galaxis

Belasse den Planeten in seinem maroden Selbst, bevor ich zu dem werde, was mich sonst zerstört, verlasse ich das Hier und Jetzt um zu sein, bevor ich’s werden kann. Erhebe mich aus diesem Elend, steige auf zu neuen Sphären, wo ich neu entstehen kann. Und so wurde ich zu Giulio Galaxis!

Mit diesen einleitenden Worten werden wir in die Welt von Giulio Galaxis geworfen. Über die Schöpfer jener Kunstfigur erfährt man nicht viel – fünf Jungs aus dem Raum Saarbrücken haben Giulio Galaxis erdacht und vor Kurzem ihr erstes Album unter jenem Namen veröffentlicht. Womit man nach diesem hochtrabenden Sci-Fi-Intro rechnen kann? Tatsächlich spielt das Quintett melodischen deutschen Punkrock mit Hardcoreeinschlag – für dieses Genre sicher nicht gewöhnlich, das Werk unter ein solches Konzept zu stellen.

Woher Giulios Wunsch zur Weltenflucht kommt, erklärt dann auch der selbstbetitelte zweite Song: „Verliere den Bezug zu dem was ihr Heimat nennt! Endlich im Weltall!“ giulio_cover1ranzt der Sänger ins Mikro, begleitet von wilden Drums und einer anständigen Gitarrenwand. Die Giulio Galaxis-Story fügt sich also doch gut ins Genre ein, wenn politische Statements hier so gut untergebracht werden. Das ist auch der generelle Tenor im weiteren Verlauf der Platte. Mit Wut im Bauch lässt Giulio in Songs wie „Offline“ gegen Pegida und Konsorten vom Stapel: „Ihr wollt das Volk sein, und doch seid ihr nichts!“, auch in der Videosingle „Geh verrückt“ bezieht man sich offenbar auf diese leider noch immer aktuelle Thematik:

„Wenn ihr marschieren wollt, tut das bitte ohne mich! Und links, und rechts, und eins, und zwei, und gerne Richtung Hölle!“

Das eingägige „Keine Palmen in der Heimat“ wirkt wie ein Hybrid aus Turbostaat zu Anfangszeiten und …But Alive – also extrem gut, für uns der beste Song des Albums! Von „Stacheldraht und Festbeleuchtung“ singt Giulio in emotionalem Krakehltonfall bei „Maulwurf“ – das lässt sich auch gut als Beispiel für die allgemein hervorragend gelungene Gesellschaftskritik heranziehen, die auf dem Debüt der Gruppe in prägnante Worte gefasst wird. Jörkk Mechenbier von Love A findet die richtige Umschreibung für dieses rundum gelungene Album: Weit weg von Bollo-Hardcore Marke „Unterhemd , Schlagring und nichts zu sagen, kommt hier die goldene Ära des Positive-Hardcores zurück – allerdings mit cleveren Texten in deutscher Sprache!Giulio Galaxis rettet mit diesem Album zumindest ein bisschen die Welt – auch, wenn er sie selbst schon verlassen hat!

Bei Last Exit Music gibt’s das Ganze auf CD, Tante Guerilla hat die Vinyl-Version da!

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