte die Band demnächst bei Dir in der Gegend sein: Hin da!

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