Was ist Heinz Strunk? Pop oder Poesie? Kunst oder Comedy? Der Ausnahmekünstler von Hamburgs falscher Seite der Elbe verwirrt und verzückt meist zu gleichen Maßen in seinen Werken, die sich nicht nur auf Musik beschränken. Gefeiert wurde Strunk bereits als Romanautor, Studio Braun-Komödiant, Bürgermeisterkandidat und zuletzt auch bei den Everybody’s Darlings Joko & Klaas mit einem Tim Mälzer-„Disstrack“! Man sehe und staune:

„Gäste beleidigen live mit Heinz Strunk“
in der Pro7 Mediathek

Wenn Heinz Strunk dem kleinen, geilen Fernsehkoch rät: „Pass auf beim Zwiebelhacken, dass dir nicht frisch gemolkene Ficksahne die Hände runterläuft“, ist das schon gar kein schlechter Einstieg in das Gesamtwerk des wandelnden Gesamtkunstwerks. Als Freund des Derben und Schonungslosen zeigt sich Heinz Strunk auch auf seinem neuen Album „Sie Nannten Ihn Dreirad“, das am 30. Januar bei Audiolith Records erscheint.

dreiradStrunk thematisiert, was in der deutschen Musikwelt nicht thematisiert wird. Sex ohne Menschen, Grandpas in Love, langsame Esser. Und während man bei diesen Songs noch schnell ihren Kontext greifen kann, finden sich auf seinem neunten Soloalbum auch Werke wie das gedichtartige „Dackelblut“ oder der Opener „Rien ne va plus“, der mit abstrusen Textzeilen wie diesen aufwarten kann:

Der schwarze Fakir Günther Voss kniet vor der Liebesschlange Bogomir und lässt sich den schon halb verdauten chinesischen Glückskeks aus seinem Sackmagen herauslecken. Rien ne va plus!

In Stücken wie dem großartigen „Analdämpfer“ oder bereits erwähntem, auch hier enthaltenen „Fernsehkoch“ kommt das humoristische Element immer noch auf die unverkennbare Heinz Strunk-Art raus. Doch anders als auf Strunks bisherigen Alben enthält „Sie Nannten Ihn Dreirad“ nur Musikalisches, keine gaggigen Kurzhörspiele und dergleichen. Dafür experimentiert Heinzer mittlerweile noch stärker als bisher mit dem Element des Sprechgesangs, wenn er auf „Scheisshaus Alien“ fette Rhymes auf einem durchaus Hip-Hop-tauglichen Instrumental darbietet.

heinzKurz vor Ende der zwölf Tracks starken LP kommt das Werk zum Höhepunkt: „Aufnehmen – Bewerten – Handeln“ persifliert sogenannte Erfolgscoaches. Ein Sammelsurium an stupiden Merksätzchen wird zur Sternstunde von Heinz Strunks Kunst. Hier finden Humor und Gesellschaftskritik zusammen, wie es sonst keiner schafft.

Auch auf seine bereits vorangeschrittenen Tage hat es Heinz Strunk ein weiteres Mal geschafft, seinem einzigartigen Stil treu zu bleiben und ihn mit neuen Ansätzen nach vorne zu treiben. Auch wenn die zugegeben trashigen, elektronischen Beats an der einen oder anderen Stelle dezent nerven: Heinz Strunk ist Pop und Poesie, Kunst und Comedy zugleich und damit eine der spannendsten Persönlichkeiten, die dieses Land zu bieten hat. Und wem das alles zu wirr ist, dem seien die Lyrics aus „Langsame Esser“ ans Herz gelegt:

Öffne deinen Verstand und mach‘ es wahr. Du wirst es alles bald verstehen!

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