Gloria 01

Klaas Heufer-Umlauf dürfte inzwischen so ziemlich jedem ein Begriff sein und auch seine Band Gloria, in dessen Rahmen er mit Mark Tavassol von Wir sind Helden zusammenarbeitet, gewinnt zunehmend an Popularität. Aktuell ist die Gruppe zusammen mit Ben Galliers als Support auf Tour unterwegs. Eine der Tour-Stationen war die Essener Weststadthalle.

Das dortige Konzert am vergangenen Freitag habe ich mir angeschaut, denn ich stellte mir im Vorfeld die Frage, inwiefern sich vor allem Klaas inzwischen als Sänger beweisen kann. Dem Circus-Halligalli-Moderatoren traut man eben nicht unbedingt die Rolle als ernstzunehmenden Pop-Musiker zu. Gerade deswegen wollte ich mir selbst ein Bild davon machen, wie Klaas sich denn so macht.

Ben Galliers: Zwei statt vier, trotzdem toll

Den Support übernahm, wie bereits gesagt, Ben Galliers mit seiner Band – besser gesagt mit einem seiner drei Bandkollegen. Üblicherweise tritt die Gruppe zu viert auf, allerdings sind sie auf dieser Tour als Duo unterwegs. Der Grund dafür ist laut Galliers ein ganz einfacher: Gloria hatten in ihrem Tourbus nur zwei verfügbare Plätze. Das zwang das unfreiwillige Duo, ihre Songs umzustrukturieren und andere Wege zu finden, um ihre Werke zum Publikum zu transportieren.

Das wiederum schafften Ben Galliers und Felix Hoffmann hervorragend. Sie experimentierten mit Drum- und Loop-Machines, interpretierten ihre eigenen Songs neu und schafften es so, in kleiner Mannstärke einen intimen und mitunter sogar imposanten Sound zu produzieren.

Generell zeigten die beiden, was man alles anstellen kann, wenn man einfach die Ideen hat. Wenn dann noch ein so hervorragender Sänger, wie eben Galliers hinzukommt, der kluge Texte und viel Gefühl ohne großes Tamtam oder unnötige Tragik herüberbringt, kommt ein Gesamtbild zustande, das wirklich beeindruckt.

Sogar das Publikum wurde mit einbezogen, aufgenommen und über die Loop-Machine im der Musik eingebunden. Ob das glückt oder nicht, hängt natürlich von der jeweiligen Crowd ab – nach einigen wenigen Versuchen war diese aber voll dabei und entlockte Galliers so ein ehrliches Grinsen.

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Gloria: Heufer-Umlauf ist keineswegs zu belächeln

Gloria 02

Nach dem hervorragenden Support gaben sich anschließend Gloria die Ehre. Die Band hat einige klug komponierte Songs im Portfolio und die Songs wirken ehrlich ohne große Spiele. Das wiederum kommt so auch live herüber – viel eher kommt ihr Sound live noch ein Stück weit kraftvoller herüber, was anhand der Anzahl der Musiker, die auf der Bühne am Gesamtsound mitwirken, aber auch nicht überrascht.

Überhaupt haben Heufer-Umlauf und Tavassol einige gute Musiker um sich gesammelt, die die Songs sehr sicher und selbstbewusst spielen, was der optischen Präsentation auf der Bühne sichtlich gut tut. Tim Schierenbeck ist beispielsweise ein hervorragender und kraftvoller Drummer und Marcus Schneider fliegt über seine Gitarre und spielt die Songs locker flockig aus dem Ärmel – das gefällt.

Auffällig war dann als gewisser Kontrast wiederum Heufer-Umlauf. Der steigerte sich deutlich in seine Texte hinein und wollte diese bestmöglich singen. Das gelang auch – seine musikalischen Versuche sind keineswegs zu belächeln. Seine Konzentration führte aber auch zum beständigen Klammern an Mikrofon- und ständer, jede Zeile sang er mit geschlossenen Augen. Ich für meinen Teil würde gerne etwas mehr Offenheit und Selbstbewusstsein sehen. Dass es ihm an letzterem nicht mangelt, dürfte ob seiner anderweitigen Verdienste mehr als naheliegend sein. Es würde seine Bühnenpräsenz sicherlich noch weiter verbessern, wenn er auf der Bühne etwas lockerer agieren würde.

Dass genau das bei ihm vorhanden ist zeigten die Ansprachen zwischen den Songs: Gut gelaunt warfen er und Tavassol sich Anekdoten und Späße um die Ohren. Dabei wurden auch jede Menge indiskrete Geschichten aus dem Showbiz zum Besten gegeben, die die sehr intime und enge Atmosphäre auflockerten und für viele Lacher gut waren.

Kann man sich definitiv anhören

Insgesamt hat mir der Abend mit Ben Galliers und Gloria durchaus gut gefallen. Ben Galliers ist ein hervorragender Sänger und zusammen mit Felix Hoffmann strahlen die beiden wahrlich viel Kreativität aus. Dass man die Songs so wohl nie wieder hören wird, macht das Erlebnis noch einmal etwas spezieller und ich freue mich ganz ehrlich, dass ich mir das anhören durfte.

Gloria auf der anderen Seite sind eine hervorragende Band, die hervorragend mit dem Publikum interagiert und die guten Songs live sehr gut transportiert. Klaas Heufer-Umlauf profiliert sich zunehmend als ernstzunehmender Musiker – eine Seite, die ich ihm vor wenigen Jahren beileibe nicht zugetraut hätte.

Sofern ihr euch für guten komponierten Pop ohne Schnörkel mit klugen Texten begeistern könnt und in den nächsten Wochen die Gelegenheit habt, die Band live zu sehen, werdet ihr wenig falsch machen. Die weiteren Shows der aktuellen Geister-Tour findet ihr in der unteren Auflistung. Sofern ihr wissen wollt, was Tavassol und Heufer-Umlauf zum neuen Album zu sagen haben, kann ich euch Tims Interview mit den beiden ans Herz legen und auch ein Review zu Geister findet ihr hier im Blog.

Gloria Geister-Tour: Die nächsten Shows

  • 23.10. – Münster, Skaters Palace
  • 24.10. – Hamburg, Gruenspan
  • 25.10. – Hamburg, Uebel & Gefährlich
  • 12.11. – Rostock, Helgas Stadtpalast
  • 13.11. – Leipzig, WERK2-Kulturfabrik
  • 14.11. – Magdeburg, Moritzhof

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