goldstein

„Erzähl‘ aus deinem Leben, was bewegt und was quält dich? Red‘ es dir straight von der Seele, aber Maske ab! Mann, die steht dir eh nicht!“

In einer Zeit, in der Hip-Hop-Deutschland regelrecht überschwemmt von maskierten Rappern mit wirren, überzogenen Images aus unzähligen Online-Turnieren ist, dachte man im vergangenen Jahr zunächst, das „MOT“ sei nur ein weiterer Verschnitt der bekannten Formate. Glücklicherweise entpuppte sich das vom Splash-Mag initiierte „Moment of Truth“-Turnier als erfrischende Alternative zu VBT und Konsorten, in der sich die sinnvoll vorselektierten Teilnehmer interessanten Aufgaben wie Coverversionen bekannter Rap-Tracks stellten. Den Sieg trug dabei ein junger Mann davon, dessen Name zuvor den wenigsten bekannt gewesen sein dürfte: Gold Roger aus Dortmund überzeugte Zuschauer und Jury gleichermaßen mit lässigem Style und den trotz seiner Sunnyboy-Anmutung hervorragend treffenden Punchlines.

Seitdem ist einiges passiert – Gold Roger knüpfte Kontakt zum ebenfalls am MOT teilnehmenden Veedel Kaztro und so auch zu dessen Labelheimat Melting Pot Music. Zwischenzeitlich tourten Roger, Veedel und der ebenso boombap-verliebte Johnny Rakete durch Deutschland – über ihren Tourstopp in Hamburg berichteten wir an dieser Stelle. Und nachdem Roger zunächst ein Mixtape ankündigte, wurde dann doch schnell sein Debütalbum daraus: Es hört auf den Titel „Räuberleiter“ und erscheint am 5. Juni bei – na klar – Melting Pot Music!

Wie er es schon in der Vorabsingle „MLXMLK“ zu verstehen gibt, geht es für Gold Roger zwar auch um „Rap über Rap“, aber besonders um autobiographische Inhalte und sogleich beweist er das in „Blätter im Herbst“, das sich Rogers Skateboarding-Laufbahn zum Beispiel nimmt und dabei auch vieles weitere auf seinem bisherigen Lebensweg thematisiert. raeuberEbenso untermalt er sein darauffolgendes Versprechen „Alles wird gut, alles okay!“ mit Szenen seiner Vergangenheit zwischen Geldsorgen und politischem Idealismus. Dass er zu letzterem immer wieder textlich Stellung bezieht, zeigt auch „Redenreden“, in dem er gegen die deutsche Polizei und Ausländerpolitik schießt. Noch klarer kommt das Statement dann in „Yunus“ durch, denn „diese Welt hier wird regiert von neidischen Nazis“ und Gold Roger weiß das in smarten Zeilen perfekt zu unterstreichen. Trotz ihrer teils brisanten Inhalte legt er sie meist recht laid back auf die geschmackvoll ausgewählten Beats und macht das Hörerlebnis von „Räuberleiter“ trotz aneckender Lyrics zu entspannten 40 Minuten.

Fang‘ mich an zu schämen, im Land zu leben, wo man sie zum Gruß eher erhebt, als sich die Hand zu geben! Und man könnt‘ schwören, ihr wärt Frisöre, weil keiner sich schämt, alle anderen über einen Kamm zu scheren!

Noch etwas mehr in-die-Fresse kann Roger dann aber doch: Politisch geht’s auch auf dem bretternden „Pisse“, in der seine von Verzerreffekten überlagerte Stimme Rage Against The Machine rezitiert: „Fickt euch, ich werd‘ nicht tun was ihr mir sagt!“

Was für ein Glück, denn Gold Roger grenzt sich hörbar auch von einem Großteil der Rapszene ab, zieht sein Ding konsequent durch und liefert so mit „Räuberleiter“ ein absolut stimmiges Debüt ab. Dem fehlt es weder an guten Beats, beispielsweise von den auch als Featuregästen präsenten Dramadigs, noch an pointierten Zeilen zu ausgewählten Themen. Mal hat Gold Roger den „Powerrangerblues“ und gibt sich deep, wie Deutschrap das so nennt, mal rappt er ganz konkret über Persönliches wie in „Gürhan“, über Politisches oder ist auch einfach mal „high von dem Weed“ im „Khalifa Freestyle“. Dass die Bitches Basti lieben, wirft er hier selbst schonmal in den Raum – dass all diejenigen sein Album lieben werden, die Bock auf guten Hip-Hop abseits von Phrasendreschern und Maskenträgern haben, prophezeihe ich hiermit. Die Räuberleiter zum Szeneerfolg hat sich Gold Roger auf jeden Fall mit diesem Debüt aufgestellt und möge sie nun hinaufklettern!

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