Der Festival-Sommer ist mittlerweile in vollem Gange, und natürlich dürfen auch Flash Forward dabei nicht fehlen. Mit ihrem Album „Revolt“, welches letztes Jahr im November veröffentlicht wurde, wollen sie dieses Jahr die Festival-Bühnen des Landes unsicher machen. Gerade sind die Jungs aus dem Ruhrgebiet von ihrer Osteuropa Tour zurück, aber bereits im Januar waren sie auf Tour durch Deutschland. Vor ihrer Show in Hamburg trafen wir Jakob, Tino und Gerrit zum Interview und sprachen mit ihnen über die Arbeit am Album, ihren Entwicklungsprozess und mehr.

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Auf eurer Tour musstet ihr bereits ein Konzert aus stimmlichen Gründen absagen, da Stefan nicht singen konnte. Wie geht man damit um?

Jakob: Das ist natürlich schade, man freut sich ja auf jedes Konzert. Aber generell ist es wie es überall ist, die Gesundheit steht im Vordergrund. Es bringt dann auch nichts, das irgendwie durchzuboxen, weil man es dann nur verschleppt. Stefan achtet sehr krass drauf, dass er gesund bleibt, deswegen musste das leider so sein. Wir hätten sehr gerne im Osten gespielt, aber tja… wir kommen wieder. Spätestens im Herbst werden wir nochmal auf Tour gehen.

Kann man denn sagen, dass eine Tour mehr Arbeit als Spaß ist oder steht noch der Spaß im Vordergrund?

Tino: Ich glaube im Vorfeld ist eine Tour ganz schön viel Arbeit, oder auch nicht (alle lachen). Ich glaube Jakob hat da ein bisschen mehr Arbeit mit, aber die Tour an sich ist mehr Spaß. Außer vielleicht, wenn man von der einen Stadt zur anderen mal im Stau steht und man merkt, oh scheiße, jetzt könnte das ein bisschen eng werden, dann müssen wir uns beim Aufbau ein bisschen beeilen, aber sonst ist das alles echt super entspannt.
Jakob: Wir haben zum Glück sehr angenehme Partner die uns viel helfen. Gastspielreisen als Booking Agentur und UncleM als Label, die uns schon sehr viel Arbeit abnehmen, so dass wir uns nicht mehr um so viel kümmern müssen. Und jetzt die Tage die wir schon erlebt haben, das ist schon mehr so eine Art Klassenfahrt.
Tino: Dazu muss man sagen, dass das Routing dieses Mal sehr gut ist, so dass wir maximal mal vier Stunden fahren müssen.

Du hattest vorhin schon die Tour-Vorbereitung angesprochen und meintest, das wäre für dich jetzt nicht so…

Tino: Ja gut, wir proben halt einmal die Woche und wir haben uns da schon Gedanken gemacht und die ganzen neuen Songs geprobt und so, aber ob das jetzt Stress ist? Das ist halt schöner Stress. Ob man das dann selber als Stress empfindet – eher als Spaß. Was dann halt wirklich stressig ist, wie Jakob ja gerade sagte, ist die gesamte Organisation.
Jakob: Ich mache halt die ganzen Design-Sachen, was für mich etwas stressiger ist als für die anderen, weil ich dann halt viele Sachen vorbereitet habe oder noch Videos geschnitten hab zur Ankündigung. Aber man freut sich ja drauf und deshalb macht man es gerne.

Ist es denn so, dass ihr vorher noch ein mega Sportprogramm durchzieht oder so?

Alle: Nein (lachen)
Jakob: Ein Probe-Programm haben wir uns zurecht gelegt, was wir wie spielen wollen und natürlich viele Gedanken über die Show an sich.
Gerrit: Auch so die Song-Übergänge, das muss ja auch fluppen ne?! Wenn das jetzt alles so halbgar ist, bockt das auch nicht. Da steht überall schon ein Plan hinter.
Tino: Sportlich ist das alles noch machbar!
Jakob: Da wir keine Choreografie haben…

Ihr wart letztes Jahr auch auf vielen Festivals unterwegs und dieses Jahr sieht das wahrscheinlich nicht anders aus. Aber gibt es ein Traum-Festival auf dem ihr unbedingt mal spielen wollt?

