Im Jahr 2010 erblickte Holly Would Surrender das Licht der Welt. Seitdem gab es einige Wechsel in der Besetzung, der Punk-Rock der Band ist aber seit jeher eine volle Wucht und weiß Jung und Alt zu überzeugen. Dem einen oder anderen dürfte vielleicht ihr „Boom Boom Boom“ Cover der Vengaboys ein Begriff sein. Diesen Song kann mit Sicherheit jeder mitsingen. Aber natürlich überzeugen auch die restlichen Songs, weshalb ich mich mit (v.l.n.r) Bruno, Ole, Stefan und Andreas auf dem Heimat Festival in Scheeßel zu einem kleinen Interview getroffen habe. Die Jungs erzählen uns von ihren Erfahrungen mit Bands wie The Ataris und Zebrahead und das Spießer-Dasein im Punk-Rock.

Fotos: Jasmin Reckers, noisiv.de

Gefühlt wechselt ihr eure Bandmitglieder wie Unterhosen. Ole, du bist der einzige, der von Anfang an dabei ist, was ist da los und wo gabelst du deine neuen Bandmitglieder auf? Ich habe gelesen, dass du viele von Facebook akquiriert hast.

Ole: Genau, damals fing es noch über das tolle Bandnet-Gelöt im Internet an, da habe ich Kim und Wendelix aufgegabelt. Aber sonst kam es über Facebook. Wo haben wir uns eigentlich kennengelernt, Stefan?

Stefan: Das könnte auch Bandnet gewesen sein, oder sogar noch MySpace!

Ole: Oh ja, das kann auch gut sein.

Stefan: Ansonsten wahrscheinlich Bandnet. Wann bin ich eingestiegen? 2011? Dann hatte ich zwischendurch eine Pause, weil ich mich auf meine Diplomarbeit konzentrieren musste und jetzt vier, fünf Jahre später, bin ich wieder dabei. Völlig entspannt!

Ole: Als Kim ausgestiegen ist, habe ich Stefan einfach direkt wieder gefragt. Aber bei den anderen hat es sonst einfach nicht gepasst oder wie gesagt, Stefan hat einfach eine Pause zwischendurch gemacht.

Bist du dann auch die treibende Kraft in der Band?

Ole: Das kann man schon so sagen.

Stefan: Der Band-Nazi (alle lachen).

Ihr wart im Februar mit The Ataris gemeinsam im kleinen Donner. Das war nach 2013 bereits das zweite Mal für euch und man kann schon behaupten, dass sie schon ein wenig eure Vorbilder sind. Wie ist das, mit seinem Idol auf der Bühne zu stehen?

Ole: Das ist schon irgendwie ein komisches Gefühl. Man hat zum Beispiel auch gesehen wie die gereist sind, da hat man eigentlich ein anderes Bild im Kopf. Das war schon sehr unterhaltsam.

Konntet ihr euch von anderen Bands mit denen ihr zusammen gespielt habt etwas abgucken?

Ole: Ich glaube viel gelernt haben wir – wobei ich da jetzt nur für Andy und mich sprechen kann, weil der Rest nicht dabei war – war die Zeit als wir noch mit Kim zu dritt unterwegs waren, mit Zebrahead. Da haben wir ganz schön viel mitgenommen.

Andreas: Das war schon richtig geil. Das ist auch so eine krasse Band einfach, im Jugendalter hörst du dir die Platten an und Jahre später bist du dann selbst mit denen in Kontakt und spielst mit solchen Bands. Im ersten Moment, wenn du solche Nachrichten erfährst, dann fällst du auch ein bisschen vom Glauben ab. Ist schon krass und macht Spaß.

Ole: Zebrahead ist ja noch einmal eine ganz andere Größe als The Ataris hier in Deutschland. Ich mein, wir haben mit The Ataris hier im kleinen Donner vor 200 Leuten gespielt, wenn überhaupt. Mit Zebrahead waren es in der Markthalle 800 oder so. Da muss man einfach funktionieren und bei denen sieht man einfach gut, wie man mit dem Publikum richtig interagiert, sodass man halt einen spaßigen Abend hat.

Zebrahead waren die mit der Bar auf der Bühne, oder?

(Alle lachen)

Stefan: Sowas bleibt in Erinnerung!

Andreas: Wir würden das ja auch gerne machen, aber die Mittel dazu fehlen.

Ole: Bei denen sind das die Getränke aus dem Backstage, die stehen bei denen auf dem Rider drauf und werden dann schön dahin gestellt.

