Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Finder sind in meinen Augen DIE Newcomer-Band des Jahres! Nicht nur ihr Ende Februar veröffentlichtes Album „Keiner sagt, dass es einfach wird“ ist ein Prachtexemplar vor dem Herren, auch ihre Live-Qualitäten überzeugen auf ganzer Linie. Mit ihren eindringlichen und wirklich klug durchdachten Texten und ihrem Sound beweisen Jochen, Daniel und Markus, dass sie ganz easy mit Heisskalt und Co. mithalten können – wenn nicht sogar gerade auf die Überholspur gewechselt sind.

Ich durfte die drei Herren aus Hannover und Soltau, bei denen sich alles um das Finden dreht, nach ihrem Konzert in der Hamburger Astra Stube auf ihr tatsächlich allererstes Interview treffen. Da man dann natürlich noch alle doofen Fragen stellen kann, ist es ein wenig ausführlicher geworden. Viel Spaß beim Lesen!

Ok, da ihr vorher noch nie ein Interview hattet, kann ich ja die ganzen doofen Fragen stellen. Dann erzählt doch einmal kurz, wie ihr zusammen gefunden habt. Markus und Jochen haben vorher schon gemeinsam in einer Band (Blackvise) gespielt. Wie hat Daniel denn dazu gefunden?

Jochen: Ich würde behaupten, wir haben ihn quasi aus einer anderen Band rausgequatscht. Markus und ich haben da schon zusammen Musik gemacht – also das was wir jetzt machen, hat da gerade angefangen. Wir brauchten aber noch einen guten Schlagzeuger und Daniel hatten wir vorher schon in einer anderen Band gesehen und fanden den beide super gut. Dann haben wir ihn eher unbekannterweise einfach angesabbelt und haben gefragt, ob er nicht mal Bock auf eine Probe hat. Dann haben wir uns getroffen und wollten nur eine halbe Stunde spielen, da ist dann ein bisschen mehr draus geworden und dann haben wir uns nochmal und nochmal getroffen und haben das so beibehalten.

Blackvise war etwas härter als Finder. Wie habt ihr denn euren Sound zu Finder gefunden?

Daniel: Das ist total einfach! Wenn man so eine Pop-Schlampe wie mich in die Band holt, dann wird das automatisch ein bisschen weicher. Ne, keine Ahnung, ich glaube das hängt immer ein bisschen davon ab, was man gerade so hört und manchmal hört man ja nicht nur diese eine Musikrichtung die man vorher gespielt hat, sondern von den Interessen her auch ganz andere Sachen. Wir haben viel herum experimentiert. Jochen hatte so ein paar Song-Ideen mitgebracht die teilweise auch ein bisschen unterschiedlicher waren und dann hat sich das so ergeben.

Wie kann man sich bei euch den Entstehungsprozess eines Songs vorstellen?

Jochen: Das ist jetzt aber eine sehr private Frage. (alle lachen)

Das finde ich jetzt nicht so. Ich finde eher, das ist eine allgemeine Frage.

Jochen: Es gibt immer zwei Herangehensweisen. Entweder man macht die Musik zuerst oder den Text. Bei mir kommt auf jeden Fall immer erst die Musik. Und wenn ein Song cool geworden ist und du lange daran gearbeitet hast, dann kann man erst einen passenden Text dazu entwickeln. Ich hab dann oft schon Ideen wo der Text vom Inhalt so hingehen könnte. Ich finde das sonst schade, wenn man dann wirklich wichtige Sachen wegschmeißt oder wenn man dann einen guten Text geschrieben hat und es dann nicht passt. Es muss beides auf dem gleichhohen Niveau sein, damit ein Song gut wird. Guter Song, scheiß Text, das funktioniert irgendwie nicht.

Markus: Aber bis dahin hat Jochen eine unheimliche Begabung, eine Art Kunstsprache, die er entwickelt hat. Und es geht sogar so weit „Laber Rhabarber“ ich kann das mittlerweile schon mitsingen in seiner Kunstsprache, weil er noch keinen Text hat.