Jakob: Jede Band will wahrscheinlich mal bei Rock am Ring spielen, aber es gibt natürlich auch noch ganz viele andere große Festivals, Hurricane, Rocco del Schlacko, Southside, Highfield, da würden wir auf jeden Fall gerne spielen. Ja mal gucken… wir werden dieses Jahr auf jeden Fall ein paar Festivals spielen.

Ihr wart zum Beispiel mit You Me At Six auf Tour und dementsprechend kennt ihr das Leben als Support-Band. Nun habt ihr auf Tour auch Support-Bands dabei. Gibt es Dinge, die ihr anders macht, wenn man irgendwas selber nicht so gut fand?

Jakob: Es gab überhaupt nichts schlecht zu finden.
Tino: Da ist You Me At Six tatsächlich das schlechteste Beispiel, um so eine typische Headline Band zu nehmen. Die waren die nettesten Menschen und da hat man sich nicht einmal so gefühlt wie „Oh, jetzt betreten die gerade den Raum, jetzt halten wir mal die Schnauze“.
Gerrit: Wir stehen jetzt im Nachhinein auch immer noch gut mit denen in Kontakt, also das sind super nette Jungs gewesen. Sie waren für uns auf jeden Fall ein positives Vorbild, wie man sich als Haupt-Act verhält. Ich glaube auch, wir haben das bisher so gut es geht umgesetzt.
Jakob: Das gute ist, wir kennen auch viele von den Bands die wir jetzt dabei haben. Templeton Pek haben wir jetzt erst kennengelernt, aber die sind super entspannt und nett. Aber auch die Local-Bands die wir dann immer noch mit dabei haben, da haben wir schon geguckt, dass wir welche nehmen, die wir kennen.

Euer Album „Revolt“ ist seit November draußen und ich denke als relativ kleine Band, muss man da wahrscheinlich auch immer noch sehr viel Geld selbst investieren. Habt ihr eventuell…

Jakob: Schulden? (alle lachen) Ja haben wir! Man muss tatsächlich sagen, wir haben immer noch viele Tausend Euro Schulden.

Habt ihr nicht mal über Crowdfunding nachgedacht?

Jakob: Haben wir drüber nachgedacht, ja. Aber wir haben uns dann dagegen entschieden, weil wir es schaffen wollten, uns mit dem Album selbst zu refinanzieren. Deswegen haben wir darauf verzichtet. Klar, wir haben noch Schulden, da muss man viel Geld in die Hand nehmen. Wir waren zweimal im Studio für mehrere Wochen, ich glaube insgesamt waren wir über einen Monat im Studio für das Album – und klar, mit der Pressung, der Promotion usw. da ist man schnell in einem fünfstelligen Bereich. Aber wir arbeiten daran, dass wir das wieder zurückzahlen können.

Das Design für das Cover, hast du das denn auch selber gemacht?

Jakob: Das war in Zusammenarbeit mit Killerartworx. Er hat im Prinzip dem Wanderer über dem Nebelmeer die Fahne in die Hand gesetzt und hat das ganz nice gemacht.

Ich hab gelesen, das es eine Ableitung von Caspar David Friedrich ist?

Jakob: Ja genau!

Das einzige, was ich halt mit der Fahne dachte… das machen ja gefühlt gerade alle, also The Prosecution und Sunrise Avenue zum Beispiel.

Diskussion bricht aus, was zuerst da war.

Jakob: Das ist natürlich bei allen das Zeichen der Revolution und so war es dann eben auch bei uns. Bei uns stand der Titel bevor wir das Cover hatten und dann haben wir nach einem passenden Motiv dafür gesucht und fanden das halt ganz geil. Stilistisch ist das ja komplett anders als bei den anderen, weil es ein Gemälde ist welches wir missbraucht haben.
Gerrit: Durch die Fahne ist es aber auch ein guter Kontrast zu dem eigentlichen Bild.
Jakob: Es ging noch nie so schnell ein Cover zu machen.

In dem Song „Revolt“ geht es ja neben politischen Dingen tatsächlich um eure persönliche musikalische Entwicklung. Was wäre denn bisher der stärkste Flash Forward Song?

Stille

Okay, sagen wir anders. Von der Entwicklung her der Song, der sich am Meisten von den Anfängen unterscheidet.

