Gus Dapperton
Letztens war ich noch im Hamburger Terrace Hill und durfte das Konzert des Paradiesvogels aus New York erleben. Klar, dass ich nun auch nicht mit einer Review zu Gus Dappertons Debütscheibe hinter dem Berg halte. „Where Polly People Go To Read“ heißt das Album und hält genau das, was die beiden Vorgänger-EPs versprochen haben: beste Pop-Musik, die Dream-Pop und 80er Jahre-Referenzen miteinander verwebt und so gar nicht auf der Suche nach den ganz großen Momenten ist.

Das ist ziemlich erfrischend. Und diese Momente kommen von ganz allein. „Where Polly People Go To Read“ ist ein Album, das beim Hören besser wird. Mit jedem Mal, das man die Platte auflegt, wechselt der Lieblingstrack. Das eine Mal ist das bereits bekannte „World Class Cinema“, dann ist es „Coax & Botany“, das so schön verträumt aus den Kopfhörern tropft.

Letztlich reiht sich Gus Dapperton in eine Reihe mit einigen aktuellen Künstlern ein, die (mehr oder weniger authentisch) eine gewisse DIY-Ästhetik pflegen und sich bewusst entgegen der typischen Popstar-Ästhetik positionieren. Ganz vorne dabei natürlich Billie Ellish, aber auch Dominic Fike, dessen Namen man gar nicht häufig genug nennen kann, kommt mir da in den Sinn. Und das beste: man glaubt Gus Dapperton sogar, dass er diesen Topf-Schnitt und den Lidschatten freiwillig trägt. Deshalb sieht der Typ nicht verkleidet aus, sondern so, wie ein Gus Dapperton auszusehen hat.

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Am besten ist Gus Dapperton, wenn er zeigt was er kann – logisch. Doch häufig tarnen sich seine Songs mit lakonischem Understatement. Das soll so klingen! Wenn er wie im „Fill Me Up Anthem“ kurz vorm Refrain zur Höchstform aufläuft klingt es, als ob er eine ganze Welt in die Betonung einer Phrase reinlegt. Da wird ziemlich schnell klar, was den US-Amerikaner so besonders macht: er ist bereits als Newcomer ein fertiger Artist.

Klar, da ist noch unglaublich viel Potential. Das hört man in jedem Song und ich bin gespannt, ob beim nächsten Album nicht noch ein Executive Producer auf dem Backcover angeführt wird. „Where Polly People Go To Read“ ist ein tolles Album eines tollen, selbstständigen Künstlers, auf den man in den nächsten Jahren definitiv achten sollte. Ob man die Qualität von Gus Dapperton schon jetzt in Zahlen messbar machen kann, sei dahingestellt. Für mich auf jeden Fall ein kleines Highlight im nicht mehr ganz so jungen 2019.