Jochen: Aber das haben viele Bands meine ich. Musik bedeutet ja, dass du spielst und dabei schon eine Gesangsmelodie im Kopf hast aber keinen Text. Was machst du denn dann? Du kannst ja nicht nur „lalalalala“, dann hat man schon irgendwelche Wörter im Kopf. Also – jetzt wird es aber ganz intim – ich hebe dann immer meinen Zeigefinger, und zwar finde ich, dass bei einem Song und bei einem Text nicht das Wort an sich, sondern der Klang des Wortes eine Rolle spielt.

Eure Texte handeln ziemlich viel von Kummer und Liebe und Liebeskummer.

Jochen: Wenn du das sagst.

Finde ich. Aber am Ende, hab ich zumindest das Gefühl, dass sich immer alles zum Guten wendet. Jetzt könnte man denken, dass deine Inspirationsquelle die Frauenwelt ist (Jochen lacht). Oder wie siehts aus?

Jochen: Ja auch!

Ok, wie ist denn die Message in euren Songs?

Jochen: Da müsste ich jetzt auch weiter ausholen, das ist ja auch eher ein Konzept. Das ganze Ding.

Aber ich finde eure Texte schon sehr liebesmäßig angehaucht.

Jochen: Wenn man sich da so ein bisschen für das ganze Ding interessiert und mal in das Album rein hört, dann ist jeder Song aus einer bestimmten Perspektive geschrieben. Es gibt insgesamt 3 Perspektiven, 2 Protagonisten sozusagen – das kannst du auch gerne als Mann und Frau deuten, wie auch immer – hier auf diese Farben übertragen sind es halt Fuchs und Gans, deswegen auch das Logo. Der Fuchs symbolisiert immer die schlaue Person, die etwas neues vom Leben will und neue Sachen erkunden möchte und so weiter und vielleicht auch nicht mehr den Blick für das zuhause hat, was einem so wichtig ist. Und dann gibt es eben das Gegenstück als Gans symbolisiert, die so ein bisschen naiv ist, für die das wichtig ist, was zuhause ist und was da passiert und hat dabei eben nicht mehr diesen Blick für das andere, was man in seinem Leben noch erreichen könnte. Das sind halt diese zwei Gegenpole, die gerne zusammen wollen, aber gar nicht zusammen können, weil der eine weg und der andere dableiben möchte.

„Deswegen ist das im übertragenen Sinne mit den zwei Tieren auch ein bisschen als Fabel aufgezogen.”

Das ist jetzt auch ein bisschen schwierig, das so kurz zusammenzufassen, aber verstehst du was ich meine? Und eine dritte Perspektive ist dann der Zuschauer. Das heißt, jemand der das sieht und dann interpretiert und guckt, wie verhalten sich die beiden Personen gegeneinander.

Im Pressetext steht zum Beispiel: „Dabei entwickelte sich ein eigenständiger Sound, der die Gedanken der Songs vollkommen miteinander verbindet. Eine Geschichte geschrieben aus der Sicht zweier völlig verschiedener Charaktere, die nicht nur in den Texten, sondern auch in dem liebevoll illustrierten Artwork auf fabelhafte Weise symbolisiert wird“. Ich hab das wahrscheinlich einfach nicht verstanden.

Jochen: Wenn man das auch einfach so liest und gar nicht weiß, um was es da genau geht, dann versteht man das auch nicht unbedingt. Aber das finde ich gerade gut, dass man vielleicht am Anfang gar nicht weiß, um was es geht. Das ist ja auch gar nicht so wichtig. Man kann ja erstmal die Songs hören. Aber für Leute, die sich da wirklich mit beschäftigen möchten, hat man dann einfach eine noch tiefere Ebene auf der man noch etwas Neues kennenlernt.

In dem Booklet des Albums hat jeder Song das passende Symbol aus welcher Perspektive er geschrieben wurde. Fuchs (derjenige der losgeht und entdecken will), Gans oder die Feder als 3. Person.

