Adia Victoria 1

Adia Victoria im Hafenklang, Hamburg (Fotos: Babak Kidney, noisiv.de)

Zieht euch dicke Socken an, schmeisst sieben Äste in euren Kamin und Einweggrill und öffnet diesen kleinen Konzertbericht auf eurem mobilen Lesegerät. Letzte Woche, der erste Schnee lag noch in weiter Ferne, zog es mich an einem kühlen Donnerstag Abend ins Hafenklang in Hamburg. Die US-Alternative- und Blues-Künstlerin Adia Victoria hatte sich angekündigt, mit im Gepäck die schönsten Stücke aus ihrer Debüt-LP „Beyond The Bloodhounds“, sowie ihr Tour-Support Gatwick.

Gatwick, das Duo um Edina (Vocals/Keyboard) und Lukas (Schlachzeug) bestrahlte den kleinen Club mit isländischer Melancholie und Klangkunst, erinnerte mit seiner spielerischen Leichtigkeit an verträumte Sommerabende im Stadt Park. Den Namen verdankt das Projekt im Übrigen der aufmürbenden Warterei des Drummers Lukas, der am gleichnamigen Flughafen nahe London, das Flugverbot am Rande der Aschewolke des Eyjafjallajökulls vor sechs Jahren, auszusitzen hatte. Der „Rise from the Ashes“-Spruch ist geschenkt: ich danke der Wolke für die wittrigen Umstände.

Ein kühles Bier und ein paar weitere kühle Unterhaltungen später, sollte die leere Bühne an der Großen Elbstraße endlich wieder Feuer fangen: Adia Victoria betritt die Bühne. Gehüllt in schwarzem Sakko, umgeben von ihrer Band und einer Menge aus Körpern in Jack Wolfskin-Jacken und erwartungsvollen Augen. Ihre Setlist, eine Reise quer durch ihr Debüt „Beyond The Bloodhounds“, dessen Melodien das wundersame Kunststück zwischen einprägsamen Pop und der rauen Mentalität des Blues hinbekommen.

Adia Victoria hält sich, wie auch der überwiegende Teil des Publikums, an diesem Abend eher bedeckt und lässt überwiegend ihre Songs sprechen. Der romantische Charme amerikanischer Musikkneipen findet sich trotzdem in den kleinen Momenten wieder. Etwa, wenn sie ihre Verehrung für den „King of the Delta Blues“ Robert Johnson darlegt und ein schönes Cover seines „Me and the Devil Blues“ vorlegt. Aber auch ihr Kater kommt zur Sprache, welcher mit dem Stück „Mortimer’s Blues“ seinen eigenen Blues erhält.

Adia Victoria 2

Die Blues-Sängerin aus Nashville, welcher gerne auch das Genre „Gothic-Blues“ angekreidet wurde, legte ihre Seele in die schönsten Stücke ihres Albums, welches sie auf ihrer Tour bereits komplett ausverkaufen konnte. „And Then You Die“ ist eines dieser Stücke, welche gen Ende genauso ihrer Explosion in die Arme rennen, wie die letzten Stücke großer Rockplatten.

„Dead Eyes“ und „Out of Time“ vergewisserten das Publikum, dass ihre Stimme auch über die ganze Laufzeit mit Band funktionieren, während man sich bei Slow Jams wie „Stuck in the South“ gerne wünscht, ihr auch einfach nur beim jammen zuzusehen. Ein toller Abend ist das mit dir gewesen, Adia!

„Beyond The Bloodhounds“ ist am 13. Mai via Atlantic Records erschienen.

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