fuadadeimuada

Musik in Mundart – der erste Gedanke hierzu lautet bei einer Menge Musikliebhabern: Muss das sein?! Gerade hier im Norden sind wir diesbezüglich eher Kummer gewohnt, Nordisch by Nature ist zwar noch erträglich, doch Kapellen wie De Fofftig Penns verderben den Spaß am Niederdeutschen. Doch auch der flüchtige Blick gen Süden lässt das vorverurteilende Auge zunächst stumpfen Schlager sehen und sich abwenden.

Phänomene der Indieszene aber haben uns gezeigt, dass ja heutzutage sogar Schlager klar geht – Dagobert! – und Dialekt ebenso – Wanda! Warum also nicht einer Band, die in ihren Songs der bairischen Mundart fröhnt, eine Chance geben? Immerhin erscheinen die Landshuter Herren beim sympathischen Indie-Label Fettmusic, die schon Noisiv-Lieblinge wie Manual Kant oder Ibrahim Lässing hervorbrachten. Passend zum Titel kommt die Promo des zweiten Albums „Flucht aus Goaßmass City“ von Fuadadeimuada im wundervollen „DIY Goaß Kit“ bestehend aus dunklem Bier, Cola und Kirschschnaps, aus denen sich das in der dortige Region beliebte Getränk zusammensetzt. „Flucht aus Goaßmass City“ setzt sich ebenso aus mehreren Komponenten zusammen, nämlich zwei CDs mit EP-Länge: „Verliebt“ und „Sehr betrunken“. Weil unsere Liebe zu bairischem Gesang sich nun noch manifestieren soll und die Goaß noch nicht ins Blut gelangt ist, beginnen wir erstmal mit der verliebten Scheibe.

Mit einer Ode an „Longboard Lisa“, die aufm hoassn Teer fährt, begrüßen uns Fuadadeimuada und das Ohr gewöhnt sich langsam an verliebtdie ihm noch so fremde Sprache. Der eingängige Refrain lässt sie aber schon nach kurzer Zeit in den eigenen Mund wandern, noch bevor der Kopf sich überhaupt zu wundern beginnt, dass bairisch wohl auch in cool geht! Das melodische „Schwarze Fliang“ hingegen spricht zunächst die Sprache, die jeder versteht: Mit Nanana-Chören liefern die Landshuter gleich den nächsten Poprock-Hit ab! Mit eindringlicher Stimme intoniert Sänger Sebastian genau das, was sich diese erste CD der Doppel-EP zum Motto macht:

Lass de Augen zua, I her nur auf dei Herz! Pass auf, wir radeln durch a Woikn aus gloane schwarze Fliang!

Dass Fuadadeimuada ein extrem gutes Gespür für tolle Hooklines haben, beweist auch „I dua nur so“ – verdammte Axt, die norddeutsche Engstirnigkeit muss sich geschlagen geben und man kann einfach nicht mehr anders, als im Outro mit einzustimmen: „Kumm deama so ois hätt ma was zum doa!“ Was das Quartett hier abliefert, macht einfach einen wahnsinnigen Spaß! Und ob das Ganze auch so gut funktionieren würde, hätte man sich unten in Bayern doch lieber dem Hochdeutschen hingegeben, ist anzuzweifeln – gerade die Sprache gibt dem Ganzen erst den richtigen Charme und ist eine gelungene Abwechslung vom hundertsten Hamburger Singer-Songwriter, der sein großstädtisches Gegrübel besingt. Fuadadeimuada versetzen uns hinein in den Traum der idyllischen Provinz zwischen dem „Hasenklee“, der im abschließenden Stück von EP Nummer eins besungen wird, und der Goaßmass, die sich auch langsam leert – kein übler Tropfen!

sehrbetrunkenNun also trotz weiterhin noch vertretbarem Pegel weiter zur zweiten CD, auf der die Worte „Sehr betrunken“ prangen und sogleich in „Unter deim Voodoo“ die Fuzz-Regler nach rechts gedreht werden! Und wen hören wir da eigentlich auf „Gemma weg“? Hat die Goaß doch so arg angeschlagen?! Nee, das isser doch! Ibrahim Lässing! Schon mit seinem Solo-Minialbum „Kaugummiautomat“ wusste er nachhaltig zu beeindrucken und die punkige Attitüde bringt er auch in seiner Hauptband Fuadadeimuada prächtig unter, schreit sich mal wieder die Seele aus dem Leib, nur hier ohne die verzerrenden Effekte und eben auch ohne Hochdeutsch. Steht ihm aber auch gut zu Gesicht – selbst in einem zunächst etwas zu aufgedreht wirkenden Song wie „Karnudeldudeldu“. Wie schaffen diese Typen das, uns sogar mit Textzeilen wie „Stopf mi in dein Beidel wia a Känguru“ so prächtig zu unterhalten?! Das ist alles viel zu gut, um da nicht zumindest ordentlich mit dem Fuß zu wippen!

Abschließend lässt sich wohl einfach im Sinne des Rausschmeißers festhalten: „Hey, i mog des“, denn Fuadadeimuada machen alles richtig! Die richtige Portion Garage trifft auf die nötige Poprock-Grundlage, auf der diese eigentlich doch sehr hübsche Sprache sinnvoll funktionieren kann. Heraus kommt stimmungsaufhellender Powerpop, geschmackvolle Feiermusik, hochqualitative Mitsing-Nummern und der Beweis, dass Mundart total super sein kann!

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