New Found Glory haben „gerade“ ein neues Album herausgebracht und Blink182 haben gerade eine neue… äh…

Ole: Deluxe Version! Das haben wir gerade vorhin im Auto gehört. War gar nicht mal so gut. (alle lachen)

Glaubt ihr, dass Punkrock gerade – ich weiß ehrlich nicht, ob man das ein Comeback nennen sollte – ob da wieder ein bisschen mehr passiert?

Ole: Schon, also man merkt, dass es einfach wieder ein paar mehr Bands gibt. Die Art von New Found Glory oder diese 2000er Pop-Punk Bands gibt es aber eher weniger. Es gibt dann eher so Vorbilder wie Neck Deep oder The Story So Far, davon ploppen jetzt immer mehr und vor allem auch junge Bands auf. Das merkt man schon, dass da ein paar mehr Bands unterwegs sind. Aber hier in Deutschland ist das trotzdem immer noch schwierig, weil es einfach eine Nische ist.

Bruno: Punk-Rock und Pop-Punk, da ist die Szene in Deutschland sehr klein. Da ist Hardcore eher ein bisschen größer.

Was bedeutet für euch Punk-Rock?

Ole: Ich guck mal kurz bei Wikipedia. (alle lachen)

Du sollst mir ja sagen, was es für dich bedeutet!

Ole: Keine Ahnung. Hat das heutzutage noch eine bestimmte Bedeutung? Ich meine, ich bin eigentlich total der Spießer, ich kann das eigentlich nicht beantworten.

Warum bist du ein Spießer?

Ole: Weil ich im Spießer-Vorort von Hamburg lebe. Weiß ich nicht, ich führe halt eben einfach so ein Spießer-Leben, wenn man das Spießer nennen kann. Aber was ist Punk-Rock. Punk-Rock ist meiner Meinung nach, dass man das machen kann was man machen möchte, egal wie alt man ist.

Stefan: Es ist einfach eine Einstellung. Ich weiß nicht, das ist schwierig zu beschreiben.

Andreas: Wichtig ist ja, dass der Spaß im Vordergrund steht. Oft ist Punk-Rock natürlich auch zum Teil politisch, aber wir machen ja auch eher Pop-Punk-Rock, da hast du gute Laune und spielst Gute-Laune-Songs auf der Bühne mit Power und voller Energie. Das ist so das Pop-Punk-Ding. Es ist ja auch immer eine Frage zwischen Punk-Rock und Pop-Punk-Rock.

Bruno: Auch Pop-Punk steht für Spaß und nicht alles zu ernst nehmen zu wollen, einfach nur machen was man möchte und genießen.

Euer letztes Album „Kaleidoscope“ ist am 1. April 2016 veröffentlicht worden. Glaubt ihr, dass man als Band heutzutage mehr Druck hat, schneller ein Album zu veröffentlichen als damals?

Ole: Kommt drauf an, ob jemand noch etwas Neues erwartet (lacht). Also, wenn niemand von uns jetzt etwas erwartet, haben wir auch keinen Druck.

Aber das weißt du ja gar nicht.

Ole: Ich glaube, man macht sich als Band den meisten Druck selbst. Also wenn du nicht gerade ein Album nachschieben musst, musst du halt mit irgendetwas anderem über die ganzen Social-Media Kanäle rumkommen, um die Aufmerksamkeit beizubehalten. Wenn du das zu wenig pflegst, bist du auch ganz schnell wieder raus.

Habt ihr denn Pläne für ein neues Album oder erstmal gar nichts?

Ole: Joa, jetzt nicht zwangsweise ein neues Album aber wir überlegen eine neue EP für nächstes Jahr aufzunehmen. Aber wie das wird wissen wir noch nicht. Jetzt nach dem Heimat Festival haben wir ein bisschen Pause und Zeit.

Möchtet ihr der Menschheit noch etwas mit auf den Weg geben?

Ole: Auf jeden Fall nicht auf unsere Homepage gehen, die ist nämlich nicht up to date. Wir sind zu alt fürs Internet, wir nutzen nur MySpace (lacht). Die MySpace-Seite gibt es tatsächlich noch, aber ich weiß die Login Daten nicht mehr.

Ich war mal kurz auf der MySpace Seite, verpassen tut man dort auf keinen Fall etwas. Ich danke euch für das nette Interview und hoffe, euch bald mal wieder in Action sehen zu können! Und jeder, der auf eine ordentliche Portion Punk-Rock steht, dem sei Holly Would Surrender ans Herz gelegt – hört unbedingt mal rein!

Holly Would Surrender live beim Heimat Festival

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