Bist du auch manchmal gelangweilt von der ganzen Quatscherei hier? Schon klar, über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen. Trotzdem: Auch heute wird wieder gequatscht, und zwar über die neue EP der Hamburger Band Findus.

Vor sechs Jahren begann Delikatess Tonträger mit der Katalognummer deli01 die Labeltätigkeit: „Sansibar“ war das erste Album von Findus, eine Platte zwischen Pop und Indierock, gespickt mit der rumpligen Herangehensweise des Punkrocks. Es folgten mehr oder minder regelmäßig Veröffentlichungen höchst spannender Rockmusik von Bands wie Herrenmagazin oder Frau Potz. Damit bewies das Label stets Geschmack – der Name verrät’s! – und auch Hingabe, wenn man Releases wie die „Obst“-Single von Herrenmagazin betrachtet, bei der man für jede 7″ ein eigenes Cover per Hand anfertigte.

Doch damit ist jetzt leider Schluss, denn heute, am 23. Januar 2015, erscheint mit deli018 die letzte Scheibe, auf der das deliziöse Logo prangt. Dass Findus das Alpha und Omega der Delikatess-Speisekarte bilden, sei ihr gutes Recht: Sie selbst sind Teil der Labelgründer. Jetzt heißt es für die fünf Herren, die ihre früheren Cover so gern mit Maritimem schmückten: Auf zu neuen Ufern! Und in was für einem Tempo, denn seit dem letzten Langspieler „Vis-a-vis“ sind lediglich zehn Monate vergangen.

Zu „Quatscherei“ servieren Findus nochmal etwas ganz Besonderes, um Delikatess einen würdigen Abgang zu gewähren: Die vier Tracks starke EP erscheint auf weißem 180g-Vinyl und bildet zudem den Soundtrack zu einem eigens dafür gedrehten Kurzfilm.

Neben derlei visuellen Specials kann die EP aber besonders mit einem auftrumpfen: Richtig viel Power in den Songs. Den Start macht das nach dem Hamburger Club benannte „Hafenklang“ und die bei Findus gewohnt eingängigen Gitarrenriffs preschen direkt nach vorn. Wenn dann der stark mitgröhlfähige Refrain einsetzt, beleben Findus den totgeglaubten Patienten Deutschpunk kurz wieder – eine kleine Indie-Injektion genügt. Auf dem Titelsong wird das Tempo dann nochmal angezogen, die Hymnenhaftigkeit bleibt aber auch hier bestehen. In bestem Einklang mit einem knarzigen Garage-Bass brüllt sich Sänger Lüam die Seele aus dem Leib:

Ich bin gelangweilt von so vieler Quatscherei! Ich bin gelangweilt von mir selbst und von dem Einerlei! Ich bin gelangweilt von dem schönen Leben! Ich bin gelangweilt von dir und deinen Ideen!

Das groovende „Handflächen“ fasst in bedrohlich klingenden Strophen und einem treibenden Chorus eine zerfallende Beziehung in Worte. Und auch im schließenden „Gold“ gibt es geballten Thrill, bis es dann nochmal in einem letzten Hohelied auf das Bandleben und sicher auch auf die nun vergangene Labelzeit mündet.

„Quatscherei“ ist der perfekte Abschluss für die norddeutschen Feinschmecker von Delikatess Tonträger. Für Findus ist sicher noch nicht Schluss – bei so viel Biss und Energie, wie sie in diese zwölfeinhalb Minuten bannen, ist sicher auch in Zukunft noch einiges drin. Wir haben Bock drauf!

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