Ihr ward bei Circus Halligalli, wie war es für euch und was hat sich seitdem für euch verändert?

Markus: Das erste Mal im Fernsehen war natürlich der Hammer. Das haben wir so noch nie erlebt und wir wurden wunderbar aufgenommen, hatten eine gute Zeit vor Ort und ja, was hat sich verändert?

Daniel: Verändert hat sich gar nicht so viel. Wir haben jetzt mehr Hörer bei Spotify, was uns natürlich sehr freut, weil das mutmaßlich Leute sind, die dann auch zu Konzerten kommen, wenn sie sich das anhören. Ansonsten geschieht es jetzt immer wieder seitdem, dass Leute zu Auftritten kommen, in Städten wo wir niemanden kennen und die dann ein Finder-Shirt tragen. Das hält sich zwar in Grenzen, kommt seitdem aber immer mal wieder vor.

Und wie war es sonst so mit Joko und Klaas, habt ihr die kennengelernt?

Markus: Nicht wirklich.

Aber Sabine!

Jochen: Die kam danach als wir da standen tatsächlich bei uns an und meinte so „Du!“ ich so „Ja, was is denn los?“ „Ik fand eure Musik rischtisch jut!“ Das war total süß! Die war super nett auf jeden Fall! Und mit Joko und Klaas hatten wir tatsächlich nichts zu tun, die haben einfach ihren Job gemacht. Man will da ja auch nicht hinrennen, weil die dann sicher auch genervt sind. Für uns war das aber total super, du hast Werbung für die Band, an die du sonst nie rankommst.

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Wenn man bei YouTube auf die Kommentare guckt, sieht man viele Kommentare von Jochens Schülern. Wie geht man damit um?

Daniel: Wir leben ja nicht davon, du hast halt noch einen normalen Job. Das ist natürlich auch egal welchen Job du hast. Leute – oder in dem Fall halt Kinder – bei Markus und mir wären es halt Arbeitskollegen oder Leute die man so als Kunden mal betreut hat, darauf aufmerksam werden und das vielleicht auch kundtun. Ich weiß gar nicht, da muss man nicht richtig mit umgehen. Es ist ja eigentlich auch ganz schön.

„Aber es sind eben unterschiedliche Welten – dann freuen die sich, dann freuen wir uns und dann freuen wir uns alle und  alles ist gut. ”

Jochen: Ich trenne das auch komplett. Wenn die bei YouTube irgendetwas schreiben oder dann zu Konzerten kommen, können sie das gerne machen, da habe ich überhaupt kein Problem mit. Die können in ihrem Privatleben ja machen was sie wollen und ich kann in meinem Privatleben auch machen was ich möchte. Wenn ich dann in der Schule bin, dann wissen die das auch. Wenn dann doch irgendwelche Fragen kommen, sage ich denen, dass sie mich da privat gerne ansprechen können aber hier halt jetzt nicht und dann ist auch gut. Es geht dann aber auch nicht, wenn irgendjemand vor dem Lehrerzimmer steht und anklopft und du fragst was los ist und dann kommt „Ich würde gerne eine Mütze kaufen.“ Aber sonst ist mir das relativ Wurst.

Ihr habt mal ein Cover von den Foo Fighters gemacht. Habt ihr sowas in Zukunft vielleicht wieder vor? Oder wie wäre es mal mit Bibi? Vielleicht kann man das ja noch mal in gut machen?

Daniel: Ne, das geht nicht. Bibi können wir glaube ich weglassen. Aber wenn uns das mit dem Cover noch mal in den Sinn kommt – vielleicht. Es ist jetzt nicht so, dass wir sagen, wir wollen jetzt irgendwie bekannt werden weil wir ein tolles Cover gemacht haben – nicht so wie Vanilla Sky, da kam nach „Umbrella“ auch nicht mehr viel. Keine Ahnung, hatten wir mal Bock drauf, haben wir auch selber gedreht, war lustig.

