Boys in the Street

Foto: Screenshot YouTube / Greg Holden

Der Titel über einen homosexuellen Mann, dessen konservativer Vater seinen Sohn erst am Todesbett lernt zu akzeptieren, hat das Potential zu einem der großen Popballaden dieser Jahre zu werden.

Ein wenig verwunderlich ist es ja schon: bei allem Erfolg der internationalen LGBT-Bewegungen in Ländern die nicht zufällig Russland oder Uganda heißen, lässt die Popmusik diese Erfahrungen zuweilen noch vermissen. Männer singen weiter über Frauen, Frauen weiter über Männer, während die Popkultur via Kino und Fernsehen dem Schicksal gleichgeschlechtlicher Liebespaare langsam aber sicher den verdienten Respekt zollt.

Und nun kommt Greg Holden: in Boys in the Street versetzt sich der gebürtige Schotte in die Rolle eines Homosexuellen, dessen Vater ihn nicht anerkennen will – bis sie sich am Todesbett wiederbegegnen. Das Stück ist ein klassischer Tearjerker, schon nach dem ersten Hören gibt es für Tränensäcke und Klinex kein Halten mehr. Schmalzalarm, you’ve been warned.

Der Wirkung des Titels bewusst, setzt Regisseur Brett Sullivan folgerecht auf kahle Holzfiguren, welche die kaltherzige Lebenssituation zwischen Vater und Sohn oscarreif in einem leblosen Kammerspiel nachstellen. Holden selbst darf sich in seinem Paradestück natürlich auch nochmal blicken lassen, auch wenn es eigenen Aussagen zufolge keine autobiographischen Züge enthält. Das Major Label-Debüt des Briten Chase The Sun steht seit August in den Plattenläden und wurde von Greg Wells (u.a. Adele, Katy Perry, One Republic) an den Reglern betreut.

Zuvor haben bereits Years & Years gezeigt, dass man gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen in Popsongs sehr wohl verarbeiten kann. Frontmann Olly Alexander besingt in Songs wie Real oder Memo „ihn“, bleibt darüber hinaus auch in Interviews nicht schweigsam über diese bedauerliche Tatsache: “It is kind of sad to me that we don’t have gay popstars singing about men using a male pronoun, but that could change hopefully.“Olly Alexander, Digital Spy (2015).

Chase The Sun ist am 28. August über Warner Music Germany erschienen.

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