Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Das Jahr 2016 neigt sich mit unaufhaltbaren Schritten seinem Ende entgegen – das merkt man sicherlich nicht nur mit Blick auf unsere exzessiven Alben- und Konzerte-Bestenlisten. Zieht man in Betracht, was in diesem Jahr alles passiert ist, möchte man am Liebsten, dass dieses verkorkste 2016 noch schneller davonzieht, aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Doch ganz so einfach geht es dann doch nicht, denn Grand Hotel van Cleef hatte da noch ein Ass im Ärmel! Denn erstmals veranstaltete man die jährliche Weihnachtsfeier als öffentlichen Konzertabend im Hamburger Knust. Mit dabei: Rob Lynch, Patrick Richardt, Yellowknife und Recreations.!

Yellowknife und Recreations. als Pausenfüller

Den Anfang übernahm Tobi Mösch alias Yellowknife, der mit seiner Live-Band auftrat. Im letzten Jahr veröffentlichte er sein Solo-Debüt „Wooden Future“ und die Songs, die er live spielte, wussten durch eine enorme Kraft zu fesseln. Es ließ sich viel Leidenschaft heraushören und sowohl die lauteren Tracks, die auch gut nach vorne gehen, als auch die ruhigeren Stücke kamen toll rüber. Sean fühlt sich an die frühen Biffy Clyro – ein Vergleich, den ich einfach mal so stehen lasse (weil ich mit den Schotten an und für sich nicht wirklich etwas anfangen kann).

Meinetwegen hätte der Auftritt auch gerne noch weiter andauern dürfen, allerdings war das Set nach ca. 35 Minuten auch schon wieder vorbei. Ich nehme mir gedanklich vor, mir besagtes Album in einem ruhigen Moment näher anzuhören und wir wechseln ins Foyer.

Dort fing fast direkt nach Set-Ende nämlich Sam Duckworth aka. Recreations. den ersten Teil seines Sets an. Die Idee hinter dem Timetable ist an und für sich ziemlich cool: Ein Künstler spielt in der Halle, während der Umbaupausen überbrückt Duckworth dann die freien Minuten.

Wie gesagt: Hört sich auf Papier sehr sinnvoll an, funktionierte für mich dann aber doch nicht hundertprozentig. Mir fehlte der rote Faden, der musikalische Zusammenhang in den Songs. Kreuz und quer ging es durch verschiedenste Genres. Einerseits zeigt das natürlich Durchworths vielseitige musikalische Gedankenwelt, andererseits führte das wiederum auch dazu, dass es bei uns nicht zündete und wir so wieder Richtung Halle wechselten.

Patrick Richardt: Erster Auftritt seit zweieinhalb Jahren

Nach dem ersten Auftritt von Recreations. ging es dann in der Halle weiter: Patrick Richardt spielte dort sein erstes Konzert seit über zweieinhalb Jahren mitsamt neuer Band. Ein Blick auf seine Facebook-Seite reicht völlig aus, um zu sehen, dass die Leute ihn vermisst haben, während er scheinbar komplett untertauchte.

Nun steht er also wieder auf der Bühne und dementsprechend freudig reagierte das Publikum auf ihn und seine Songs. Mit dabei hatte er auch seinen neuen Song „Soll die Zeit doch vergehen“, darüber hinaus spielte er Songs von seinem Album „So, wie nach Kriegen“. Musikalisch steckt er irgendwo im Indie-Bereich mit einigen Pop-Rock-Elementen.

Dementsprechend weit steht er also außerhalb meines Metiers – es war einfach nicht meins. Nichtsdestotrotz kann und muss ihm gebührender Respekt dafür gezollt werden, dass er es schaffte, das Publikum für sich zu fesseln. So fair kann man dann auch ruhig mal sein.

Rob Lynch zieht die Menschen in seinen Bann

Nach dem zweiten Recreations.-Set kam es dann zum Headliner des Abends: Rob Lynch! Gespannt blickten alle auf die Bühne, als plötzlich ein Weihnachtswichtel auf die Bühne kam. Es war besagter Rob Lynch, stilecht und dem Anlass gerecht verkleidet – für den ersten Lacher hat er also direkt schonmal gesorgt! Etwas später kam auch seine Band auf die Bühne, die allesamt Weihnachtsmann-Bärte trugen. Da wussten wir bereits: Der Auftritt wird Spaß machen!

Nach diesem Intro mit „Feeling Good“ zog er das Kostüm dann aus und es ging richtig los. Insgesamt wurden 18 Songs aus seinen beiden Alben „All These Nights in Bars Will Somehow Save My Soul“ und „Baby, I’m A Runaway“ gespielt und von „Stamford“ über „Widow“ (welch großartiger Song) bis hin zu „Runaway“ wussten er und seine Backing-Band zu überzeugen. Einen Makel gab es dann aber doch, für den er aber wenig kann: Für „Closer“ bat er das Publikum ruhig zu sein. Der hintere Bereich der Crowd ignorierte diese Bitte aber gekonnt, was Lynch wiederum sichtlich nervte, der den Song dann aber trotzdem schön durchzog.

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Danke für einen schönen Jahresabschluss

Das Finale des Sets war dann „My Friends & I“ – ein gebührender Abschluss für einen insgesamt schönen Abend. Ich für meinen Teil hätte mir zumindest keinen schöneren Abend wünschen können. Einerseits war dieser Abend das letzte meiner 64 Konzerte und Festivals im Jahr 2016, andererseits waren viele Bekannte, Kollegen und Freunde vor Ort, mit denen man das Konzertjahr schön ausklingen lassen konnte in einem meiner liebsten Hamburger Clubs.

Insofern werde ich diesen Abend also in schöner Erinnerung behalten. Insbesondere Yellowknife und natürlich Rob Lynch haben mich auf voller Linie überzeugt und wirklich gefesselt! Eine schöne Weihnachtsfeier war es!

Alle Fotos vom Abend

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