Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Im August letzten Jahres feierte das Hamburger Indie-Label Grand Hotel van Cleef seinen 15. Geburtstag mit dem Fest van Cleef auf dem Open-Air-Gelände vor dem Mehr! Theater. Es war ein denkwürdiger Abend, der sich trotz starker Regenfälle hochgradig positiv in die Gedächtnisse aller Anwesenden einbrennen sollte. Damals versprach man übrigens bereits, dass die Feierlichkeiten über das gesamte Geburtstagsjahr hinweg ausbreiten würde.

Nun war es so weit: Jenes Jahr wurde mit dem Heart van Cleef auf dem Open-Air-Gelände von 45Hertz im Schanzenviertel abgeschlossen. Vier Bands sollten an diesem Tag spielen, der Eintritt sollte kostenlos für alle sein, bis die Maximalkapazität des Platzes erreicht sei. Im Vorfeld der Konzertveranstaltung brennte die Sonne zudem bereits zwei Wochen lang über der Hansestadt – eigentlich also beste Voraussetzungen.

Nachdem es am Tagesanfang auch genau danach aussah, änderte sich dies kurz vor Einlass. Dunkle Wolken, starke Windböen und irgendwann: Sturmregen. Infolgedessen: Evakuierung. Die gesamte Crew und alle Bands werden in den überdachten Eingangsbereich gebracht, wo auch schon die ersten Besucher auf den Einlass warteten. Bis ca. 17:30 Uhr sollte die Unterbrechung anhalten. Während dessen: Ideale Unterbrechungsbewältigung. Freibier, Klo-Kolonnen, insgesamt gute Laune – bei dem Wetter! Grand Hotel macht es möglich. Aber ohne starke Regenfälle sind GHvC-Events ja offensichtlich gar nicht möglich, insofern machte sich hier wohl die gesammelte Erfahrung bezahlt.

Gegen 17:30 Uhr endet die Unterbrechung. Nach schnellem Soundcheck können Keele dann endlich ihr Set beginnen. Es geht direkt mit einem neuen Song los (derzeit arbeitet das Quintett am zweiten Album), anschließend ein Stakkato aus druckvollen und leidenschaftlich vorgebrachten Stücken des Debütalbums „Gut und dir“. Vor der Bühne haben sich schon eine ganze Menge Menschen versammelt. Die allgemeine Stimmung ist entspannt, die Band kann sorgenfrei spielen und hat dabei sichtlich Bock.

Nun spielt Grillmaster Flash den zweiten Auftritt des Tages. Moderator Thees Uhlmann hält große Stücke auf den Bremer, mir erschließt sich das Ganze allerdings nicht so wirklich. Lässige, aber weitgehend belangloser Rock wird hier dargeboten. Innerlich habe ich irgendwann einfach abgeschaltet. „Abschalten“ war danach aber nicht mehr drin. Dafür sind Fjørt schlichtweg zu laut. Musikalisch ebenfalls überhaupt nicht meins, allerdings muss man dem Trio durchaus Respekt für ihre Bühnenpräsenz und Performance zollen. Die Crowd jedenfalls hatte richtig Spaß dabei!

Der Headliner des Abends sollte das aber locker toppen: Adam Angst veröffentlichen im September ihr zweites Album „Neintology“ und gaben an dieser Stelle einen Vorgeschmack auf das, worauf wir uns einstellen können. Der Auftritt war Weltklasse, die Meute vom Anfang bis zum Ende in ekstatischer Bewegung. Zu jenem Ende gab Frontmann Felix Schönfuss auch noch ein Akustik-Cover von Oasis‘ Klassiker „Don’t Look Back in Anger“.

Das Glück auf allen Seiten war somit perfekt, der Abend hätte nicht besser enden können, als mit diesem Moment, in dem jede/r den Songtext mitsang. Trotz des anfänglichen Unwetters wurde das Heart van Cleef zu einem denkwürdigen Open-Air-Konzert und zeigte einmal mehr, wieso Grand Hotel van Cleef so wichtig ist für die deutsche Indie-Szene.

Fotogalerie: Heart van Cleef 2018