Gus Dapperton Presse

Gus Dapperton

Schlaghosen. Ich verstehe es nicht. Mein ästhetisches Empfinden deckt sich ganz augenscheinlich nicht mehr mit dem eines frisch aus der Schulpflicht entlassenen Teenagers: kurzärmelige Batikhemden, Topfschnitt, Lackschuhe. Egal, spätestens bei der Musik kommen wir wieder zusammen. Zum Beispiel bei Gus Dapperton im Terrace Hill am 27.03.2019.

Der Amerikaner hat bereits eine Handvoll spaßiger Dreampop Singles mit unverhohlenem 80er Touch veröffentlicht und macht sich nun bereit für sein erstes Album namens „Where Polly People Go To Read“, welches bereits am 19.04 erscheinen wird. Mitbringen tut der 22-jährige das Gesamtpaket: den Look, die Stimme, den Pop-Appeal und diesen durchblitzenden Anschein von DIY, der das ganze so sympathisch macht. Selbstgemacht ist alles tatsächlich von vorne bis hinten: In seinen Anfangszeiten produzierte Gus Dapperton sogar Beats für lokale Rapper.

Die Show beginnt denkbar unaufgeregt. Die Band kommt auf die Bühne, klemmt sich hinter die Instrumente und kurz darauf steht auch schon Gus Dapperton vor dem Mikrofon und ich denke, das muss irgendwie die beste Schülerband der Welt sein. Den Altersunterschied möchte ich nicht erneut hervorheben, doch diesen Eindruck eines latenten Generation Gaps werde ich nicht mehr los. Schöne alte Zeit…

Es geht los mit „Gum, Toe and Sole“, doch ich merke schnell, dass ich die Diskographie zwar größtenteils mitsingen, aber nicht benennen kann. Eigentlich immer ein Zeichen für gute Musik bei mir, denn wenn ich nicht skippen muss, schaue ich auch nicht auf’s Display – easy as that.

Scharf, schärfer, Handypic von Marcel

In den kommenden 60 Minuten plus den paar Zerquetschten liefert der Künstler ein Rundumschlag aus seinem Repertoire („Prune, You Talk Funny“ ist natürlich auch dabei), plus einige neue Songs. Die Stimmung ist ausgelassen, das Publikum tanzt, hat Spaß und ist auch sonst ziemlich brav. Fühlte ich mich zu Beginn noch als Außenstehender, cool an die Bar gelehnt und die Fritz-Flasche im Anschlag, um ja nicht unbeschäftigt auszusehen, so bin ich spätestens bei der Mitte des Konzerts selbst am Tanzen und leise am Mitsingen: „I wanna be in the movies…!“

Und natürlich der Humor. Gus Dapperton spart sich ellenlange Ansagen zwischen den Songs oder gar Dankesreden. Stattdessen gibt es trockene Witze, zum Beispiel, wenn er anfängt mit texanischem Akzent zu reden, einfach weil er es kann. Genialer Typ, Künstler eben.

Das Konzert wird getragen von Gus Dapperton, dem Sänger und Performer. Es mach Lust auf mehr, man will sehen, wohin es den Amerikaner noch trägt.  Dieser verträumte Dreampopansatz könnte Gus Dapperton als Sprungbrett dienen, wenn er alles richtig macht. Ich trau dem Jungen zu, bald die ganz großen Pop-Momente zu kreieren. An diesem Abend reicht es bereits dazu, ein bestens gelauntes Terrace Hill zu begeistern.