Gerrit: „Payback“.
Tino: Der ist auf jeden Fall anders als die Sachen die wir davor gemacht haben.
Jakob: Unser Ziel war ja mit dem Album eher Kanten zu zeigen und mehr das zu machen was Spaß macht und abgeht. Und da ist „Payback“ der perfekte Song, um das zu zeigen. Auch gerade mit dem Feature von den 8kids. Joa, das geht dann schon ab.

Ist euer größter Meilenstein bis jetzt denn tatsächlich das Album oder gab es in eurer Geschichte noch etwas, was euch mehr geprägt hat?

Tino: Also ich muss tatsächlich sagen – das Album mit der Tour bisher. Da haben wir schon, im Vergleich zu der kleineren Tour die wir Ende 2016 gespielt haben… das ist schon echt ein Sprung. Wo ich auch selber vorher nicht mit gerechnet habe, dass es so krass ist. Was jetzt momentan passiert ist schon die krasseste Entwicklung.
Gerrit: Das ging mit der You Me At Six Tour auch los, weil wir ja auch alle riesen Fans von denen sind. Das war so der Anfang wo wir gedacht haben, alter Falter… dass wir so eine Band supporten dürfen. Dann kam einen Monat später das Album raus und dann die Tour. Dann ging das alles relativ zügig, wie Tino schon sagt, alles was jetzt gerade so abgeht ist das Krasseste eigentlich.

Wenn man Rezensionen über euch liest, dann fällt häufig der Begriff Emo. Eigentlich war das ja mal ein relativ negativ behafteter Begriff, aber ich nehme an, ihr steht da drüber.

Gerrit: Also ich sag mal so, unsere Arme sind völlig frei von irgendwelchen Ritzereien.
Jakob: Im Endeffekt gibt es ja zwei Sachen. Einmal das musikalische und einmal die Leute. Und rein musikalisch gibt es auch viele Sachen die wir gut finden oder gut fanden…
Tino: Ich hab neulich bei Facebook noch einen Zusammenschnitt gesehen, mit der Überschrift „Emo-Songs aus den 2000ern“ und da wurden immer 5 Sekunden von Songs abgespielt, und jeder Song, der da lief, fand ich halt geil. Da waren halt alle dabei, Fall Out Boy, 30 Seconds to Mars
Gerrit: Und wenn man den Namen Flash Forward mit Emo Bands in einem Atemzug wie Fall Out Boy hört, kann man sich nicht beschweren.

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Ich hab ein Interview von Ende 2016 gelesen und das war ganz süß, da habt ihr über die Donots gesprochen und wart ganz glücklich, dass ihr die getroffen habt und wie aufgeregt ihr wart. Wie ist es denn jetzt, habt ihr sie mal wieder getroffen, hat sich die Aufregung gelegt?

Jakob: Also ich kann aus meiner Sicht sagen, da hat sich nichts verändert. Es ist nach wie vor so, wenn man Bands sieht, die man gerne hört oder von denen man den Eindruck hat, dass es halt eine geile große Band ist, dann ist man immer so im Fan-Boy-Modus und hat Schiss die anzusprechen und sagt lieber gar nichts als etwas falsches. Mittlerweile haben wir zumindest auf einem Festival schon mal mit denen gespielt und hoffentlich kommt es noch mal.

Wollt ihr noch etwas loswerden?

Gerrit: Wir hatten Angst, dass du fragst, woher der Name Flash Forward kommt, ein Glück hast du das nicht gefragt (alle lachen).

Vielen Dank für das nette Interview, ich hoffe wir sehen uns auf dem Hurricane wieder! Wer Flash Forward diesen Sommer noch live erleben möchte, hat auf folgenden Festivals die Chance dazu:

Flash Forward Live

  • 22.06. – Hurricane Festival, Scheeßel
  • 24.06. – Southside, Neuhausen ob Eck
  • 07.07. – Raus ausm Keller, Egelsbach
  • 28.07. – Free & Easy, München
  • 03.08. – Rock im Moor, Boberow
  • 04.08. – Baum und Borke, Borkheide
  • 10.08. – Olgas Rock, Oberhausen
  • 11.08. – Rock den Lukas, Tarmstedt
  • 08.09. – Rock am Teich, Hürth

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