Foto: Andreas Hornoff

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Schon seit über einer Dekade sind Herrenmagazin in der hiesigen Indie-Szene aktiv, sieben Jahre sind seit ihrem ersten, bei Motor Music veröffentlichten Album „Atzelgift” vergangen. In Tracks wie „Lnbrg” mischte sich das Quartett damals aus wunderbaren Indiepop-Harmonien, einer Prise Emo und recht noisy eingesetzten E-Gitarren ihren eigenen Stil zusammen. In ihrem zuletzt beim mittlerweile zu Grabe getragenen Label Delikatess Tonträger veröffentlichten Werk „Das Ergebnis wäre Stille” schien dieser Sound allerdings langsam, aber sicher eine neue Wendung zu nehmen: Mehr Pop-Appeal, mehr akustische Elemente und weniger Gitarrengewitter, dafür vielleicht die bisher besten Lyrics von Sänger Deniz Jaspersen, der in Songs wie „Landminen” die richtigen Worte für sterbende Beziehungen fand.

Nun steht am 7. August der vierte LP-Release der Hamburger Band an: „Sippenhaft”. Legt man nun die Nadel in die Rille, stellt sich schnell der Eindruck ein, dass die auf dem letzten Album begonnene Stilveränderung einen Schritt weiter gegangen ist. „Ehrenwort” eröffnet die Platte und kommt zunächst völlig ohne Gitarren aus, erst im Chorus setzt sie ein, jedoch fast ohne Distortion und stattdessen von Streichern unterstützt. Herrenmagazin lassen es ruhig angehen, ruhiger als je zuvor. Der Titeltrack des neuen Albums besteht aus nicht mehr als einer Bass- und Piano-Basis, atmosphärischen Gitarrenklängen und seichten Percussions. Mehr braucht es hier aber auch nicht für Jaspersen, um von der Sippe zu berichten:

„In meinen Gesten, meinem Blick. In meinen Leistungen und bei jedem Missgeschick sitzt du mir im Genick. […] Wo wurde ich da nur reingeboren? Was hat mich nur her verschlagen?”

Im darauffolgenden „Gärten” wird dann der Ausbruch aus sipder Sippenhaft eingeläutet, denn „jenseits dieser Gärten liegt die Welt, hier wirst du nicht finden, was dir fehlt!” Dass sich der seit jeher bei Herrenmagazin vorhandene Hang zum Catchy-Melodiösen durch den Einsatz der Streicher auf ein neues Level hieven lässt, wird spätestens hier klar: die Produktion ist wundervoll atmosphärisch und der neue Sound verträgt sich hervorragend mit den von Jaspersen durch gutes Storytelling erschaffenen Songkonstrukten. Besonders der Rausschmeißer „Bis du mir glaubst” weiß mit präzisen Sätzen die Situation einer in der Luft hängenden Lüge perfekt zu illustrieren:

„Wenn du mich fragst, dann war ich nie da. ,Ach was weiß ich, was weiß der Wind! Was ist denn daran jetzt noch unklar? Oh ich weiß doch, dass es stimmt.‘ Bis du mir glaubst, glaub‘ ich es auch. Ich weiß doch auch nur so viel, wie du wissen brauchst.”

Auch, wenn es im ersten Augenblick so wirken mag, gibt sich das Quartett nicht vollends dem Element of Crime-esken Ruhemodus hin, sondern zeigt in Songs wie „Alles so bekannt” auch wieder die Dringlichkeit von früher. Sie gehen mit „Sippenhaft” in gewisser Weise den Weg von Blumfeld, deren vom Punk beeinflusstes Frühwerk später in „Tausend Tränen Tief” und co. mündete. Das hat damals manchen Fan verschreckt und bei Herrenmagazin wird es sich nicht anders verhalten, doch tatsächlich stehen die neu entdeckten Klangwelten dem Songwriting von Deniz Jaspersen hervorragend zu Gesicht – sogar besser noch als die Rohheit auf „Das wird alles einmal dir gehören”!

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