Jochen: Wir schreiben jetzt eher neue Songs für uns selbst. Wir wollen ja jetzt ein bisschen weiterkommen.

Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen, wie eure Zukunftspläne aussehen. Neues Album?

Jochen: Wir sind eigentlich gerade mittendrin. Was es genau wird muss man dann mal sehen, ob es ein Album wird oder keine Ahnung. Mal sehen, eine EP oder einzelne Songs. Heutzutage ist es ja gar nicht mehr so wichtig ein Album zu produzieren und herauszubringen. Wir schreiben jetzt erstmal und können die dann auch schon mal live spielen und was sich dann Album- bzw. Promotechnisch ergibt, wird man dann einfach sehen.

Hat einer von euch eine bestimmte Macke, die die anderen doll nervt?

Daniel: Oh, da machst du jetzt ein riesiges Fass auf, glaube ich. Wir lieben uns schon aber du musst dir das so vorstellen, man verbringt unglaublich viel Zeit miteinander und manchmal, auch an Tagen wo man vorher schon einen anstrengenden Tag hatte von der Arbeit. Manchmal hast du ja auch ein paar Proben hintereinander, das der Tag vorher ein bisschen nervig war. Nun sind wir auch alle relative Nerds was so Songwriting angeht.

Jochen: Ich glaub da kann man gar kein konkretes Beispiel sagen, vielleicht geht man sich auch so aufn Sack. Aber das ist nun mal so und gehört dazu und ich glaube, wir sind danach niemandem böse oder sonst was. Eigentlich funktioniert das alles super. Und außerdem ist das auch manchmal witzig, wenn einer gestresst oder schlecht gelaunt ist. Dann machen sich die anderen darüber lustig und nächstes Mal macht man sich eben über jemanden anders lustig und dann ist das cool.

Was ist die letzte installierte App auf eurem Handy?

Daniel: Boah, ich hab was ganz schlimmes gefunden! Und zwar hab ich festgestellt, dass es Giphy nicht nur als Seite, sondern auch als App gibt und da hab ich einen halben Abend dran gesessen. Es ist noch schlimmer als durch YouTube zu streifen, man guckt sich nur alberne scheiß Bilder an. Zum Glück habe ich hier keinen Empfang.

Meine letzte App war FaceApp.

Daniel: Oh ja! Hatte ich zwei Tage drauf. Als Kind hat mich diese App zu einem schwarzen kleinen Jungen gemacht und dann hab ich gemerkt, dass es doch nicht so spannend ist. Ist wahrscheinlich ein App, die jeder drei Wochen auf dem Handy hat und dann ist sie vergessen. Ich sehe gerade, ich hab die FaceApp noch, ich lösche die jetzt.

Jochen: Also meine war tatsächlich Airbnb. Einfach, weil ich unterwegs war und ein cooles Zimmer wollte.

Markus: Meine war glaube ich justwatch, kennt ihr die?

Alle: Nein

Markus: Das ist ganz praktisch, wenn man viele Serien guckt, da kannst du die Serie eingeben und sehen, wo man die umsonst streamen kann. Unglaublich gute App, wo man die Serien finden kann.

Daniel: Ich bin jetzt der prollige Typ mit der Giphy App oder was? Der eine schön mit Reisen und der andere mit Serien.

Das Schlusswort gehört euch.

Daniel: Im Prinzip das, was du (Jochen) sonst immer auf Konzerten sagst, aber heute ausnahmsweise mal nicht gesagt hast. Geht zu Live-Konzerten, guckt euch das an, sitzt nicht auf dem Sofa. Wenn ihr spontan einen Anruf bekommt, ob ihr spontan Lust habt mitzukommen, einfach mitgehen! Man wird so oft von Musik und irgendwelchen geilen Bands überrascht. Es lohnt sich einfach immer. Ich habe es noch nie bereut auf ein Konzert gegangen zu sein. Und wenn die Band vielleicht nicht ganz so geil war, dann hattest du immer noch einen lustigen Abend!