havarii

Wie wir bereits in unserer Yachten-Review feststellen mussten, wächst und gedeiht die deutsche Szene um Genres, die nahe und fernere Verwandtschaft zum Hardcore aufweisen. Und schon wächst uns hier eine Ranke ins Fenster rein, schon wieder aus Hamburg: havarii. aus Wilhelmsburg – der Stadtteil, der langsam, aber sicher Pauli, Schanze und Altona als Sammelpunkt für alternativ Denkende und Lebende ablöst. „Auf der Elbinsel gibt es noch keine Musicaltheater, die dem Kopfkino die Ecken und Kanten stumpfschleifen“ schreibt das Quartett in seiner Presseinfo zu „Am Ende des Anfangs“, der am Freitag erscheinenden EP von havarii.

Mit Drone-Gewummer geht der neue Fünfteiler los, die erste Videosingle „Maskenball“ gibt den Einstieg und lässt damit die Stimmung erstmal anständig hochkochen, verliert sich in verhallten Riffs und bollernden Trommeln, um am Ende in einem gewaltigen Gitarrenhagel aufzugehen und so das Tor zur lauten und düsteren Welt aufzostoßen, in die uns havarii. auf ihrer neuen Platte führen werden. Denn besonders positiv blicken die abwechselnd von Sänger und Sängerin eingeschrienen Vocals nicht auf das Leben:

Sowas soll ein Leben sein?! Der Putz fängt an zu bröckeln, alles war so sorgsam aufgebaut. Gibt’s nicht was wichtiges zu tun?!
Die Maske rutscht, nur noch kurz halten. Wird endlich Zeit, dich auszuruhen!

Es wird aber alles andere als ausgeruht, auf die düsteren Strophen-Parts von „In Diskrepanzen“ folgen Riffgewitter, auf melodische Passagen folgen knüppelnde Drums. aedahavarii. zeigen Kante, spielen und brüllen sich die Seelen aus den Leibern und erschaffen dabei gewaltige Soundwalle. „Gezeiten“ eröffnen sie mit beunruhigend waberndem Gitarrenfeedback, um aus ihnen dann einen Hybrid aus 80er-Punk und Emo zu formen – und das beste Stück auf „Am Ende des Anfangs“. In den atmosphärischen wie auch den noisigen Parts wird spürbar die Verzweiflung vermittelt, die Sängerin Mareike im Chorus in Worte fasst:

Hör‘ auf zu sagen, dass du mich magst. Hör‘ auf zu sagen, dass du mich liebst. Hör‘ auf zu sagen, dass meine Gefühle wichtig sind. Hör‘ auf zu sagen, dass ich dir wichtig bin!

Mit gut durchdachten Songstrukturen und mit spürbarer Emotion vorgetragenen Lyrics – die an den richtigen Stellen wie in „Zwei Worte“ auch mal ausgelassen werden – bolzen sich havarii. durch die gut zwanzigminütige EP und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Hoffen wir, dass in Wilhelmsburg so schnell kein Musical aufgeführt wird, denn was hier passiert, bedarf dringend eines Nachfolgers auf Albumlänge!

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