Francis

Foto: Sofia Stolpe

Gut Ding will Weile haben! Das haben sich wohl auch Francis aus Schweden gedacht, wenn es um ihre internationale Erstveröffentlichung geht. Bereits 2011 kam in Schweden das Album „Lekomberg, We Were Kin” heraus, 2012 folgte die großartige EP „This Must Be Blood”. Seitdem hörte man von der Gruppe rund um Sängerin Petra Mases nur noch wenig bis gar nichts. Jetzt aber ist es endlich soweit und „Marathon” (dessen Name ganz bestimmt als eine Anspielung auf die lange Zeit bis zur Fertigstellung des Albums zu verstehen ist), ihr internationales Debüt, ist fertig und in den Läden! Das Album, auf das ich jahrelang gewartet habe, ist endlich da – Gelegenheit zum Freudentaumel, noch bevor der erste Song läuft.

Francis - Marathon (Album-Cover)

Francis sind seit jeher dafür bekannt, tolle und eingängige Melodien zu schreiben, die ins Ohr gehen und stecken bleiben, jedoch nicht generisch wirken. Dieses unheimlich stark ausgebildete Talent zeigen sie auf „Marathon” in ganz großem Stil! Das geht schon beim Opener „Bridges” los, dessen herzzereißende und sensüchtige Melodien direkt ins Herz gehen. Wenn Mases dann noch mit ihrer klaren und herzerwärmenden Stimme einsetzt und sing, ist man endgültig schon Feuer und Flamme für das, was noch kommen wird. „Bridges” fängt den Hörer ein, wie es sonst nur wenige Opener können!

Das Album ist über die gesamte Laufzeit von elf Songs und 47 Minuten hinweg voll von solchen Songs, die einen jedes Mal reinziehen in die Welt, die die Band in den Songs atmosphärisch so perfekt aufbaut. „Turning a Hand” ist ein großartiges Beispiel dafür, wie toll Melodien wirken können und wie geschmeidig sich Mases Stimme über die Instrumentalisierung legt. Darüber hinaus hört man ihr auch einfach gerne zu, wenn sie über Zwischenmenschlichkeit mit all ihren Problemen und Großartigkeiten singt. Stets liegt es auf der Hand, dass sie Leib und Seele in ihre Texte und ihren Gesang investiert.

Die Qualitäten von Petra Mases als Sängerin werden vor allem im Track „Eva” klar. Mit bedeutend zurückgesetzter Instrumentalisierung und einigen Hintergrundgesängen arbeitet sie sich durch diesen zugleich wunderschönen und textlich zutiefst traurigen Song. Alles um einen herum wird in diesen Augenblicken unwichtig, man schließt die Augen und hört ihr zu. Es baut sich eine fast schon intime Atmosphäre auf.

Francis wissen ganz genau, wie sie Emotionen mit ihrer Musik hervorrufen und sie können das ganz hervorragend umsetzen. „Horses” weckt glückliche, fast schon euphorische Gefühlslagen beim Hörer und erinnert somit ein Stück weit an die „This Must Be Blood”-EP, wie es auch beim Closer „Follow Me Home” der Fall ist. Hier finden sich eine tolle Bassline, verträumte Gitarrenmelodien und zurückgelehntes, aber trotzdem bestimmtes Drumming vor. Warum sollte man dieser musikalischen Schönheit nicht nach Hause folgen?

In jedem Fall ist es aber egal, welche Emotionen sie in ihren Stücken transportieren, weil sie immer authentisch und ehrlich erscheinen. Sowohl die Instrumentalisierung, als auch die der Gesang wirken niemals falsch oder überschönt. Gerade deswegen lässt sich man jeden der Songs auch sofort so nahe an sich heran. Man öffnet sich und lässt Emotionen wirken – Sehnsucht, Herzschmerz, Glückseligkeit, Zweisamkeit, Einsamkeit – es ist alles in bewegender Weise dabei. „Marathon” ist von vorne bis hinten und oben bis unten ein ausnahmslos gelungenes Indie-Pop-Album, der perfekte Begleiter bei der einsamen Bus- oder Zugreise und dafür kann man Francis gegenüber nur dankbar sein.

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